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VZBV hofft auf Kundenschutz bei zu langsamem Internet | BR24

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Schneck auf Computermaus

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    VZBV hofft auf Kundenschutz bei zu langsamem Internet

    Haushalte bekommen von den Telekommunikationsanbietern häufig nicht die versprochene Internetgeschwindigkeit geliefert. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert deshalb ein Recht auf Entschädigung - und die könnte tatsächlich bald kommen.

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    Es ist ein ständiges Ärgernis: Telekommunikationsanbieter versprechen Breitband-Internet – heraus kommt aber nur ein tröpfelndes Datenrinnsal. Ein Anruf bei Telekom und Co bringt nichts, dort hört man gerne: „von unserer Seite ist alles OK“. Will man es nicht darauf beruhen lassen, muss man systematisch vorgehen und erst einmal verschiedene Punkte durchprüfen, denn eine langsame Internetverbindung kann mehrere Ursachen haben.

    Womöglich hakt es beim eigenen Rechner

    Möglicht ist, dass sich im Browser zu viele Cookies angesammelt haben, die das Surfen im Netz verlangsamen. Löschen kann man die bei Chrome über die Menüpunkte „weitere Tools“ und „Browserdaten löschen“. Beim Firefox geht man über „Einstellungen“ und „Datenschutz und Sicherheit“. Manchmal hakt es auch beim Router. Ausschalten und nach zehn Sekunden neu starten behebt manche Internet-Störungen. Um die volle Geschwindigkeit zu bekommen, muss der Router zudem kompatibel zur Internetleitung sein. Das sollte man Verkäufer des Routers erfragen.

    Den Rechner woanders testen

    Probleme könnte – insbesondere bei Windows - auch der Treiber für die Netzwerkkarte bereiten. Man sollte deshalb prüfen, ob der Treiber in der aktuellen Version auf dem Rechner installiert ist. Alle diese Punkte lassen sich jedoch auch leicht ausschließen, indem man den Rechner an einem zweiten Ort (zum Beispiel in einer anderen Wohnung) ans Internet anschließt und prüft ob dort die volle Internetgeschwindigkeit ankommt. Wenn es dabei ähnliche Probleme gibt, liegt es wahrscheinlich doch am eigenen Rechner.

    Bundesnetzagentur bietet Geschwindigkeitsmessung an

    Oft genug ist der Grund für langsames Internet aber eben beim Internetprovider zu suchen. Die Bundesnetzagentur stellt hierfür ein Tool bereit, mit dem man die tatsächliche Internetgeschwindigkeit messen kann. Mit ein paar Klicks bekommt man angezeigt, wieviel von der versprochenen Geschwindigkeit tatsächlich am Rechner ankommt. Klafft das regelmäßig zu sehr auseinander, kann man dies in einer App abspeichern und als Argumentationshilfe gegenüber dem Internetprovider verwenden.

    Internetanbieter liefern oft zu wenig fürs bezahlte Geld

    Dass die garantierten Bandbreiten sehr häufig nicht eingehalten werden, darauf deutet eine Auswertung der Bundesnetzagentur hin. Bei gut 900.000 Messungen in ganz Deutschland vom 01.10.2017 bis zum 30.09.2018 ergibt sich, dass bei weniger als 13 % wurde die zugesagt Geschwindigkeit voll erreicht oder überschritten wurde. Auch wenn es sich um keine repräsentative Untersuchung handelt, so deuten die Ergebnisse zumindest klar darauf hin, dass die Telekomgesellschaften nicht wirklich zuverlässig liefern. Verbraucherschützer kritisieren dies seit längerem.

    „Ein Internetanschluss gehört inzwischen fast zum Leben dazu, wie die Wasserversorgung oder der Stromanschluss. Umso schlimmer, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher nicht geliefert bekommen, wofür sie zahlen…“ Lina Ehrig, Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV)

    In Großbritannien zahlt man automatisch acht Pfund weniger

    Bislang haben die VerbraucherInnen aber keine Handhabe gegen die Internetanbieter und können nur auf deren Kulanz hoffen, wenn sie den Firmen ihre Mängel (etwa mit Hilfe der App der Bundesnetzagentur) auflisten.

    „Wenn ich als Verbraucher kein Schwert habe, mit dem ich den Anbieter zwingen kann dann nützt mir das faktisch wenig.“ Lina Ehrig, Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV)

    Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert deshalb gesetzlich festgeschriebene Nutzerrechte, wie es sie in anderen Ländern bereits gebe. In Großbritannien würden VerbraucherInnen beispielweise pro Tag mit acht Pfund automatisch entschädigt, sobald der Service länger als zwei Tage ausfällt. Für Deutschland fordert der VZBV ein Sonderkündigungsrecht, um zu einem anderen Anbieter mit besseren Konditionen wechseln zu können. Falls es in einer Region nur einen Internetanbieter gibt, sollen Kunden in einen anderen Tarif wechseln können, der dann eben der tatsächlichen Geschwindigkeit entspricht. Andere Variante wäre, dass umso weniger bezahlt wird, je mehr garantierte und tatsächliche Internetgeschwindigkeit auseinanderklaffen.

    In den nächsten Wochen könnte es einen Gesetzentwirf geben

    Die Verbraucherschützer sind zuversichtlich, dass ihre Forderungen wirklich aufgriffen werden, denn in diesem Jahr muss die Bundesregierung den Europäischen Kodex für die elektronische Kommunikation (EECC) in nationales Recht umsetzen. Lina Ehrig rechnet damit, dass das Bundeswirtschaftsministerium noch im Februar oder März einen Entwurf für die Änderungen im Telekommunikationsrecht vorlegt und hofft, dass ihre Vorschläge dort berücksichtigt werden.

    Die VerbraucherInnen hat Ehrig jedenfalls auf ihrer Seite. In einer repräsentativen Umfrage des VZBV forderten 84 Prozent Entschädigungen bei länger andauernden Störungen, 76 Prozent wünschen sich ein Sonderkündigungsrecht oder die Möglichkeit, im Monat weniger zu bezahlen, wenn das Internet zu langsam ist.