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Tempolimit 299 km/h, BER-Feiertag: Satirische Petitionen im Netz | BR24

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Der Trollturm auf der Online-Plattform Open Petition

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    Tempolimit 299 km/h, BER-Feiertag: Satirische Petitionen im Netz

    Über Sinn und Unsinn von Online-Petitionen wurde schon oft gestritten. Die gemeinnützige Plattform Open Petition widmet satirischen und unsinnigen Petitionen im Netz seit knapp zehn Jahren einen ganz eigenen Ort: den Trollturm.

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    "Don’t feed the troll" – Füttere nicht den Troll. An diese Regel halten sich im Netz viele, wenn sie nicht gerade darauf aus sind, sich in endlose, sinnbefreite Debatten mit ihrem Gegenüber zu verstricken. Denn Trolle sind Personen, die provozieren, um Diskussionen zu stören, vom Thema abzulenken oder einfach nur, um anderen Nutzern auf die Nerven zu gehen.

    Die gemeinnützige Beschwerde-Plattform Open Petition bietet diesem Teil der Netzkultur auf gewisse Weise einen eigenen Bereich: Im sogenannten Trollturm landen Petitionen, die nicht den Nutzungsbedingungen von "Open Petition" entsprechen und satirischen Inhalt haben.

    Auf der Webseite heißt es dazu unter anderem:

    "Wenn eine Petition klar als trivial erkennbar ist, erscheint sie nicht auf der Homepage, nicht in den Empfehlungen und ist nicht über Suchmaschinen zu finden. Darüber hinausgehend haben wir einen Trollturm. Er ist für alle die Petitionen, bei denen sofort erkennbar ist, dass es sich um einen Scherz handelt." Erklärung auf der Plattform Open Petition

    Open Petition schreibt auf seiner Seite, es wolle mit dem Trollturm zum einen für Transparenz sorgen, aber auch unterhalten. Troll-Petitionen würden einen "wichtigen Beitrag zur Meinungsvielfalt" beitragen und verdienten daher Aufmerksamkeit.

    Auch ernst gemeinte Petitionen landen manchmal im Trollturm

    Den Trollturm gibt es seit Beginn von Open Petition im Jahr 2010. Geschäftsführer Jörg Mitzlaff entdeckte damals auf einer feministischen Webseite einen Bereich, in dem frauenfeindliche und sexistische Kommentare gesammelt wurden. Mitzlaff fand den offensiven Umgang mit diesen Kommentaren so gut, dass er ihn für die Beschwerde-Plattform adaptieren wollte, sagt Rita Schuhmacher, Pressesprecherin bei Open Petition. So entstand "ein Bereich für amüsante Petitionen, die jedoch nicht unseren Nutzungsbedingungen entsprechen."

    Ab und zu lasse es sich allerdings nicht vermeiden, dass auch ernst gemeinte Petitionen in den Trollturm verbannt werden, erklärt Schuhmacher. So forderte vergangenen Sommer jemand, dass "unfähigen Politikern" der Führerschein entzogen wird. Ein anderer User wollte, dass die Stadt Karlsruhe in "Einbrücken" umbenannt wird. "Beide Petitionen waren durchaus ernst gemeint - aber manchmal ist der Grat zwischen Satire und konkreter Forderung schmal", sagt Schuhmacher.

    "Trollturm muss man sich verdienen"

    Im Schnitt würden jeden Monat etwa drei bis sechs Petitionen im Trollturm landen, angezeigt werden alle Troll-Petitionen der letzten zwei Jahre. Mittlerweile seien es insgesamt 791. "Eine gewisse Qualität erwarten wir auch hier. Den Trollturm muss man sich verdienen", erklärt Schuhmacher.

    Allerdings finden sich auch Einträge, die eher dadaistisch anmuten oder voller Rechtschreib- und Grammatikfehler sind, so dass man nur schwer nachvollziehen kann, um was es überhaupt geht. Dazwischen finden sich zum Teil sehr amüsante Beispiele. Begründet das Anliegen mal mit einem einzelnen Satz, mal in Aufsatzlänge. Eine der bekannteren Petitionen, die im Trollturm gelandet ist, war wohl die Petition des Fußball-Magazins "11 Freunde". Das Magazin machte sich 2014 über eine ganze Reihe von Petitionen gegen Markus Lanz lustig und forderte: "Deutschland muss Weltmeister werden!".

    Fünf Petitionen, die im Trollturm gelandet sind

    Wir haben uns den Trollturm genauer angeschaut und stellen hier fünf Petitionen vor, die uns besonders erwähnenswert erscheinen.

    • Maximilian Koch forderte eine Petition, um die Tore der Bundesliga zu vergrößern. Koch schreibt: "Jede Mannschaft sollte in der Lage sein, das Tor zu treffen. Deshalb sollten die Tore der Bundesliga etwa um 20 Prozent vergrößert werden." Auch Sky könne von dieser Maßnahme profitieren, findet Koch. Schließlich könnte man die Extra-Torfläche vermarkten und Sky könne dort "tolle Werbung für X-Faktor und andere neue große Blockbuster zeigen." Warum das Ganze? Koch schreibt dazu, dass die Tore der Bundesliga ganz offensichtlich zu klein seien. "Dies zeigt die Torflaute des FC Schalke 04 nur zu gut. Oft kommen die Schalker in den 16er, aber das Tor wird meist verfehlt."
    • Alex D. ist mit seinem Antrag etwas politischer: Er wollte erreichen, dass Bernd das Brot Ministerpräsident von Thüringen wird, denn: "Es kann nur einen geben! Das Brot richtet es schon!"
    • Auch zu dem aktuell viel diskutierten Tempolimit auf deutschen Autobahnen findet sich eine Petition. Der User Tim Menke fordert eine Höchstgeschwindigkeit von 299 km/h auf deutschen Autobahnen. Im Begründungstext wird erklärt, dass Geschwindigkeiten ab 300 km/h für eine umweltfreundliche Verkehrspolitik ungeeignet seien. "Eine Reisegeschwindigkeit von 299 km/h ist völlig ausreichend, um zügig von A nach B zu gelangen. Man muss nicht rasen. Als beinahe letztes Land der Welt sollte auch die Bundesrepublik Deutschland sich der Notwendigkeit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit nicht länger verschließen."
    • Mit dem Logo AAAA hat Thomas Pfister die Petition für "Äxte in bayerischen Behörden" eingereicht. Seine Begründung: "Nachdem bayerische Beamte mit dem Kreuz gegen einen Vampir-Angriff gerüstet sind, müssen sie nun auch gegen eine Zombie-Invasion gewappnet sein."
    • John Grube möchte Unterschriften sammeln für einen bundesweiten Feiertag zur Eröffnung des neuen Berliner Flughafens BER. Er schreibt: "Nach Jahren des Zitterns, Bangens und Lachens ist es vielleicht bald soweit, der BER geht ans Netz!! Da dies ein großes Gemeinschaftsprojekt war und ist, und nicht zuletzt viele, viele Steuergelder geflossen sind, sollte dies ein Tag für die gesamte Nation sein. Wir fordern einen einmaligen bundesweiten Feiertag zur BER Eröffnung." Grube wünscht sich für den Tag Nachbarschaftsfeste, verbilligten öffentlichen Nahverkehr und Preisnachlass für kulturelle Einrichtungen und Freizeitparks. "Private Initiative ist ausdrücklich erwünscht, Verzögerungen dagegen nicht."