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Was Facebook gegen Antisemitismus tut - und was nicht | BR24

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Facebook hat gerade seine Regeln gegen Hass im Netz verschärft, aber Posts, die den Holocaust leugnen, werden nicht gelöscht. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Oberbayern, ist empört und versteht Mark Zuckerberg nicht.

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Was Facebook gegen Antisemitismus tut - und was nicht

Charlotte Knobloch hat scharfe Kritik an Facebook geübt. Das Netzwerk tue zu wenig gegen Antisemitismus. In der Tat bleiben manche Formen der Judenfeindlichkeit in Facebooks Kampf gegen den Hass außen vor.

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Die Empörung war groß über das, was Mark Zuckerberg vor zwei Jahren in einem Interview mit dem Tech-Blog „Recode“ von sich gab. Er selbst fände es als Jude zwar beleidigend, wenn man den Holocaust leugnen würde, aber entfernen sollte man solche Inhalte trotzdem nicht. Das Argument des Facebook-Chefs: Die meisten Menschen, die den Holocaust leugnen würden, lägen zwar falsch, "ich glaube aber nicht, dass sie absichtlich falsch liegen", so Zuckerberg. Schon vorher hatte es Kritik an dem Netzwerk gegeben, als herausgekommen war, dass Facebook Holocaustleugnung lediglich in acht Ländern sperren würde, obwohl das Bestreiten oder Verharmlosen dieses Jahrhundertverbrechens in sehr viel mehr Ländern illegal ist.

Facebook verschäft die Regeln

Mittlerweile geht Facebook, ebenso wie Twitter oder Youtube, energischer gegen Verschwörungstheorien und Hass vor. Diese Woche hat der Konzern seine Regeln gegen Hatespeech angepasst und verschärft, darunter auch Regeln, die den Hass auf Jüdinnen und Juden betreffen. So soll es in Zukunft untersagt sein zu behaupten, Juden würden die Welt beherrschen, Medien, Wirtschaft und die Politik kontrollieren. Facebook wendet sich hier also gegen klassische antisemitische Stereotypen, wie sie etwa in dem berüchtigten Pamphlet „Die Protokolle der Weisen von Zion“ ihren Ausdruck finden.

Knobloch: Mark Zuckerberg muss handeln

Wenn es aber um moderne Formen des Antisemitismus geht, zu denen auch die Leugnung des Holocausts gehört, bleibt alles beim Alten, zumindest in den Ländern, in denen Holocaustleugnung nicht unter Strafe steht. Das hat unter anderem auch Charlotte Knobloch auf den Plan gerufen. Die Präsidentin der israelischen Kultusgemeinde forderte Mark Zuckerberg in einem Video auf, mehr gegen die Leugnung des Holocausts auf Facebook zu unternehmen. Auch andere Holocaust-Überlebende haben unter dem Hashtag #NoDenyingIt gegen Facebooks Umgang mit dem Leugnen des Holocausts protestiert.

Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk betont Charlotte Knobloch wie wichtig ihr die Kampagne #NoDenyingIt ist. "Mark Zuckerberg muss sich Gedanken darüber machen, was er den Menschen antut, die den Holocaust überlebt haben", so die 87-jährige. Insbesondere in einer Zeit, in der der Antisemitismus wieder zunehme, müsse der Facebook-Chef sich seiner Verantwortung stellen.

Facebook: Das Leugnen des Holocaust wird trotzdem oftmals entfernt

Facebook selbst betont, dass man sehr wohl fragwürdige Inhalte mit Bezug auf den Holocaust verbanne. Es sei nicht erlaubt, den Massenmord an den europäischen Juden zu verteidigen oder gar zu feiern, ebenso dürfe man auf sich auf den blauen Seiten nicht über Holocaust-Überlebende lustig machen oder behaupten, es handele sich um Lügner. Dass eine Aussage nicht wahr sei, sei allerdings kein ausreichender Grund für eine Löschung - und das gelte auch für die Leugnung des Holocausts. Oft allerdings verstoße das Leugnen des Holocausts ohnehin gegen andere Hatespeech-Regeln und werde dann konsequent gelöscht.

Ausgerechnet YouTube ist Vorbild

Dass es diesbezüglich jedoch trotzdem Probleme bei Facebook gibt, legt eine aktuelle Untersuchung des Institute for Strategic Dialogue nahe, einer in Großbritannien ansässigen Nichtregierungsorganisation, die zu politischem Extremismus forscht.

Man habe alleine 36 Gruppen gefunden, in denen es dezidiert um die Leugnung des Holocausts geht oder zumindest Inhalte zu finden waren, die den Holocaust leugnen. Zudem würden die Facebook-Algorithmen zum Problem beitragen und User zu solchen Inhalten führen. Auch andere Netzwerke hat die Organisation untersucht und auch bei Reddit und Twitter fragwürdige Inhalte gefunden, beispielsweise unter dem Schlagwort „holohoax“. Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man auf der Plattform Telegram nach einschlägigen Inhalten sucht. Dass es anders geht, zeigt ausgerechnet YouTube. Die Videoplattform ist eigentlich berüchtigt als Plattform, auf der die Verschwörungserzählungen sprießen. Seit Anfang 2019 ist Holocaustleugnung auf Youtube verboten, die entsprechenden Inhalte sind seitdem dramatisch zurück gegangen.