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Was es bei Rad-Navi-Apps zu beachten gilt | BR24

© Tobias Schießl/BR

Endlich im Grünen: Nicht immer selbstverständlich, dass die App einen an schönen Flecken vorbeilotst.

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Was es bei Rad-Navi-Apps zu beachten gilt

Ziel eingeben – los geht’s. Was bei Auto-Navigations-Apps oft problemlos klappt, kann bei der Rad-Navigation zu Frustration führen. Wir erklären, warum das so ist – und was Sie bei Rad-Navigations-Apps beachten sollten.

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Eigentlich möchte man durchs Grüne geführt werden, aber nun geht es seit gefühlten Ewigkeiten nur an einer Hauptstraße mit entsprechend viel Autoverkehr entlang. Auch nicht optimal: Man wird mit dem Rennrad auf trostlose Schotterwege gelotst. Warum passiert das gerade bei der Fahrrad-Navigation mit Apps immer wieder?

Apps suchen meist den kürzesten Weg

Thomas Froitzheim, ADFC-Experte für Rad-Navigation, erklärt, dass die meisten Apps tendenziell den direktesten Weg auswählen, egal wie schön die Landschaft ist, die nur eine Wegbiegung weiter auf einen warten würde. Die Software, die dahinterstecke, könne eigentlich gar nicht einen schönen Weg identifizieren.

"Die kann nur sagen: Vermeide nach Möglichkeit Autobahnen, Bundesstraßen, Landstraßen und bevorzuge die Feldwege, die kleinen Wege, oder beim Mountainbiken dann eben Singletrails." Thomas Froitzheim, ADFC-Experte für Rad-Navigation

Dieses Grundprinzip betrifft also nicht nur die klassischen Navi-Apps wie Google Maps oder dessen Konkurrenten von Apple oder Here. Auch auf Radnavigation spezialisierte Apps können "schöne Wege" oder andere individuelle Wünsche nur nach den erlernten Parametern beachten. Zwar versuchen Apps wie Komoot stärker individuelle Radfahrprofile in ihre Routenvorschläge einfließen zu lassen - etwa wie fit man sich einschätzt oder ob man mit dem Mountainbike oder Rennrad unterwegs ist. Aber die schönste Route wird so in der Regel auch nicht gefunden.

Planung statt von A nach B

Um einfach den schnellsten Weg von A nach B zu erhalten, reicht die einfache Zieleingabe aus. Soll die Tour aber anderen Ansprüchen gerecht werden, kommt man um Vorplanung nicht herum. Viele Apps können zum Beispiel mit einem Nutzerkonto am PC verknüpft werden. Dort lassen sich die Karten genauer einsehen und beurteilen, teilweise können auch Touren-Highlights ausgewählt und die eigene Tour so mit ein paar Klicks leicht zusammengestellt werden.

Komoot ist hier der Platzhirsch, die App wird laut ADFC "Radreiseanalyse" von 44 Prozent der Radtouristen in Deutschland verwendet. Aber auch outdooractive hat ein entsprechendes Portal, wo auch zahlreiche Touren-Vorschläge von Tourismusregionen zu finden sind. Geplanten Touren können einfach zurück aufs Smartphone übertragen werden.

Spezialisten und Geheimtipps

Oftmals gibt es eine kostenlose Variante solcher Apps. Benötigt wird nur eine Registrierung mit einer Emailadresse. Sobald man aber offline navigieren möchte – und das macht in vielen ländlichen Regionen oder den Bergen wegen der eingeschränkten Netzabdeckung Sinn – muss man für Kartenpakete bezahlen bzw. monatliche oder jährliche Abogebühren entrichten.

Anders PhoneMaps, dort werden auch Offline-Karten zum Radfahren und Wandern für viele Regionen Europas kostenfrei angeboten. Wer hingegen hohen Wert auf spezielle oder topografische Karten legt, kann sich die Apps OsmAnd, Locus Map oder Map Out ansehen.

In Karten investieren

GPS-Experte Froitzheim rät dazu, für Kartenmaterial auch mal Geld in die Hand zu nehmen, das sorge für sichere Orientierung. Auch klassische gedruckte Rad- oder Wanderführer seien mittlerweile preiswerter geworden und Teil der digitalen Navigation, was eine tolle Sache sei:

"Man kauft sich die gedruckten Führer, geht dann ins Internet und kann sich die passenden Touren aus dem Buch aufs Smartphone oder GPS-Gerät laden." Thomas Froitzheim, ADFC-Experte für Rad-Navigation

Nicht ohne Zubehör

Es gibt auch reine Navigationsgeräte, also Hardware GPS-Lösungen etwa von Garmin, Teasi oder Falk, die gegenüber Smartphone-Apps gewisse Vorteile haben. Dazu gehören bessere Lesbarkeit des Displays bei Sonneneinstrahlung, Regenschutz, Akkulaufzeit oder dass sie meist robuster als ein Smartphone sind. Allerdings lassen sich einige dieser Smartphone-Nachteile auch ausgleichen, etwa durch gute Smartphone-Halterungen mit integriertem Regenschutz oder einer kompakten Powerbank. Am Ende sollte das vielleicht mehrere hundert Euro teure Smartphone ja nicht den Tod an der Lenkstange sterben.

Routing wird besser

Zwar kann sich Rad-Navi-Experte Froitzheim nicht vorstellen, dass es bald Apps geben wird, die auf Knopfdruck automatisch die schönste Radroute berechnen, aber in einigen Bereichen sieht er Bewegung. So würden die Apps zunehmen Themenwege berücksichtigen, also ausgeschilderte Rad oder Wandertouren. Die Datengrundlage würde auch immer besser, da die Apps auf Open Street Maps zugreifen. Und nicht zuletzt tragen auch Touristen dazu bei, die die Apps mit Daten füttern, in Form ihrer eigenen Routen.

"Das Routing wird immer besser werden." Thomas Froitzheim, ADFC-Experte für Rad-Navigation

Zudem könne es vermehrt Funktionen geben, die die Nutzer dann noch komfortabler an ausgewiesenen "Qualitätsradrouten" entlang führen können, etwa an der Wasserburgen-Route oder dem Donauradweg.

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