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Warum die Angst vor Social Media-Challenges oft übertrieben ist | BR24

© Gaelle Marcel/Unsplash

Was passiert auf den Smartphones ihrer Kinder? Für viele Eltern eine berechtigte Sorge.

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    Warum die Angst vor Social Media-Challenges oft übertrieben ist

    Wieder einmal sorgt ein Bericht über eine tödliche Challenge auf Social Media für Entsetzen. Doch oft entpuppen sich solche Geschichten als falsch. Trotzdem ist auf Plattformen wie TikTok Vorsicht geboten - vor allem, wenn Kinder sie nutzen.

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    Von
    • Gregor Schmalzried

    Der Tod eines 10-jährigen Mädchens aus Palermo hat in Italien heftige Diskussionen rund um TikTok und andere soziale Medien ausgelöst. Medienberichten zufolge hatte sich das Mädchen zu Hause mit einem Gürtel bewusstlos gewürgt. Schuld daran sei eine sogenannte "Blackout-Challenge" auf dem Videoservice TikTok, der vor allem von jungen Menschen genutzt wird. Dabei würden junge Menschen aufgefordert, sich solange die Luftzufuhr abzuschneiden, bis sie bewusstlos werden.

    Gibt es die "Blackout-Challenge" tatsächlich?

    Allerdings gibt es bislang keine handfesten Beweise, dass die "Blackout-Challenge" tatsächlich existiert. Trotz zahlreicher Medienberichte beziehen sich alle Hinweise auf die Challenge wohl auf einen Bericht der italienischen Zeitung La Repubblica. Dieser weist allerdings auch darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft den Sachverhalt noch klären will und noch keineswegs sicher sei, ob das Mädchen tatsächlich auf TikTok zu der Tat angestachelt wurde.

    Bisher ist es weder Pressevertretern noch TikTok selbst gelungen, Videos auf auf der Plattform zu identifizieren, welche zu einer solchen "Blackout-Challenge" auffordern würden. "Die Sicherheit der TikTok-Gemeinschaft ist unsere höchste Priorität", sagte dazu eine Pressevertreterin des Social Media-Dienstes.

    Gefährliche Mutproben - sehr viel älter als Social Media

    Tatsächlich gibt es schon seit Jahrzehnten Berichte über gefährliche Mutproben, bei denen Jugendliche aufgefordert werden, sich selbst zu würgen. Das "Ohnmachtsspiel" oder "Choking Game" hat insbesondere in den USA schon zu mehreren Todesopfern geführt. Allerdings liegen die ersten dieser tragischen Ereignisse weit zurück und fanden in einer Zeit statt, in der es noch gar keine sozialen Medien gab.

    Angeblich tödliche Challenges entpuppen sich immer wieder als Schwindel

    Dennoch gibt es immer wieder fragwürdige Berichte über angeblich tödliche Challenges in den sozialen Medien. Vor einigen Jahren sorgte etwa die "Blue Whale Challenge" vor allem in Russland und Osteuropa für Diskussionen und panische Kettenbriefe. Auch dort sollte es um die Selbstverletzung von Kindern und Jugendlichen gehen. Trotzdem konnte bis heute nicht ein Todesfall in Zusammenhang mit der "Blue Whale Challenge" bestätigt werden.

    Ein ähnlicher Fall ereignete sich 2019, als eine 13-jährige Münchner Schülerin Tabletten schluckte - angeblich weil sie per WhatsApp-Kettenbrief zu einer gefährlichen "Momo-Challenge" aufgefordert war. Später korrigierte die Polizei: Der Fall habe mit nichts mit einer solchen Challenge zu tun gehabt. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Falschmeldung über die angebliche gefährliche Challenge aber schon weit verbreitet.

    Bekannte Gefahren auf TikTok

    Ein bestätigter TikTok-Trend, der der "Blackout-Challenge" tatsächlich nahekommt, war die sogenannte "Pass-Out-Challenge", die Anfang des Jahres 2020 um sich griff. In dieser zeigten sich viele junge Menschen dabei, wie sie ihren Kopf rasant hin und her schüttelten, bis sie kurzzeitig das Bewusstsein verloren. Auch hier warnten Gesundheitsexperten vor möglichen Gesundheitsschäden.

    TikTok hat auf die Kritik mit mehreren Maßnahmen reagiert. Die Hashtags für die diversen gefährlichen Challenges - ob sie nun tatsächlich verbreitet waren oder nicht - sind nicht mehr abrufbar. Zudem hat TikTok bereits vor zwei Wochen angekündigt, bestimmte Funktionen für Nutzer unter 16 Jahren einzuschränken, um Sicherheitsbedenken vorzubeugen.

    Mindesalter für Social Media

    Grundsätzlich sehen die Nutzungsrichtlinien der großen Social Media-Apps alle ein Mindestalter vor, unter dem man die App nicht nutzen sollte. Bei TikTok liegt dies bei 13 Jahren, bei WhatsApp sogar bei 16 Jahren. Das durchzusetzen ist auch Aufgabe von Eltern und Erziehungsberechtigten. Diese sollten auch bei gefährlichen Mutproben ein Auge auf ihre Kinder haben - ob diese nun aus dem Freundeskreis kommen oder von Social Media.