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Warum YouTuber gegen ihre Plattform kämpfen | BR24

© Nick Ansell/Picture Alliance

Youtuber, auch Creator genannt, proben den organisierten Aufstand gegen ihre Plattform.

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Warum YouTuber gegen ihre Plattform kämpfen

Viele Filmemacher verstehen YouTubes Richtlinien nicht und fürchten um ihr Einkommen. Deswegen haben sie eine Vereinigung gegründet und YouTube eine Frist gesetzt: Entweder die Plattform verhandelt oder es gibt einen Shitstorm.

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In seinen Videos testet Jörg Spraves selbstgebaute Waffen, von Schleudern bis Pfeil und Bogen. Sein Slingshot Channel hat über 2 Millionen Abonnenten auf YouTube. Bis vor Kurzem hat er mit dem auch noch gut Geld verdient – sogar seinen eigentlichen Job für die YouTube-Karriere aufgegeben. Sprave schaltete deswegen Werbung vor seinen YouTube-Videos. Das klappt inzwischen aber kaum noch, denn YouTube hat strenge Regeln beim Thema Monetarisierung eingeführt. Immer häufiger sperrt YouTube Videos für Werbeanzeigen, oft ist aber nicht klar wieso. Für die Macher bedeutet das: plötzlich weniger Geld, obwohl sie damit planen.

"Für uns heißt das entweder wir schaffen es die Plattform zu verändern, oder unser Beruf ist hoffnungslos, und wir müssen uns etwas Anderes suchen. Das ist im Prinzip der Kern dieser Notlage." - Jörg Sprave, YouTuber

Gemeinsam für die Rechte von YouTubern

Jörg Sprave hat deswegen die YouTubers Union gegründet, eine Bewegung von YouTubern. 22.000 Mitgliedern sind dabei, die inzwischen sogar von der größten Gewerkschaft der Welt unterstützt werden, der IG Metall. Gemeinsam haben sie die Kampagne FairTube gestartet. Ein organisierter Widerstand gegen YouTube.

"Das waren bisher vereinzelte Anstrengungen und jetzt ist es das erste Mal eine breite Massenbewegung. Und das ist quasi auch die ganze Geschichte der Gewerkschaftsbewegung. Ein einzelner kann wenig ausrichten, aber eine Gemeinschaft macht natürlich auch sehr stark." - Robert Fuß, Verantwortlicher für FairTube bei IG Metall

Verhandlungen oder Gericht

Die YouTuber fordern vor allem mehr Transparenz von ihrer Plattform. Und sie wollen mitreden. Im Moment fühlen sich die Creator nämlich ausgeschlossen, unfair behandelt, und übergangen. YouTube sieht das anscheinend anders.

"Die YouTube Creator sind ein wichtiger Bestandteil des YouTube-Ökosystems. Deshalb schüttet YouTube den Großteil der Erlöse an die Creator und Partner aus. Daneben müssen wir sicherstellen, dass unsere Nutzer sowie Werbetreibende auf YouTube ein sicheres Umfeld vorfinden. Um dieses Gleichgewicht herzustellen, stehen wir mit allen Akteuren im ständigen Austausch." - Statement YouTube

Waffen-YouTuber Jörg Sprave findet aber, dass die Zusammenarbeit mit der Plattform in eine krasse Schieflage geraten ist.

"Wenn das wirklich eine Partnerschaft ist, und so bezeichnet es YouTube ja, dann müssen sie das auch wie unter Partnern machen. Wenn zwei Partner miteinander arbeiten, dann müssen auch alle Beteiligten eine Entscheidungskompetenz bekommen." - Jörg Sprave, YouTuber

Die Kampagne FairTube hat YouTube eine Frist gesetzt. Bis zum 23. August soll YouTube auf die Forderungen eingehen und mit FairTube verhandeln. YouTube hat sich wohl schon inoffiziell bei FairTube gemeldet, sie wären bereit mit den Creatorn zu sprechen. Ein offizielles Gespräch ist das aber noch nicht. Sollte bei den Verhandlungen nichts herauskommen, sind Shitstorm-Aktionen geplant und die Kampagne FairTube will vor Gericht ziehen.

Gefährlich für YouTube: Scheinselbstständigkeit

Denn ein großes Streitthema aus Sicht von FairTube ist, ob YouTuber vielleicht Scheinselbstständige sind. Das glaubt zumindest die Kampagne FairTube. Scheinselbstständigkeit heißt, jemand arbeitet wie ein Selbstständiger, schreibt also zum Beispiel Rechnungen. Tatsächlich liegt aber ein ganz normales Arbeitsverhältnis vor. Bei den YouTubern könnte das der Fall sein, weil sie vielleicht zu sehr von ihrem Big Boss YouTube abhängig sind. Sowohl finanziell als auch von dessen Entscheidungen.

Gabriele Leucht ist Expertin für Arbeitsrecht. Sie sieht zumindest im Moment keine Scheinselbstständigkeit bei YouTubern vorliegen. Aber: "Wenn das so weitergeht, dass YouTube immer engere Vorschriften macht, weitere Videos löscht, ohne den YouTubern zu sagen, weshalb - dann könnte es langsam in die Richtung von einem Arbeitsverhältnis gehen." YouTube selbst weist den Vorwurf der Scheinselbstständigkeit zurück.

"Anders als es hier behauptet wird, sind YouTube Creator aus rechtlicher Sicht keine Angestellten von YouTube." - Statement YouTube

YouTube sollte sich damit aber nicht allzu sicher sein. Dafür lohnt sich ein Blick auf den Fahrdienst-Vermittler Uber. Ein britisches Gericht hatte einen Fahrer dort als Scheinselbstständigen und damit als Angestellten von Uber anerkannt. Wenn das bei YouTube auch so durchgehen würde, müssten sie erst einmal richtig viel Geld nachzahlen: Rentenversicherung, Krankenkassenbeiträge, dazu käme das Recht auf Urlaub und Kündigungsschutz.

Letzte Chance für professionelle YouTuber

Vor allem mittelgroße YouTuber, solche mit 50.000 bis eine Million Abonnenten - sind von wegfallenden Einnahmen und dünner Kommunikation betroffen. Mit ihren Videos einfach auf eine andere Plattform auszuweichen, das geht für sie aber auch nicht. YouTube hat auf dem Videomarkt eine absolute Monopol-Stellung. Und so kämpft die YouTubers Union gemeinsam weiter gegen die Plattform, die sie ursprünglich mal so für ihre Freiheiten geliebt hat.