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Was passiert, wenn man einen "Sex-Bot" datet? | BR24

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Max (Bild Mitte), Host des BR-Instagram-Formats News-WG, geht Spam-Anfragen auf Instagram nach und will einen solchen "Sex-Bot" daten.

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Was passiert, wenn man einen "Sex-Bot" datet?

Attraktive Frauen, die Nutzern ungefragt anzügliche Fotos schicken: Soziale Netzwerke wie Instagram sind voll mit solchem Spam. Aber was passiert, wenn man einen solchen Sex-Bot datet? Das BR-Instagram-Format "News-WG“ hat es ausprobiert.

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Eigentlich ist es eine sehr dumme Idee: Einfach so auf Links zu klicken, die einem wildfremde Menschen schicken. Dabei sind es meist nicht mal Menschen, die solche Links in anzüglichen Nachrichten verpacken und auf sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook im Akkord verschicken. Es sind in der Regel Bots, von Menschen erstellte Programme also, die automatisiert Nachrichten verschicken, User in Whatsapp-Gruppen einladen, sexy Fotos oder ein Kennenlernen versprechen und vor allem immer wollen, dass man einen Link anklickt. Neu ist diese Form von Spam nicht, aber völlig klar war bisher nicht, was das Ganze soll, wer dahintersteckt, und ob es gefährlich ist, solchen Anfragen zu folgen.

In den letzten Monaten wurde das BR-Format „News-WG“ (@news_wg), das Nachrichten und Politik auf Instagram für ein junges Publikum aufbereitet, mehrfach in Nachrichten von Nutzern darauf hingewiesen, dass sich dieser Sex-Bot Spam häuft. Die News-WG, BR Data und BR24 wollten herausfinden, welches System hinter den Sex-Bots steckt. Und damit zurück zur dummen Idee: Wir haben Max, Host der News-WG, auf eine Internet-Expedition geschickt, mit einem neuen Profil den Links der Sex-Bots zu folgen. Das Ziel: Ein Date mit einem Sex-Bot.

Virtuelles Handy als "Internet-Präservativ"

Es ist nicht auszuschließen, dass über solche Links Instagram-Nutzer auf externe Seiten gelockt werden sollen, wo ihnen zum Beispiel Phishing-Attacken drohen oder sie sich Viren einfangen können. Um sich bei den "Dating“-Versuchen kein digitales Ungeziefer einzufangen und die Links und Seiten dennoch auf solche Bedrohungen zu untersuchen zu können, haben wir Max eine sichere Umgebung eingerichtet, die in einer virtuellen Maschine ein Android-Smartphone mit Instagram simuliert.

"Auf welchen Typ stehst du? Dick, dünn?

Nach einiger Zeit bekommt Max‘ neues Profil die ersten Anfragen: "Willst du Nackfotos von mir sehen?“, dazu ein externer Link. Max folgt den Links und landet unter anderem auf professionell gestalteten Seiten mit zum Teil sehr expliziten Nacktfotos, die Dating- und sexuelle Präferenzen genauso abfragen wie Intimes: "Auf welchen Typ stehst du? Dick, dünn? Bist du untenrum rasiert? Versprichst du, die Identität der Frauen auf dieser Seite geheim zu halten?"

Nach einigen Angaben zeigt die Seite an, dass nun mögliche Dates in der Umgebung gesucht werden. Etwa 20 bis 30 Sekunden lang wird Max ein Ladebalken angezeigt.

Endstation: Dating-Seiten

Max landet auf einer Dating-Seite, die ihm zahlreiche weibliche "Love-Interests“ vorschlägt, deren Profile gar nicht mehr so offensiv anzüglich nach Erotik-Model aussehen, sondern eher nach "Normalos", Menschen, wie sie einem auch im Alltag begegnen. Ihm selbst wurde ungefragt von der Seite ein Profil erstellt. Und obwohl sein automatisiert angelegtes Profil kaum aussagekräftige Infos enthält, geschweige denn ein Profilbild, schreiben ihm vermeintlich interessierte Frauen:

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Chat-Anfragen (links), die irgendwann immer stärker auf Antworten drängen. Antworten kann aber nur, wer über "Coins" verfügt - die kosten Geld.

Die meisten Chatnachrichten sehen auf den ersten Blick täuschend echt aus, aber es gibt auch Nachrichten, die unlogisch oder fehlerhaft wirken. Zudem weisen einige Indizien aus den Chatverläufen daraufhin hin, dass diese geskriptet wurden beziehungsweise aufwendig programmierte Chat-Bots zum Einsatz kommen. Die Chatkontakte sind zum Beispiel rund um die Uhr online und antworten sofort auf Nachrichten. Nach dem erneuten Login erhält Max direkt neue Flirtbotschaften, etwa "Ich habe von dir leider keine Antwort bekommen. Ich wollte mal fragen auf welche Frauen stehst Du?" (Interpunktion im Original)

Date gegen Geld?

Max wird in diesen Chats von angeblich interessierten Dates immer wieder aufgefordert, mehr Details von sich preiszugeben. Allerdings schnappt beim Versuch zu antworten sehr schnell eine Bezahlschranke zu. Um antworten zu können, soll er digitale Coins für echtes Geld erwerben. Hier ist erstmal Schluss mit Max‘ Versuch, die Sex-Bots am Ende auch zu daten.

Fazit: Die Spam-Anfragen der Sex-Bots auf Instagram verfolgen in diesem konkreten Fall den Zweck, Nutzer auf Dating-Plattformen zu leiten, um ihnen dort kostenpflichtige Dating-Angebote zu verkaufen. Statt echter Dates kann es aber sein, dass man für die digitalen Coins lediglich Fake-Flirts mit Operatoren, also extra dafür bezahlten Mitarbeitern der Dating-Seiten, oder Bots erhält.

Max ist mehreren solcher Links gefolgt und aus unserer Analyse lassen sich Muster erkennen, wie die Anbieter solcher Angebote arbeiten. Unsere vollständige Analyse und die Antwort auf die Frage, ob Max während seines Experiments das Ziel von Malware wurde, lesen Sie hier.

Die ganze Instagram-Story zum Selbstversuch der News-WG finden Sie hier.