Donald Trump will 2024 erneut kandidieren – doch sind alle seine Fans mit an Bord?
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Donald Trump will 2024 erneut kandidieren – doch sind alle seine Fans mit an Bord?

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    Verschwörungstheoretiker sind enttäuscht über Trumps Ankündigung

    Verschwörungstheoretiker sind enttäuscht über Trumps Ankündigung

    Donald Trump will 2024 noch einmal antreten – doch ausgerechnet seine größten Anhänger sehen die Nachricht kritisch. Viele Gläubige der QAnon-Verschwörungstheorie werten Trumps Ankündigung nämlich als Eingeständnis, die Wahl 2020 verloren zu haben.

    Donald Trump will 2024 zum dritten Mal als US-Präsident kandidieren. Trotz eines schwachen Abschneidens der Republikaner bei den Midterms-Wahlen und wachsender Kritik an Trumps Politikstil hält der ehemalige Präsident an seinem Plan fest. Aber nicht alle seine Anhänger sind glücklich darüber. Und die schärfste Kritik kommt ausgerechnet von seinen glühendsten Unterstützern aus der QAnon-Bewegung.

    Wann kommt der QAnon-Sturm?

    QAnon ist eine komplexe Verschwörungstheorie, die sich während Trumps Präsidentschaft zu einer radikalen Bewegung mit Ausläufern auf der ganzen Welt entwickelt hat. QAnon-Anhänger glauben, dass die Welt von einem Kabal aus Verschwörern regiert wird, welche in satanischen Ritualen das Blut von Kindern trinken, um sich künstlich jung zu halten. Auch halten sie Donald Trump und Wladimir Putin für die Anführer im Kampf für das Gute und warten auf einen Tag des "Sturms", an dem das amerikanische Militär die Verantwortlichen der Verschwörung verhaftet und hinrichtet.

    Während Trumps Amtszeit glaubten QAnon-Anhänger fest daran, dass Trump die Wahl 2020 haushoch gewinnen würde. Seit Trumps Niederlage ist das weltweite Interesse an der Verschwörungstheorie gesunken – doch zahlreiche Menschen weltweit glauben nach wie vor daran. Nur vermuten sie jetzt, dass Trump weiter im Hintergrund die Strippen zieht und Joe Biden nicht wirklich als Präsident agiert.

    Hype vor der Ankündigung

    Vor einigen Tagen hatte Trump für den Abend des 15. November ein wichtiges Ereignis angekündigt und die Erwartungen dafür hochgesteckt: "Hoffentlich wird der morgige Tag einer der wichtigsten Tage in der Geschichte unseres Landes", schrieb der ehemalige Präsident am Tag zuvor auf seiner Medien-Plattform Truth Social.

    In der QAnon-Community nahmen das viele als Zeichen, dass der Tag des Sturms endlich gekommen sei. Im beliebten QAnon-Forum "Great Awakening" ließen die User in einer Umfrage darüber abstimmen, was die große Ankündigung wohl sein könnte: Auf Platz 1 der Umfrage erhofften sich Nutzer die Vorlage unumstößlicher Beweise für Wahlfälschung 2020 und 2022. Auf Platz 2 vermuteten sie eine Ankündigung Trumps, er sei ein "Exilpräsident" und würde die Vereinigten Staaten nun von "Besatzern" befreien.

    Angeheizt wurden diese Gerüchte ausgerechnet von Trump selbst. Auf Truth Social teilt Trump in jüngster Zeit immer wieder Grafiken mit QAnon-Motiven. Ob er weiß, was diese bedeuten, ist unklar.

    Trump enttäuscht seine größten Anhänger

    Nun ist Trumps Ankündigung da – doch anstelle von Euphorie herrscht in den QAnon-Foren kühle Stimmung. Statt Militärherrschaft und Massenverhaftungen können die Nutzer dort nur die von Trump eingereichten Schriftstücke diskutieren, die ihn 2024 wieder zum Präsident machen sollen. Der Kommentar mit den meisten Likes im Forum "Great Awakening" ist ein einziges Wort: "Gähn."

    Weiter unten machen viele User ihrem Ärger Luft: "Ich bin sprachlos, um ehrlich zu sein", schreibt einer von ihnen. "Irgendetwas anderes muss hinter den Kulissen los sein... Glauben wir wirklich, dass Trump ist so naiv, blind und realitätsfern ist?" Andere Nutzer klingen weniger wütend, und mehr traurig: "Ich will eigentlich nur noch weinen", schreibt ein weiterer. "Ich möchte nicht alles schwarzmalen, aber ich kann nicht mehr zusehen."

    Auch in deutschsprachigen QAnon-Channels auf Telegram sind viele Trump-Fans enttäuscht: "Ich bin seit Ende Oktober 2017 dabei und habe immer dem Plan vertraut, aber nun komme selbst ich mir langsam verarscht vor", schreibt eine Userin namens Anya. Und eine andere Anhängerin, die sich selbst Ellen nennt, bekennt: "Hatte mich um drei nachts live eingeschaltet bei der Trump-Rede. Es fehlte mir an Begeisterung. Habe schon besseres von ihm gehört. Bin auch bald eingeschlafen."

    Warum wählen?

    Donald Trump hat mit seiner Ankündigung auf den Enthusiasmus seiner Fans gesetzt – doch in den Kreisen der QAnon-Verschwörungstheoretiker ist davon wenig zu spüren. Seit zwei Jahren erfindet Trump immer wieder Geschichten über angeblichen Wahlbetrug bei der Wahl 2020, obwohl zahlreiche Untersuchungen nichts dergleichen feststellen konnten.

    Diejenigen, die ihm diese Geschichten abnehmen, zeigen sich nun wenig motiviert, ein weiteres Mal für ihn wählen zu gehen – schließlich hat ihr Anführer ihnen keinen Grund gegeben, diesmal nicht erneut mit Betrug zu rechnen. "Wie sollen wir 2024 gewinnen, wenn nichts getan wurde, um die bisherigen Wahlen aufzuhalten?", fasst es ein User auf "Great Awakening" zusammen.

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