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Bernard Peterander stapft beim Schneesturm durch Forstern, um die Bewohner für den Glasfaser-Ausbau zu gewinnen.
© Bayerischer Rundfunk
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Bernard Peterander stapft beim Schneesturm durch Forstern, um die Bewohner für den Glasfaser-Ausbau zu gewinnen.

Bernard Peterander stapft mit einem blauen Regenschirm beim Schneesturm durch Forstern. Der Mitarbeiter der Firma "Deutsche Glasfaser" möchte die Bewohner für den Glasfaser-Ausbau gewinnen. An einer Tür erwischt er eine ältere Dame, sie hat kein Interesse. "Das war jetzt noch nichts. Aber mit ihrem Sohn könne ich mal reden", sagt er und stapft weiter.

Wieso die Menschen skeptisch sind, versteht Peterander nicht

40 Prozent der Forstener Haushalte müssten einen Vorvertrag mit der "Deutsche Glasfaser" unterschreiben, damit sich der Ausbau für die Firma lohnt. Noch sind es unter 30 Prozent. Seit drei Monaten werben Peterander und seine Kollegen dafür. Sie gehen von Tür zu Tür, haben Infotage und Werbegeschenke organisiert.

Jetzt haben sie auch noch den Zeitraum verlängert und ihr Team auf sieben Mitarbeiter, teilweise aus Nordrhein-Westfalen und Hessen, für Forstern und den Nachbarort aufgestockt. Wieso die Menschen hier skeptisch sind, versteht Peterander nicht. "So genau wissen wir es selbst nicht. Eventuell war es die Vorweihnachtszeit. Eventuell liegt es daran, dass sie schon gut versorgt sind", sagt er. "Aber gut, jetzt sind wir nochmal bis Ende Januar hier. Noch ist alles drin."

Bernard Peterander und seine Mitarbeiter beratschlagen sich im extra angemieten Servicezentrum in Forstern.

Bernard Peterander und seine Mitarbeiter beratschlagen sich im extra angemieten Servicezentrum in Forstern.

Der Rentner Ludwig Hiebinger lebt seit 25 Jahren in dem Ort. Er hat gute Gründe, wieso er keine Glasfaser will. "Ich bin momentan schon gut versorgt und habe mit der neuen Technologie keinen Zugewinn. Außerdem würde es mehr kosten. Daher ist mein Interesse reduziert." Die lang gediente Kupferkabelverbindung ist günstiger und für ältere Bewohner wie Hiebinger auch schnell genug. Der Glasfaservertrag würde mindestens rund 45 Euro kosten.

Glasfaser - ein Generationenkonflikt

Oberbürgermeister Georg Els versucht, die Skeptiker umzustimmen. Er findet den Glasfaserausbau wichtig: als Standortfaktor. Seiner Meinung nach ist es ein Generationenkonflikt. "Das eine sind die jungen Familien und die jungen Leute, die sagen: Glasfaser brauchen wir auf alle Fälle. So auch mein Sohn. Er sagt, da brauchst du nicht lange überlegen. Das musst du machen. Und dann gibt es auch die Grundstücksbesitzer, die in einem Alter sind, wo sie sagen: Eigentlich wäre das die Aufgabe von den Jungen. Muss ich mich damit befassen?"

Oberbürgermeister Georg Els versucht, Skeptiker wie Ludwig Hiebinger umzustimmen. Er findet den Glasfaserausbau wichtig: als Standortfaktor.

Oberbürgermeister Georg Els versucht, Skeptiker wie Ludwig Hiebinger umzustimmen. Er findet den Glasfaserausbau wichtig: als Standortfaktor.

Ungerechte Förderung

Herbert Berger wohnt am Rand von Forstern – ihm ist das Internet hier zu langsam. Aber viele Nachbarn in seiner Nähe, in der Peripherie rund um den Ort, haben bereits Glasfaser bekommen. Weil der Breitbandausbau dort noch schlechter war, gab es Förderungen von Bund und Freistaat. Ungerecht, findet Berger. "Jetzt sagt natürlich jeder, warum kriegen wir das nicht auch? Wir brauchen in der Ortschaft auch Glasfaser", sagt er. "Ich verstehe das: Draußen haben sie Glasfaser. Die Gewerbegebiete und die Ortschaft Forstern hat es nicht. Wir brauchen es für die Zukunft auf alle Fälle." Und dafür brauchen sie etwa noch 100 Verträge mehr, die Bernard Peterander und seine Kollegen abschließen müssen. Bis zum 28. Januar haben sie dafür Zeit.