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Der Verschwörungspräsident: Trump, QAnon und die großen Mythen | BR24

© picture alliance / AP Photo

Donald Trump im Wahlkampf 2016.

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    Der Verschwörungspräsident: Trump, QAnon und die großen Mythen

    Schon bevor er Präsident wurde, hat Trump zahlreiche Falschbehauptungen und Verschwörungstheorien auf Social Media verbreitet. Im Weißen Haus hat er diese Strategie verschärft - und wurde gleichzeitig zum Helden einer ganzen Verschwörungsbewegung.

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    US-Präsident Donald Trump hat über seine gesamte bisherige Amtszeit Social Media und Auftritte in digitalen Kanälen genutzt, um Verschwörungstheorien und Falschinformationen zu verbreiten oder zu verstärken. Nun, da die Präsidentschaftswahl bevorsteht, wird das Ausmaß des Schadens allmählich klar - und die sozialen Medien sind immer noch wenig auf das Kommende vorbereitet.

    Trumps Hintergrund in der Verschwörungswelt

    Der Aufstieg Trumps in die Politik ist eng mit zwei Dingen verwoben: Social Media und Verschwörungstheorien. Der damalige Geschäftsmann und Reality-TV-Host sorgte zunächst 2011 für Wirbel, indem er als einer von mehreren Republikanern in den Medien die Verschwörungstheorie verbreitete, Präsident Obama sei nicht in den USA, sondern in Afrika geboren. In der Show Good Morning America sagte Trump, er sei "skeptisch", ob Obama gebürtiger Amerikaner sei und fügte hinzu: "Die ganze Sache ist sehr merkwürdig".

    Im darauffolgenden Jahr geriet die Sache auf die nächste Stufe. "Eine 'extrem glaubwürdige' Quelle hat mein Büro angerufen und mir erzählt, dass Obamas Geburtsurkunde eine Fälschung ist", twitterte der heutige Präsident im August 2012.

    Wer diese Quelle gewesen sein und was sie ihm erzählt haben soll, hat Trump nie verraten. Die Verschwörungstheorie, dass Obama in Afrika geboren sei, wurde schon bald von zahlreichen Quellen entkräftet. Doch die Fakten spielten keine Rolle: In einer Umfrage im Jahr 2016 gaben fast drei Viertel der republikanischen Wähler an, immer noch an Obamas Geburtsort zu "zweifeln". Donald Trump, der prominenteste Verbreiter des Mythos, dürfte einen erheblichen Teil dazu beigetragen haben.

    So funktionieren Trumps Verschwörungstheorien

    Das Beispiel aus der Zeit vor seiner Präsidentschaft zeigt, wie perfide Trump nicht haltbare Behauptungen verbreitet, und welchen Schaden sie anrichten können - während er selbst unantastbar bleibt. Sogar einige seiner Unterstützer, wie der konservative Moderator Rush Limbaugh, sprechen offen darüber, wie Trump Mythen verbreitet:

    "Er macht das wirklich clever. Und hier verstehen viele nicht, wie geschickt er das macht, weil sie nicht glauben, dass er zu Geschicklichkeit fähig ist. Trump sagt nie, dass er die Verschwörungstheorien glaubt, die er herumerzählt. Er erzählt es immer nur weiter." Rush Limbaugh

    Genau wie Trump 2012 behauptete, eine "extrem glaubwürdige Quelle" habe ihn angerufen, machte er es auch als US-Präsident zu seiner Strategie, falsche Behauptungen in den Raum zu stellen und sich anschließend nicht für diese verantwortlich zu zeigen. Seit er 2017 sein Amt antrat, hat die Washington Post über 20.000 falsche oder irreführende Aussagen Trumps gezählt. Obama habe ihn abgehört, Covid-19 sei weniger tödlich als die Grippe und Windräder würden Krebs verursachen.

    Jetzt, kurz vor der Wahl, hat sich die Lage noch einmal verschärft. Twitter und Facebook, die mittlerweile damit begonnen haben, einzelne falsche Trump-Posts zu kennzeichnen, fact-checken nun regelmäßig Trumps Behauptungen - besonders Trumps Angriffe auf die Briefwahl.

    Trump und der Aufstieg von QAnon

    Ein besonders wertvolles Werkzeug in Trumps Verschwörungs-Verbreitungen: der Retweet-Button auf Twitter. Trump teilt regelmäßig Tweets von Anhängern der rechtsextremistischen Verschwörungsideologie QAnon - und verschafft diesen damit ein Millionenpublikum.

    Anhänger von QAnon glauben, dass Trumps politische Gegner Teil einer satanistischen pädophilen Weltverschwörung sind, die das Blut neugeborener Kinder trinken. In dieser Weltsicht ist Trump der Held, der sich diesen dunklen Mächten entgegenstellt. Die absurde Ideologie hat mittlerweile weltweit hunderttausende Anhänger und wächst stetig. In Deutschland hat die sektenartige Bewegung Verbindungen zu Reichsbürgern und der Esoterik-Szene gebildet.

    Trump: "Das war ein Retweet!"

    Trumps Methode, falsche und gefährliche Verschwörungstheorien nur "weiterzugeben", wurde in seinem "Town Hall"-Interview am vergangenen Donnerstag auf dem Sender NBC besonders klar. Kurz zuvor hatte Trump in einem Retweet erneut eine haltlose Theorie verbreitet: Osama bin Laden sei unter der Obama-Biden-Regierung überhaupt nicht getötet worden - Biden habe das Ganze gefälscht.

    Darauf angesprochen sagte Trump: "Das war ein Retweet! Ich habe es nur zur Diskussion gestellt. Die Menschen können für sich selbst entscheiden." Verantwortung für die von ihm verbreiteten Falschinformationen übernahm der Präsident nach wie vor nicht.

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