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"Umbruch"-Podcast: Warum Wikipedia bleiben muss | BR24

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Wurde kürzlich 20 Jahre alt: Die Online-Enzyklopädie Wikipedia

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    "Umbruch"-Podcast: Warum Wikipedia bleiben muss

    Zu schlecht recherchiert, zu unübersichtlich, zu wenig Frauen: Es gibt viel Kritik an der Online-Enzyklopädie Wikipedia. Trotzdem ist das Online-Lexikon besser als sein Ruf. Und das widerum verdankt Wikipedia viel ehrenamtlichem Engagement.

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    Von
    • Christian Sachsinger

    Jeder kennt sie, die meisten nutzen sie auch regelmäßig: die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Manche verlassen sich vielleicht bisweilen zu sehr auf diese Quelle, denn bekanntermaßen kann bei Wikipedia im Prinzip jeder hineinschreiben. Das allerdings war zugleich der Grund für den Erfolg der Wikipedia, denn nur so konnte dieses digitale Weltwunder überhaupt so groß werden. "Die Idee stammt vom OpenSource-Konzept, also aus der Software-Community", erzählt der Gründer Jimmy Wales. "Bei Open Source kann auch jeder Projekte verfolgen wie es ihm gefällt. Programmierer tun sich zusammen und schreiben Software, die sie wirklich interessiert sind. Und wir kommen genau aus dieser freien Software-Community", so Wales.

    "Es macht Spaß, etwas zu erschaffen"

    So konnte Wikipedia zu dem werden, was es heute ist, eine Spielwiese für Leute, die sich für ganz bestimmte Themen interessieren und eine schier unerschöpfliche Wissensquelle. Bestes Beispiel: Jan Patrick Fischer, der seit 15 Jahren am Artikel des Inselstaates Osttimor feilt. Fast täglich arbeitet er für Wikipedia 1-2 Stunden. Am Wochenende auch mal mehr – unentgeltlich. Und warum? "Weil Spaß macht etwas zu erschaffen", erzählt Patrick Fischer. "Ich vergleiche das mit den Leuten in kleiner Dörfern die die Kirchchronik schreiben. Und ich kriege immer wieder mal Rückmeldungen zu Osttimor. Das macht Spaß die Recherchearbeit macht Spaß, die ist wie ein Puzzle."

    Der Umgangton ist oft rau

    Doch nicht alle sind glücklich und zufrieden mit Wikipedia. Es gibt Leute, die Wikipedia heftig kritisieren, etwa weil sie das Online-Lexikon als zu träge, zu verkrustet empfinden. Der Medienanwalt Johannes Weberling ist so jemand. Er hat das Projekt Wiki-Watch initiiert, eine kleine Truppe von Leuten, die Wikipedia ständig beobachtet und auf Schwachstellen hinweist.

    Weberling stört unter andere, wie unfreundlich man bei Wikipedia manchmal miteinander umgeht. "Wie man sich dort behandelt ist nicht menschenwürdig", sagt Weberling. Vor allem der Ton gegenüber neu hinzugekommenen Editoren sei unterirdisch. Und dass die User unter Pseudonym auftreten könnten, mache alles nur noch schlimmer. Ob ein Klarnamenzwang, also die Pflicht sich mit dem richtigen Namen anzumelden, am Umgangston etwas ändern würde, ist umstritten. Klar ist allerdings, dass sich manche Neulinge schnell gefrustet wieder zurückziehen, wenn sie von Alteingesessenen verbal angegangen werden.

    Das Wissen der Welt

    Theresa Hannig, Science Fiction Autorin, ließ sich nicht abschrecken; sie setzte sich mit ihrer Idee, eine Liste von Frauen, die sich in Deutschland der Gattung Science Fiction widmen, zu veröffentlichten, gegen einigen Widerstand von vornehmlich männlichen Wikipedianer durch. Nun ist sie begeistert von Wikipedia und will unbedingt weiter mitmachen. Wikipedia sei eine super Sache, eine Sache, "die nicht weggehen soll und nicht weggehen darf". Es sei schließlich nichts weniger als das Wissen der Welt, das bei Wikipedia verwaltet werde.

    💡 Podcast "Umbruch" zu Wikipedia

    Warum Wikipedia bleiben muss. Das ist das Thema der neuen Ausgabe unseres Techpodcasts Umbruch. Christian Sachsinger und Christian Schiffer besprechen dabei, was sich ändern sollte beim großen Online-Lexikon und geben Tipps für Leute, die gerne mitmachen möchten. Umbruch ist überall zu finden, wo es Podcasts gibt, u.a. auch in der ARD Audiothek.

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