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Was bringt der Handy-Perso? | BR24

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Könnten bald eine Symbiose eingehen: Das Smartphone und der Perso.

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    Was bringt der Handy-Perso?

    Ausweis und Smartphone: Diese zwei Dinge haben viele von uns immer dabei. Da liegt nahe, diese zwei Dinge miteinander zu verbinden. Der Personalausweis auf dem Smartphone soll ab Herbst kommen. Doch die wenigsten werden ihn nutzen können.

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    Von
    • Christian Schiffer

    Auskünfte bei der Rentenversicherung einholen, Urkunden anfordern oder sein Auto anmelden: All das kann man mittlerweile online erledigen, zumindest theoretisch. Allerdings benötigt man die App mit dem bürokratisch-nüchternen Namen "Ausweis-App2", einen PIN und einen Personalausweis mit Online-Funktion. Diese Online-Funktion ist seit 2017 standardmäßig bei allen ausgegebenen Ausweisen mit dabei ist. 30 Millionen solcher e-Persos sind deswegen bereits in Umlauf.

    Trotzdem: Von der Möglichkeit, im Internet Behödengänge zu erledigen, machen nur wenige Gebrauch. Das liegt einerseits daran, dass man noch lange nicht alle Behördengänge von zu Hause aus mit Perso und App erledigen kann, andererseits aber auch daran, weil es vielleicht auch etwas kompliziert ist, mit App und Smartphone herumzuhantieren.

    Der Handy-Perso: Einfach - und sicher?

    Und so soll ab September alles einfacher werden: Der Personalausweis kann dann direkt auf dem Telefon gespeichert werden und mit diesem Handy-Perso kann man sich dann online ausweisen, aber er ersetzt auch den herkömmlichen Plastik-Ausweis.

    Das bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich, etwa bei der Sicherheit. "Mit einem gefälschten Personalausweis kann man Identitätsdiebstahl begehen und dann zum Beispiel Bankkonten unter einer falschen Identität eröffnen", sagt Friedhelm Greis, Redakteur für Netzpolitik beim IT-Portal Golem. Das Missbrauchspotenzial sei beträchtlich. Da das Projekt von der Bundesdruckerei und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ausgeht, könne man zwar davon ausgehen, dass die Sicherheit gewährleistet sei. Für ein verlässliches Urteil sei es aber zu früh, da der Handy-Ausweis nicht von unabhängiger Seite, etwa dem Chaos Computer Club, überprüft worden sei.

    Den Handy-Ausweis gibt es erstmal nur für ein Gerät

    Die Sicherheit des neuen Handy-Ausweises gewährleisten soll vor allem ein besonderer Chip, der in den Geräten verbaut ist und auf dem dann die Daten verschlüsselt gespeichert werden. Das Problem: Über diesen Chip verfügt bislang nur ein einziges Samsung-Smartphone, nämlich das Samsung Galaxy S20. Ob sich irgendwann noch mehr Geräte als Personalausweis benutzen lassen werden, wird ganz entscheidend von der Frage abhängen, wie oft der Handy-Perso überhaupt genutzt wird.

    "Es ist im Moment halt noch nicht so abzusehen, dass andere Hersteller, wie etwa Apple bereit sind, ebenfalls dieses Sicherheitselement einzubauen", sagt Friedhelm Greis. "Das ist Zukunftsmusik", so der Golem-Redakteur. Man wolle wohl erst einmal zeigen, dass so ein Handy-Personalausweis grundsätzlich funktioniert.

    Handy-Personalausweis: 25 Millionen Euro Kosten im Jahr

    Ob sich der Handy-Perso am Ende durchsetzen kann, ist ungewiss. Trotzdem ist das Projekt nicht ganz billig, 25 Millionen Euro soll die Bereitstellung im Jahr kosten. Zunächst muss aber der Bundestag den neuen Ausweis-Plänen zustimmen. Doch selbst wenn politisch und technisch alle Voraussetzungen gegeben sind: Der Handy-Perso wird nur dann Erfolg haben können, wenn es genügend Angebote gibt, bei denen Bürger ihn überhaupt benutzen können.

    Allerdings könnte es diesbezüglich bald einen Schub geben. Laut dem Online-Zugangsgesetzt sind Bund und Länder verpflichtet, bis spätestens Ende 2022 alle ihre Verwaltungsleistungen auch elektronisch über das Internet anzubieten.

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