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Twitter verbannt QAnon-Anhänger | BR24

© ARD/BR

Twitter sperrt Trump-Konto

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Twitter verbannt QAnon-Anhänger

Twitter zieht Konsequenzen aus dem Sturm auf das Kapitol vergangener Woche: Nach dem Aus für Donald Trump hat der Kurznachrichtendienst 70.000 Accounts von mutmaßlichen Anhängern der Verschwörungstheorie QAnon gesperrt. Auch Amazon reagiert schon.

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Von
  • Jörn Sawatzki

Nach dem Sturm auf das US-Kapitol verschärft Twitter das Vorgehen gegen Unterstützer der Verschwörungstheorie QAnon. Seit vergangenem Freitag seien mehr als 70.000 Accounts gelöscht worden, teilte der Kurznachrichtendienst heute mit. In vielen Fällen habe eine Person mehrere Profile betrieben. In den vergangenen Tagen beklagten unter anderem US-Außenminister Mike Pompeo und andere Personen aus dem Umfeld von Präsident Donald Trump, dass sie schlagartig mehrere Zehntausend Follower verloren hätten.

Die zentrale Behauptung der QAnon-Anhänger: es gibt eine Verschwörung gegen Trump, weil dieser gegen den sogenannten deep state, eine tiefere Schicht des US-Regierungsapparats, ankämpfe. Außerdem behaupten sie oft, prominente Politiker der demokratischen Partei in den USA ließen sich mit Hormonen behandeln, die aus dem Blut von Kindern gewonnen würden.

Bei der Erstürmung des Kapitols durch Trump-Anhänger waren auch Personen mit QAnon-Symbolen in Fotos und Videos zu sehen. In den vergangenen Wochen waren in der Szene auch Trumps falsche Behauptungen über angeblichen Wahlbetrug aufgegriffen und weiter gesponnen.

Trump: Sie mögen mich sehr

Das "Q" fand sich seit Jahren bei vielen Kundgebungen des Präsidenten auf Fahnen und Bannern. Trump weigerte sich stets, sich von der Verschwörungsbewegung zu distanzieren. Im August letzten Jahres etwa sagte er: "Wie ich verstehe, mögen sie mich sehr, was ich zu schätzen weiß."

Im Oktober behauptete er dann, er wisse nichts über QAnon. Er habe aber gehört, dass sie sehr entschieden gegen Pädophilie sind, und dem stimme er zu. Bei der Wahl im November zog ins Repräsentantenhaus für die Republikaner Marjorie Taylor Greene ein, die QAnon öffentlich unterstützt hatte.

Twitter, Facebook und Youtube gehen bereits seit Sommer gegen QAnon-Gedankengut vor. Auch der Online-Händler Amazon hat begonnen, Waren im Zusammenhang mit QAnon aus seinem Geschäft zu entfernen, teilte das Unternehmen gestern mit und verwies auf einen Verstoß gegen Richtlinien, die anstößige Artikel und unangemessene Inhalte verbieten.

IT-Anwalt: Trumps Twitter-Sperre kam spät

Nach dem Sturm auf das Kapitol hatten Twitter und Facebook bereits Trumps Accounts bis auf Weiteres gesperrt. Der scheidende Präsident verlor auch eine potenzielle nächste Online-Plattform. Bundeskanzlerin Angela Merkel hält die Sperrung von Trumps Twitter-Konten für problematisch. Dies sei ein Eingriff in das Grundrecht auf Meinungsäußerung.

Das sieht der Rechtsanwalt und IT-Rechtsexperten Christian Solmecke anders. Seiner Meinung nach war Twitter mit diesem Schritt spät dran. Im Deutschlandradio stellte er fest: "Wer Volksverhetzung ausübt, wer Beleidigungen ausübt, der hat jedes Recht auf freie Meinungsäußerung verwirkt. Und wer Lügen verbreitet, der verbreitet nicht seine Meinung, sondern vor allem unwahre Tatsachenbehauptungen. Das heißt, unter den grundsätzlich geschützten Begriff der Meinungsfreiheit fiel das Gros der Äußerungen von Trump schon lange nicht mehr."

Twitter hatte Trump wegen des "Risikos einer weiteren Anstiftung zur Gewalt" gesperrt.

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