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Verwirrende Corona-SMS der Bundesregierung sorgt für Kritik | BR24

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Einreisende nach Deutschland bekommen nun eine Nachricht: Doch was damit anfangen?

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    Verwirrende Corona-SMS der Bundesregierung sorgt für Kritik

    Ab heute erhalten Einreisende nach Deutschland eine SMS, die sie auf die Corona-Regeln hinweisen soll. Doch die Umsetzung wird von Experten als verwirrend und sinnlos krtisiert. Die umstrittene Digital-Politik Deutschlands steht nun erneut im Fokus.

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    Von
    • Gregor Schmalzried

    Ab dem 1. März erhalten Einreisende nach Deutschland eine SMS, die sie auf die Corona-Regeln aufmerksam machen soll.

    "Die Bundesregierung: Willkommen/Welcome! Bitte beachten Sie die Test-/Quarantäneregeln; please follow the rules on tests/quarantine."

    Es folgt ein Link, der zu weiteren Informationen führt. Die Neuerung soll die Corona-Regeln für Pendler und Einreisende sichtbarer machen und moderne Kanäle zur Verbreitung wichtiger Informationen nutzen.

    Verwirrende Bedienung, unklare Informationen

    Tatsächlich aber regt sich bereits schon zeitgleich mit der Einführung der Einreise-SMS Kritik an der Umsetzung. Die Bundesregierung habe es versäumt, Informationen auf einfache Weise zu vermitteln und zwinge Einreisende stattdessen dazu, eine schwer bedienbare und unübersichtliche Website zu bedienen, kritisiert die IT-Gruppe "Zerforschung" auf Twitter.

    Wie der Thread auf Twitter zeigt, enthält die SMS an sich überhaupt keine Informationen, sondern verlinkt nur auf eine Website. Diese Website zwingt Einreisende erst einmal dazu, eine deutschsprachige Cookie-Warnung zu akzeptieren und das, obwohl nicht jede Person, die nach Deutschland einreist, Deutschkenntnisse hat.

    Darauf folgt eine schlecht bedienbare und unübersichtliche Seite mit zahlreichen Links, langen Texten und Listen und kaum tatsächlich brauchbaren Informationen, die den Einreisenden weiterhelfen dürften. Stattdessen werden Nutzer herausgefordert, zwischen Begriffen wie "Risikogebiet", "Hochinzidenzgebiet" und "Virusvarianten-Gebiet" zu unterscheiden. Und will man schließlich Informationen zu einzelnen Bundesländern erhalten, folgen zahlreiche kaputte Links und unvollständige Daten.

    "Wir verstehen schon, dass so schnell keine gute Lösung umsetzbar ist, es war ja nur ein knappes Jahr Zeit", scherzt die Gruppe "Zerforschung" am Ende ihres Twitter-Threads. Und ein User kommentiert: "Ab wann hört eigentlich 'Neuland' auf? Und ab wann fängt 'fahrlässig' an?"

    Ein größeres Problem: Die blockierte Digitalisierung

    Dass eine verunglückte Aktion der Bundesregierung so hämische Reaktionen nach sich zieht, liegt auch daran, dass die Corona-Krise schonungslos den beklagenswerten Stand der Digitalisierung in Deutschland offengelegt hat. Kinder in Deutschland werden kaum mit den nötigen digitalen Hilfsmitteln fürs Homeschooling ausgestattet. Lernplattformen fallen aus. Gesundheitsämter und andere Behörden sind mit ihren Aufgaben überfordert, weil die digitale Infrastruktur fehlt. Und der Corona-Warn-App, einst als "Rockstar unter den Apps" angepriesen, fehlen wichtige Funktionen, die jetzt eine App aus der Privatwirtschaft übernehmen könnte.

    "Wir brauchen eine Jahrhundertreform", sagte zuletzt sogar der Unions-Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus, mit Blick auf den blockierten Stand der Digitalisierung in Deutschland. Und Fälle, wie die missglückte Einreise-SMS, geben auch weiterhin Futter für kritische Stimmen.

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