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Auch die ideäntitäre Bewegung betreibt eine Gruppe auf Steam
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Auch die ideäntitäre Bewegung betreibt eine Gruppe auf Steam

Sie heißen "Kebeb remover" oder geben sich als Pseudonym den Namen "Anders Brevik", so heißt der rechte Terrorist, der 2011 in Norwegen 77 Menschen ermordete. Auch den Namen des Attentäters von Christchurch haben sich einige Steam-Nutzer als Nick-Name gegeben. 300 sollen es unmittelbar nach dem rechtsextremen Massenmord gewesen sein, bis Steam endlich einschritt. Ebenso soll das Manifest des Christchurch-Täters auf der Plattform kursiert sein. Kein Einzelfall, sagt Computerspielexperte Christian Huberts, der schon seit einiger Zeit die extremistischen Umtriebe auf Steam beobachtet:

"Was einem sehr oft auf Steam begegnet, sind jede Menge Mems, die mit rechten Codes arbeiten, als Hakenkreuze zum Beispiel, die da aus Emojis zusammengesetzt sind und da freimütig in Kommentarspalten reingesetzt werden. Das geht soweit, dass man dort Profile ausmachen kann, die sich mit Führereid vorstellen, dort rechtsextreme Musik posten und andere User einladen zu Troll-Gruppen, wie Reconquista Germania." Christian Huberts

Anything-Goes-Attitüde auf Steam

Steam geht zwar gegen extremistische Inhalte vor, aber offenbar nicht besonders energisch. Dass Steam oft gar nicht oder zu spät einschreitet, das werfen viele Beobachter der Plattform schon länger vor und tatsächlich: Auf Steam scheint eher das Prinzip "anything-goes" zu gelten. Und so stellt sich die Frage, ob Steam nicht unter das Netzwerk-Durchsetzungsgesetz fallen würde.

Zur Erinnerung: Eigentlich sollte dieses Gesetz Plattformen dazu zwingen offensichtlich rechtswidrige Inhalte innerhalb einer bestimmten Frist zu löschen, sonst drohen empfindliche Strafen. Müsste das nicht auch für Steam gelten? Nachfrage beim Bundesjustizministerium: Dort gibt man sich ahnungslos, die Plattform sei nicht bekannt. Zudem verweist man darauf, dass lediglich Plattformen, die hierzulande mehr als zwei Millionen Nutzer haben, unter das NetzDG fallen. Zudem seien Plattformen für Online-Spiele ausgenommen. Nur: Steam ist keine Plattform für Online-Spiele. Und: Steam könnte in Deutschland durchaus über zwei Millionen Nutzer haben. Weltweit sollen über 130 Millionen User auf Steam registriert sein.

Steam: Eine Art iTunes für Computerspiele

Steam existiert seit 2003 und ist eine Art iTunes für Computerspielen. Das heißt, die Spiele laufen nicht, oder nur selten, direkt im Browser, wie dies bei klassischen Online-Spielen der Fall ist. Vielmehr ist Steam eine Verkaufsplattform, allerdings mit einem lebendigen Community-Bereich. Die Nutzer können sich hier nicht nur Profile einrichten, sondern auch kommentieren und sich in Gruppen austauschen. In solchen Gruppen verkehrte auch Davis S., der 2016 in und am Olympia Einkaufszentrum in München neun Menschen tötete.

Bundesamt für Justiz: Verkaufsplattformen fallen nicht unter das NetzDG

Das Bundesjustizministerium verweist auf Nachfrage auf das Bundesamt für Justiz. Dort erklärt man, keine Liste mit Dienstanbietern zu führen. Die Behörde wird erst aktiv, wenn ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen eine Plattform eröffnet wird. Ob ein solches gegen Steam in Gang eingeleitet wurde, könne man nicht sagen. Vor allem verweist das Bundesamt für Justiz auf einen Passus im Gesetz. Demnach fallen Plattformen, die nicht primär dazu bestimmt sind, Inhalte zu teilen beziehungsweise zugänglich zu machen, nicht unter das NetzDG.

"Auch Angebote, welche entsprechende Kommunikationsräume nur als Nebenfunktion anbieten, sind nicht als solche 'dazu bestimmt', dass Inhalte geteilt oder zugänglich gemacht werden." Bundesamt für Justiz

Im Klartext: Eine Plattform, die Social-Media-Funktionen nur als "Nebenfunktion" anbietet, fällt nicht unter das NetzDG und genau das könnte bei Steam der Fall sein. Allerdings stellt sich dann die Frage, ob das Gesetz nicht doch ein zu großes Schlupfloch bietet?