BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Vier Dinge, die bei der Corona-Warn-App besser werden müssen | BR24

© Picture Alliance

Hilft sie wirklich gegen Corona? Seit hundert Tagen lässt sich die Corona-Warn-App herunterladen

42
Per Mail sharen

    Vier Dinge, die bei der Corona-Warn-App besser werden müssen

    Seit hundert Tagen kann man die Corona-Warn-App herunterladen. Das kleine Programm ist besser als sein Ruf. Aber um wirklich gegen Corona helfen zu können, müssen sich noch ein paar Dinge ändern. Vor allem müssen erst einmal mehr Leute mitmachen.

    42
    Per Mail sharen

    Es war eine schwere Geburt: Wochenlang hatte man darüber gestritten, wie eine Corona-Warn-App aussehen muss, damit Sie höchsten Ansprüchen an den Datenschutz genügt. Am Ende stand ein Programm, an dem nicht einmal die Hacker vom Chaos Computer Club etwas auszusetzen hatten. Die Daten wurden dezentral auf den Geräten verarbeitet, die App selbst war Open Source, sodass der Programmcode für jeden öffentlich einsehbar war. Und tatsächlich ist seither kein Datenskandal um die Corona-Warn-App bekannt geworden, anders als etwa in Norwegen, wo eine ähnliche App wieder zurückgezogen werden musste.

    Viele fragen sich: Was bringt's?

    Vor allem aber scheint der Streit dazu beigetragen haben, dass zahlreiche Bürgerinnen und Bürger der App trauen. Kürzlich erst hat eine Studie der TU München herausgefunden, dass das Vertrauen in den Datenschutz der App in den letzten drei Monaten gestiegen ist. Statt dem Datenschutz gibt es nun aber ein anderes Thema, das die Bürgerinnen und Bürger umtreibt, nämlich die Frage: Was bringt die App überhaupt? Die Antwort: Die App ist zwar ein Baustein im Kampf gegen Corona. Allerdings wohl eher ein kleiner Baustein. Damit die App gegen Corona zu einem großen Baustein werden kann, muss noch einiges besser werden.

    Erstens: Es müssen mehr mitmachen

    Auf 50 Millionen Handys könnte die Corona-Warn-App laufen, installiert wurde sie bislang auf 18 Millionen Geräten. Das ist eine respektable Zahl, allerdings dürfte die tatsächliche Nutzung eher bei 14 Millionen liegen, etwa weil viele Menschen die App wieder deinstalliert haben oder ein anderes Smartphone nutzen. Eine aktuelle Studie der University of Oxford kommt zu dem Schluss, dass Anti-Corona-Apps auch schon bei relativ geringen Nutzungszahlen einen Effekt haben. Aber dennoch gilt: Je mehr Menschen die App nutzen, umso besser. Dazu müsste aber intensiver für die App geworben werden, bislang machen das vor allem Privatpersonen etwa unter dem Hashtag #wellenbrecher.

    Zweitens: Die App muss sich besser erklären

    Wie genau funktioniert die Corona-Warn-App? Wie soll das Programm gegen Corona helfen? Warum läuft die App nicht auch auf alten Handys? Und was heißt "eine Risikobegegnung mit niedrigem Risiko"? Viele dieser Fragen sind leicht zu beantworten, trotzdem sind viele Bürgerinnen und Bürger verwirrt. Auch in anderen Fragen würde man sich mehr Klarheit wünschen, etwa warum eine Übersetzung ins Kurdische 250.000 Euro kosten soll. Vermutlich sind hierbei auch die Kosten für zusätzliche Hotline-Mitarbeiter enthalten. Mit mehr Transparenz und Klarheit könnte man den zahlreichen Mythen rund um die App entgegentreten.

    Ähnliches gilt für den Umgang mit Bugs. Mal funktionierte die App im Hintergrund nicht, dann wurden die Nutzer wieder von kryptischen Fehlermeldungen genervt. Zugegeben: Die wenigsten Probleme hatten etwas mit der App selbst zu tun, eher mit den entsprechenden Schnittstellen. Auch die für die hinterherhinkende Anbindung der App-Infrastruktur an die Test-Labore können die Entwickler nichts. Aber es wäre dennoch sinnvoll gewesen, die Probleme schnell und transparent zu kommunizieren. So entstand große Verwirrung, die dem Vertrauen in die App und damit der Pandemiebekämpfung insgesamt geschadet hat.

    Drittens: Die App muss weiterentwickelt werden

    Als die Corona-Warn-App konzipiert wurde, wusste man noch weniger darüber, wie genau sich das Coronavirus verbreitet. Heute ist bekannt, dass die Pandemie von Superspreading-Events getrieben wird und eine Ansteckung im Freien sehr viel unwahrscheinlicher ist als in geschlossenen Räumen. Man sollte die App weiterentwickeln und damit den neuen Corona-Erkenntnissen anpassen. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat beispielsweise den Vorschlag einer freiwilligen Datenspende gemacht. Wer positiv auf Corona getestet wird, kann freiwillig seinen Kontakten mitteilen, wo und wann sie eine mit Corona infizierte Person getroffen haben. Das könnte dazu führen, dass man mit Hilfe der App frühzeitiger Superspreading-Events aufdecken kann – und Geschwindigkeit ist bei der Pandemiebekämpfung ein wichtiger Faktor.

    Viertens: Realistisch bleiben!

    Für die einen ist die App ein zentrales Instrument gegen die Corona-Pandemie, andere wiederum sind sich sicher, dass die App ohnehin nichts bringt. Realistisch ist wohl, dass die App im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen dazu beitragen kann, die Corona-Kurve flach zu halten. Und ob sie etwas bringt oder nicht, hängt letztlich auch davon ab, wie viele Menschen die App auf ihr Smartphone lassen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!