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Vor einem Jahr wurde Julian Assange festgenommen | BR24

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Wikileaks-Gründer Julian Assange

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    Vor einem Jahr wurde Julian Assange festgenommen

    Sieben Jahre verbrachte Wikileaks-Gründer Julian Assange in der Botschaft von Ecuador, bis er vor einem Jahr festgenommen wurde. Seitdem sitzt der Australier in Haft. Immer mehr Menschen protestieren gegen seine drohende Auslieferung an die USA.

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    Von
    • Christian Schiffer

    Was hatte es nicht für kuriose Ideen gegeben, um Julian Assange aus der ecuadorianischen Botschaft in London zu schmuggeln, in der er 2012 auf der Flucht vor den Behörden gestrandet war. Offenbar gab es Überlegungen, den Gründer von Wikileaks im Diplomatengepäck oder in Verkleidung an der britischen Polizei vorbeizuschleusen. Auch die Ernennung zum offiziellen Vertreter Ecuadors bei der UN wurde angeblich erwogen.

    Am Ende stellten sich aber alle Pläne als nicht realisierbar heraus und als ihm dann der damals neue ecuadorianische Präsident 2019 Asylrecht und Staatsbürgerschaft entzog, war der Weg frei zur Verhaftung des Australiers.

    Weiterhin droht Auslieferung an die USA

    Diese erfolgte am 11. April 2019. Mittlerweile wurde der Australier zu einer Haftstrafe von 50 Wochen verurteilt, weil er sich der Justiz entzogen habe. Entscheidend aber ist für Assange die Frage, ob er in die USA ausgeliefert wird. Denn aus diesem Grund war er überhaupt in die Botschaft geflohen, nachdem Schweden 2010 gegen ihn wegen eines Sexualdelikts einen internationalen Haftbefehl ausstellen ließ.

    In den USA drohen Assange hohe Haftstrafen, weil er mitgeholfen haben soll, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Die Ermittlungen in Schweden sind mittlerweile eingestellt worden, die Auslieferung an die USA droht Assange aber weiterhin.

    Über 40.000 haben Petition unterschrieben

    Bislang gab es lediglich Anhörungen zum Auslieferungsverfahren, das eigentlich am 18. Mai beginnen soll. Doch aufgrund der Corona-Krise ist es unklar, ob es bei dem Termin bleibt. Die Corona-Krise beeinflusst auch auf andere Art die Causa Assange: Mahnwachen für den 48-Jährigen mussten wegen Covid-19 ins Netz verlegt werden und auch generell hat die Aufmerksamkeit für seinen Fall erheblich abgenommen.

    Im Februar war das noch anders. Damals nahm sich der UN-Sonderberichterstatter Nils Melzer des Falls an und erhob schwere Vorwürfe gegen diverse Behörden. Von psychischer Folter war die Rede und von konstruierten Vorwürfen. Über 40.000 Menschen, darunter viele Prominente wie etwa Sigmar Gabriel, Peter Gauweiler, Jürgen Wallraff oder Sybille Berg unterzeichneten einen Aufruf, der die sofortige Freilassung Assanges fordert.

    Trumps Liebe zu Wikileaks ist erkaltet

    Ob es dazu kommen wird, das ist fraglich. 2016 im US-Wahlkampf, als Wikileaks E-Mails des Wahlkampfchefs von Hillary Clinton veröffentlichte, da rief Donald Trump noch aus "Ich liebe Wikileaks!". Mittlerweile aber ist diese Liebe deutlich erkaltet.

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