BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

UV-Desinfektion-Geräte für zuhause: Wenig Nutzen, viel Gefahr | BR24

© picture alliance/KEYSTONE/Georgios Kefalas
Bildrechte: picture alliance/KEYSTONE/Georgios Kefalas

UV-Lampen zur Desinfektion sind nicht empfehlenswert, sagen Experten der Fachzeitschrift c't.

6
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

UV-Desinfektion-Geräte für zuhause: Wenig Nutzen, viel Gefahr

Einfach anmachen und die Krankheitserreger sind passé: Das versprechen Lampen und Boxen, die mit UV-Licht, Viren und Bakterien von Oberflächen tilgen sollen. Ein aktueller Test zeigt: Die Geräte bringen wenig und bergen sogar Gefahren.

6
Per Mail sharen
Von
  • Thomas Moßburger

In der Corona-Pandemie haben viele von uns einen gewissen Hygiene-Fimmel entwickelt. Dafür gibt es gute Gründe, denn immerhin steht das H in den berühmten AHA-Regeln, die Corona Einhalt gebieten sollen, ja auch für Hygiene.

Da ist nur logisch, dass viele Menschen nicht nur ihre Hände, sondern auch all die Gegenstände und Oberflächen, die sie immer wieder berühren, gerne von Viren und Bakterien befreien möchten. Hier versprechen Werbeanzeigen in sozialen Medien aber auch Gadget-Kataloge schon seit Längerem eine einfache Lösung: Desinfektion über UV-Licht.

Angeboten werden zum einen verschiedene Arten von Taschenlampen, mit denen man Oberflächen ableuchten und somit angeblich desinfizieren kann. Und dann gibt es noch Truhen, in die man Gegenstände legen kann, die dann innerhalb der geschlossenen Box mit UV-Licht bestrahlt und so desinfiziert werden. So zumindest die Theorie.

Vernichtendes Test-Urteil

Ulrike Kuhlmann, Redakteurin der Technik-Fachzeitschrift c‘t, hat diese Geräte in einem Test unter die Lupe genommen. Ihr Urteil ist einigermaßen vernichtend: Sie würde niemanden raten, ausschließlich diese Geräte zur Desinfektion zu benutzen, erklärt sie im Gespräch mit BR24.

„Die Geräte suggerieren eine vermeintliche Sicherheit, die sie nicht einhalten“, formuliert die Kuhlmann das Grundproblem. Grundsätzlich ist eine Desinfektion mit UV-Licht durchaus möglich und wird etwa in Krankenhäusern oder bei Handläufen von Rolltreppen verwendet. Aber eben in geschlossen System mit hohen Licht-Intensitäten und von Profis.

Trügerische Sicherheit

Die Geräte für den Hausgebrauch desinfizieren die Objekte dagegen nicht zuverlässig. Die erhältlichen Lampen müsste man minutenlang auf eine Stelle halten, damit eine Desinfektion erfolgt. Eine Viertelstunde, um mittels UV-Licht-Lampe eine einzige Türklinke zu desinfizieren, nimmt sich jedoch vermutlich niemand. Die Boxen haben zudem das Problem, dass darin nur die Stellen desinfiziert werden können, die bestrahlt werden. Allerdings wirft natürlich jedes Objekt, das bestrahlt wird, Schatten. Einzelne Stellen der Oberfläche eines Gerätes, das in so einer UV-Box desinfiziert werden soll, würden also immer mit Viren und Co. belastet bleiben.

Je nach Objekt kann es durchaus gefährlich werden, wenn Nutzer glauben, dass sie es nun verwenden können, als ob es komplett desinfiziert wäre: „Die Leute legen etwas hinein, im Extremfall ihre FFP2-Maske, drücken aufs Knöpfchen und der Hersteller sagt, dass nach acht Minuten alles gut ist - doch dem ist dann gar nicht so“, so die Expertin.

Echte Gefahren

Doch nicht nur die trügerische Sicherheit ist ein Problem. Die UV-Bestrahlung kann Geräte wie Handys schädigen. Dies kennt man von Plastik, das sich unter starker Sonneneinstrahlung nach und nach spröde wird und vergilbt, erklärt c’t-Redakteurin Kuhlmann. Gleiches kann auch dem Handydisplay passieren, dass häufig mit einer UV-Lampe bestrahlt wird.

Doch die UV-Strahlen sind nicht nur für Geräte gefährlich. Auch der Mensch sollte sich ihnen nicht ungeschützt aussetzen, siehe Sonnencremes und Sonnenbrillen im Alltag. Es drohen Schäden für die Haut und vor allem Augen. Besonders tückisch ist hierbei laut der Expertin, dass UV-Strahlen nicht sichtbar sind. Ist also das UV-Desinfektionsgerät angeschaltet und man schaut direkt hinein, schädigt das die Augen ohne dass Sie es sofort merken. "Deswegen haben solche Geräte auch Sicherheitsmechanismen, die aber leider nicht immer funktionieren", so Kuhlmann nach dem Test verschiedener UV-Geräte.

Einfache Alternativen

UV-Desinfektionsgeräte für den Hausgebrauch sind also nicht empfehlenswert. Bakterien und Viren auf Geräten und Oberflächen bleiben ja, auch ganz unabhängig von Corona, ein Fakt. Doch wie wird man den Keimen hier Herr?

Laut den Recherchen von Ulrike Kuhlmann, die dafür auch mit Virologen gesprochen hat, reicht es in aller Regel, ein Gerät oder eine Oberfläche ganz klassisch mit einer Warmes-Wasser-Spüli-Mischung abzuwischen. Bei technischem Gerät natürlich nicht zu feucht, damit keine Flüssigkeit ins Innere gelangt und dessen Elektronik zerstört. Ähnlich wie beim Händewaschen sollte man einige Sekunden mit dem Spüli-Wasser über das Gerät wischen, dann mit einem (ebenfalls nicht zu feuchten) Tuch mit klarem Wasser das Spülmittelgemisch entfernen, trockenreiben, fertig. Ab und zu kann man auch ein nicht zu scharfes, fettfreies Desinfektionsmittel zusätzlich verwenden.

Ganz allgemein sind bei Corona die Schmierinfektionen jedoch laut bisherigem Kenntnisstand kein zentrales Problem. Vielmehr wird das Virus über Aerosole in der Luft verbreitet. Saubere Alltagsgeräte sind jedoch auch nach der Pandemie gut für die Gesundheit: Gerade Smartphones begleiten uns schließlich in die Bahn, auf die Toilette und an den Esstisch. Andere Geräte wie Großraumbüro-Tastaturen werden von verschiedenen Personen genutzt (in Pandemie-Zeiten natürlich am besten grundsätzlich nicht). Wer seine Geräte regelmäßig ganz simpel reinigt, spart sich mit der Zeit vielleicht so manche Erkrankung.

Video: Wie UV-Licht Rolltreppen-Handläufe keimfrei hält

© BR
Bildrechte: BR

Die Stadtwerke München (SWM) und die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) testen keimfreie Rolltreppen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!