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In Kneipen könnte bald die Corona-Warn-App zum Standard werden.

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    Warn-App könnte Luca obsolet machen: Reagiert Bayerns Regierung?

    Mehr als fünf Millionen Euro Lizenzgebühren lässt Bayern sich die Luca-App kosten. Updates könnten aber dafür sorgen, dass die Corona-Warn-App der Luca-App den Rang abläuft. Gerade in der vierten Welle. Verlängert Bayern trotzdem bei Luca?

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    Thomas MoßburgerThomas Moßburger
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    Bevor es wirksame und sichere Impfstoffe gegen das Coronavirus gab, war Kontaktnachverfolgung ein zentrales Mittel der Pandemiebekämpfung. Und ist es eigentlich auch heute noch: Im Idealfall erfasst das Gesundheitsamt alle Kontakte eines Infizierten und ordnet Quarantänen und Tests an.

    Knapp 80.000 Menschen infizierten sich alleine in Bayern in der letzten Woche. All diese Infizierten haben vor ihrem Positiv-Test Menschen getroffen, privat, auf der Arbeit oder aber in Restaurants oder Clubs. Wer genau in ihrer Nähe war, sollen das Gedächtnis der infizierten und digitale Helfer wie die Luca-App, mit deren Hilfe Menschen bei Events und Gastronomien einchecken, hervorbringen.

    Früh Kritik an Luca

    Die Luca-App war im Frühjahr 2021 - auch in Folge einer Werbekampagne durch den Mit-Entwickler und Rapper Smudo - in vielen Bundesländern eingeführt worden. Der User speichert dort seine Kontaktdaten und checkt auf Zeit an Ort XY ein. Kommt später heraus, dass sich dort ein Infizierter aufgehalten hat, bekommt das Gesundheitsamt die Daten der eingecheckten Anwesenden und kann sie kontaktieren.

    Schnell gab es Berichte über Sicherheitsbedenken, zudem kritisierten Behörden, dass die Daten bei der Nachverfolgung kaum hilfreich seien. Der Chaos Computer Club forderte eine "Bundesnotbremse" für die App. Luca setzte sich dennoch vielerorts durch, auch das Bundesland Bayern orderte eine Lizenz für 5,5 Millionen Euro und verteidigte die App immer wieder gegen Kritik.

    Vierte Welle erschwert Nachverfolgung

    Einige Monate später, hat sich die Situation jedoch nochmals weiterentwickelt. Einerseits erlauben die hohen Infektionszahlen der vierten Welle in Bayerns oftmals keine breite Nachverfolgung durch die Ämter mehr. So werden etwa in Würzburg Menschen, die mit einem Infizierten in einem Club oder einer Bar waren, grundsätzlich nicht mehr vom Amt informiert. Auch andernorts konzentriert man sich auf Haushaltsangehörige und vulnerable Gruppen.

    Andererseits hat sich auch die staatliche Corona-Warn-App in Sachen Kontaktverfolgung weiterentwickelt. Neue Funktionen der App können das Problem überlasteter Ämter teils lösen, die keine Kapazitäten mehr für die Nachverfolgung von Luca-Kontakten haben. Zudem erfordert die Warn-App keine Angabe von persönlichen Daten des Nutzers und kostet den Staat keine zusätzlichen Lizenzgebühren.

    Corona-Warn-App kann mehr

    Was hat sich in der Warn-App getan? Besucher von Events, Restaurants oder Clubs können seit einer Weile auch mit der Corona-Warn-App dort einchecken, ganz ohne Namen, Standort- oder Kontaktdaten anzugeben. Die App auf dem Handy weiß jedoch, dass ihr Nutzer zu Zeitpunkt X an dem Ort war, dessen QR-Code er abgescannt hat. Dafür muss der Gastronom mittlerweile - und das ist neu - noch nicht einmal auf den Check-In-Code der Corona-Warn-App umstellen. Auch über Luca-QR-Codes ist das Einchecken mit der Warn-App möglich.

    Kommt nun heraus, dass ein Gast infiziert war, kann der das über die Corona-Warn-App teilen und so die anderen zum gleichen Zeitpunkt eingecheckten Besucher warnen. Zudem ist es möglich, dass das Gesundheitsamt dem Gastronomie-Betreiber oder Event-Veranstalter eine positive Infektion meldet und der Betreiber dann alle, die zu Zeitpunkt X per Corona-Warn-App bei ihm eingecheckt waren, warnen kann. Die Gäste erhalten dann eine Warnmeldung aufs Handy und können sich isolieren und testen lassen.

    Ampel für stärkeren Einsatz der Warn-App

    Einziger echter Nachteil laut "Zeit": Das Gesundheitsamt erhält wegen der Anonymität der Warn-App keine Liste mit Menschen, die es in Quarantäne schicken kann. Dass solche Quarantäne-Anordnungen aktuell zu bewerkstelligen wären, ist aber wie angesprochen unwahrscheinlich. Die Experten von "Netzpolitik.org" gehen angesichts der neuen Lage davon aus, dass die Luca-App bald obsolet werde könnte.

    Zu dieser neuen Situation gehört demnach auch ein Beschluss der im Werden begriffenen neuen Ampel-Bundesregierung. Laut "Netzpolitik" ermöglicht er den Bundesländern, anzuordnen, "dass die Nachverfolgung und Unterbrechung von Infektionsketten vorrangig durch die Bereitstellung der QR-Code-Registrierung für die Corona-Warn-App des Robert Koch-Instituts erfolgt." Umrüsten müssten die meisten Betreiber nichts, wenn sie etwa bereits Luca nutzen, da die Luca-QR-Codes ja, wie bereits erwähnt, ohnehin schon in der Warn-App funktionieren.

    Was macht Bayern?

    Doch wie sieht Bayerns Staatsregierung die neue Lage bei Luca? Schließlich bezahlt man durchaus einen stattlichen Geldbetrag für eine App, die viel Kritik erhielt und in der aktuellen Lage wohl nur noch wenig helfen kann.

    Der Vertrag mit der Luca-App läuft laut Angaben des Digitalministeriums vom August noch bis April 2022. Auf BR24-Nachfrage gab das Ministerium darüber hinaus an, dass über eine Verlängerung und das weitere Vorgehen noch nicht entschieden sei.

    Auch mit einer Bewertung der App tut man sich bei Bayerns Regierung noch schwer. Das Ministerium für Gesundheit und Pflege gab auf BR24-Anfrage folgendes an: "Grundsätzlich werden von den Gesundheitsämtern die Vorteile einer digitalen Lösung gegenüber papiergebundenen Verfahren positiv gewürdigt. Eine umfangreiche Erweiterung von Luca ist erst seit kurzem verfügbar. Daher sind wir gerade dabei, Anwendungserfahrungen der bayerischen Gesundheitsämter mit dieser Erweiterung einzuholen."

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