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Warum die Lernplattform Mebis noch immer eine Baustelle ist | BR24

© Screenshot: Mebis

Auch in der Woche nach den Osterferien war die Lernplattform Mebis teilweise nicht erreichbar

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    Warum die Lernplattform Mebis noch immer eine Baustelle ist

    Mitte März kollabierte die Lernplattform Mebis unter dem Ansturm der Nutzer. Das bayerische Kultusministerium besserte nach, doch die Probleme blieben. Der Chaos Computer Club hat einen Tipp, wie sich Schulen unabhängig von Mebis machen können.

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    Seit sechs Wochen sind die Schulen in Bayern wegen des Coronavirus geschlossen - und deshalb notgedrungen ins Netz ausgewichen. Viele Lehrer stellen Unterrichtsmaterial und Übungsaufgaben auf der Lernplattform Mebis ein. Dort sollen sich Schüler bzw. ihre Eltern die Unterlagen runterladen und eigenverantwortlich bearbeiten. Auch Feedback der Lehrer können die Kinder über das Portal erhalten - wenn die Seite funktioniert.

    Mebis spricht von DDoS-Attacke

    Denn für Diskussionsstoff sorgte Mebis in den ersten Tagen der Home-Schooling-Periode, als die Seite vorübergehend nicht erreichbar war. Die Mebis-Administratoren sprachen von einer DDoS-Attacke.

    Die Abkürzung steht für "Distributed Denial of Service". Mit Hilfe spezieller Software, die auch für Laien einfach zu bedienen ist, werden hierbei hunderttausendfache Seitenaufrufe generiert, bis die angegriffene Seite unter der Last zusammenbricht.

    Mehr als eine Millionen registrierte Nutzer

    Netzwerk-Experten hielten es allerdings auch für möglich, dass die Seite einfach dem plötzlichen Ansturm von Lehrern und Schülern nicht gewachsen war.

    Schon am Tag, als die Schulschließungen bekannt gegeben wurden, verdreifachte sich die Zahl der Zugriffe auf die Mebis-Startseite auf 750.000 Aufrufe, wie es auf der Mebis-Seite heißt. Die Zahl der Nutzer, die zur selben Zeit auf Mebis arbeiten, sei sogar 40 Mal so hoch wie zwei Wochen zuvor. Insgesamt sind inzwischen 1,2 Millionen Nutzer registriert.

    © dpa-Bildfunk

    Auf Mebis können Lehrer Unterrichtsmaterialien hinterlegen, Lernaufgaben austauschen und Schülern Feedback geben - wenn die Seite funktioniert.

    Serverkapazitäten verzehnfacht

    Um die steigende Nachfrage besser in den Griff zu bekommen, haben die Mebis-Administratoren "die Systeme deutlich optimiert und sowohl Performance als auch Stabilität deutlich gesteigert. Die Serverkapazitäten wurden verzehnfacht", antwortet das Kultusministerium auf BR24-Anfrage.

    Dennoch kam es auch zu Beginn dieser Woche, also nach dem Ende der Osterferien, wieder zu Zugriffsproblemen. Auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken kursierten Beschwerden darüber, dass Mebis wieder nicht erreichbar bzw. überlastet sei.

    Zahl der Nutzer-Aktionen sprunghaft gestiegen

    Das Kultusministerium sagt dazu, dass die Erreichbarkeit am Montag, 20.04.2020, zwischen 8.00 und 14.00 Uhr eingeschränkt gewesen sei. Die Zahl der gleichzeitig ausgeführten Nutzer-Aktionen sei von weniger als 500 pro fünf Sekunden in den Osterferien auf mehr als 6.800 Aktionen am Vormittag des 20. April angestiegen. Ab 14 Uhr seien die Systeme wieder sehr stabil gelaufen.

    Weil Lehrer und Schüler Mebis weiter sehr intensiv nutzen, arbeiten das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung sowie das IT-Dienstleistungszentrum "mit Nachdruck an der schnelleren Skalierung und Optimierung der Systeme." Daneben werde an einer Optimierung der Datenbanken gearbeitet.

    💡Bildungsplattform Mebis

    Seit 2014 gibt es in Bayern die digitale Bildungsplattform Mebis, die vom bayerischen Kultusministerium betrieben wird. Sie besteht aus sechs verschiedenen Online-Angeboten. Dazu zählt vor allem die Mebis Lernplattform, die Lehrer nutzen können, um dort Unterrichtsmaterialien und Übungsaufgaben einzustellen. Im Mebis Infoportal ist auch der Bayerische Rundfunk mit seinem Angebot "Schule daheim" vertreten und liefert darüber hinaus Content für die Mebis Mediathek.

    CCC: Problem liegt in der zentralen Serverstruktur

    Der Chaos Computer Club (CCC) München hält die zentrale Infrastruktur für das größte Problem von Mebis. "Der CCC propagiert seit langem eine möglichst große Dezentralisierung. Jede Schule sollte am besten einen eigenen Server haben. Aber so greift ganz Bayern auf dasselbe Servercluster zu und wenn es dann eine DDoS-Attacke gibt, sind alle lahmgelegt", sagt "Gigo", der sich beim CCC München kritisch mit Fragen der Digitalisierung auch im Bereich der Bildung beschäftigt, zu BR24.

    Die Entscheidung, Mebis auf verschiedenen Servern laufen zu lassen, die alle im gleichen Rechenzentrum gehostet werden, hat das Kultusministerium 2012 getroffen, "um den schul- und schulartübergreifenden Austausch beispielsweise von Lernmaterialien sowie die interschulische Kommunikation zu ermöglichen."

    "Gigo" hält Mebis zugute, dass die aktuelle Corona-Ausnahmesituation für das Kultusministerium natürlich nicht vorhersehbar war. Beim Aufbau von Mebis ab 2012 hätte man zwar eine andere, dezentralere Architektur wählen können, die aber teurer gewesen wäre. "Man hätte gefragt, wofür?"

    In der Tat hat das Kultusministerium damals auch eine dezentrale Server-Struktur "intensiv diskutiert und geprüft, aber aufgrund der technischen Komplexität verworfen".

    CCC empfiehlt Schulen eigene Server

    Dennoch hat der Mann von der Pressestelle des CCC München einen Vorschlag, wie man mehr Dezentralität hinbekommen könnte:

    "Mebis basiert in großen Teilen auf der Open-Source-Lernplattform Moodle. Schulen könnten zum Beispiel Kurse aus Mebis exportieren und in eine Moodle-Instanz importieren, die auf einem schuleigenen Server installiert ist. Es gibt bereits Schulen, die das machen, insofern hat die Corona-Pandemie auch etwas Gutes in Sachen Dezentralisierung." "Gigo" vom Chaos Computer Club München

    Für die dafür entstehenden (Server-)Kosten wäre die jeweilige Kommune als Sachaufwandsträger zuständig. Das Kultusministerium hat gegen eine solche Lösung grundsätzlich nichts einzuwenden, weist aber darauf hin, dass "die technischen Implikationen eines Aufbaus einer dezentralen Moodle-Struktur auf Schulebene hohe technische Anforderungen an die schulischen Systembetreuerinnen und -betreuer stellt". Zudem müssten hierbei auch umfangreiche datenschutztechnische und rechtliche Aspekte beachtet werden.

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