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Wahrheit oder Lüge? Der Kampf um Corona-Infos im Internet | BR24

© engin akyurt / Unsplash

Fake News und Verschwörungstheorien: In Zeiten von Corona noch ein größeres Problem als sonst

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    Wahrheit oder Lüge? Der Kampf um Corona-Infos im Internet

    Falschinformationen über eine Pandemie können im schlimmsten Fall Leben kosten. Auf Plattformen wie Facebook und Twitter gibt es deshalb immer striktere Richtlinien für Posts über das Coronavirus.

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    Ist das Coronavirus in einem Labor in den Vereinigten Staaten entstanden? Obwohl es für diese Vermutung keinerlei Indizien gibt, verbreitete der Ex-AfD-Politiker Wolfgang Gedeon sie vor einem Monat im Landtag Baden-Württembergs. Die USA seien vom Coronavirus schließlich “überhaupt nicht" betroffen, sagte er. Das ist nachweislich falsch: Die USA haben nun schon länger die meisten Covid-19-Fälle weltweit, und die Zahl steigt stetig weiter.

    Auf Facebook ist ein Video, in dem Gedeon diese Falschinformationen verbreitet, weiterhin abrufbar - mit fast 200.000 Aufrufen. Aber: Wer es aufruft, der sieht nicht direkt die Rede. Stattdessen erscheint zunächst ein Warnhinweis: "Falsche Informationen - Von unabhängigen Faktencheckern geprüft" steht dort. Die Rede wird also nicht gelöscht - aber sie wird auch nicht einfach unkommentiert stehen gelassen.

    © Screenshot Facebook

    In diesem Facebook-Video verbreitet Ex-AfD-Politiker Wolfgang Gedeon Falschinformationen über das Coronavirus

    Das Beispiel zeigt: Wer Verschwörungstheorien und Falschinformationen zum Coronavirus verbreitet, hat es im Moment auf den großen Plattformen im Netz nicht immer leicht. Dass es während einer globalen Pandemie noch viel wichtiger ist als sonst, Lügen im Netz zu enttarnen, haben auch Facebook & Co erkannt - und bereits vor einigen Wochen Maßnahmen angekündigt. Denn möglicherweise geht es hier auch um das Retten von Menschenleben.

    Neue Maßnahmen auf Twitter und WhatsApp

    Auch Twitter greift mittlerweile durch - und zwar sogar gegen hochrangige Politiker. In den letzten Wochen hat die Plattform zum Beispiel einen Tweet von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro entfernt, in dem dieser ein "natürliches Gebräu" mit Zutaten wie Ingwer und schwarzem Pfeffer als Corona-Heilmittel empfohlen hatte. Auch von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro wurden zwei Tweets entfernt, in denen er unter anderem ein umstrittenes Medikament zur Behandlung empfahl und ein Ende der sozialen Distanzierung forderte. Für Twitter ist dieses Verhalten durchaus ungewöhnlich - üblicherweise wird Staatsoberhäuptern hier weitgehend freie Hand gelassen.

    WhatsApp hat neuerdings die Funktion der Weiterleitung eingeschränkt. Nachrichten, die bereits fünfmal weitergeleitet wurden, können nur noch an eine einzelne Person, nicht mehr an mehrere weitergeschickt werden. Das soll die flutwellenartigen Gerüchte und Verschwörungstheorien eindämmen, die in der Chat-App immer wieder verbreitet werden.

    "Pandemie-Populismus" in den sozialen Medien

    Das Coronavirus hat auch einen Einfluss auf die Facebook-Aktivität von sogenannten "alternativen Medien". Eine Untersuchung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ergab, dass diese zwar in Form eines "Pandemie-Populismus" über die Krise berichten, aber vor blanken Lügen eher zurückschrecken.

    "Vielmehr hat sich gezeigt, dass sich die Alternativmedien während der Corona-Krise gerne die Faktenlage zurechtbiegen und Gerüchte sowie einzelne Verschwörungstheorien verbreiten", erklärt Studienleiter Prof. Dr. Thorsten Quandt. "Diese Medien vermischen in ihren Veröffentlichungen das Leugnen des Klimawandels, die Flüchtlingskrise, Weltuntergangstheorien und das Coronavirus."

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