BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture alliance / Winfried Rothermel | Winfried Rothermel
Bildrechte: picture alliance / Winfried Rothermel | Winfried Rothermel

Trinkgeld wird digital

2
Per Mail sharen

    Trinkgeldfunktionen rütteln die sozialen Medien auf

    Facebook und TikTok experimentieren schon länger damit – jetzt will auch Twitter eine Trinkgeldfunktion einführen. Damit können Fans ihren Lieblingsaccounts unkompliziert Geld als Dankeschön überweisen. Das Potential der "Creator Economy" ist groß.

    2
    Per Mail sharen
    Von
    • Gregor Schmalzried

    Twitters neueste Funktion sieht auf den ersten Blick sehr unscheinbar aus: Mit einem "Tip Jar", einem virtuellen Trinkgeldglas, sollen Userinnen und User der Plattform anderen schnell und unkompliziert ein paar Euro spenden können – wenn ihnen der Content der Person gefällt.

    Tatsächlich könnte das Tip Jar jedoch eine kleine Revolution einläuten. Obwohl Twitter eine der größten Social Media-Plattformen der Welt ist, war es bislang nicht möglich, direkt auf Twitter Geld zu verdienen – man konnte höchstens auf Dienstleistungen oder Abonnements verlinken. Mit dem "Tip Jar" wird sich das ändern – und das zu einem Zeitpunkt, in dem auch zahlreiche andere Plattformen neue Bezahlfunktionen für sich entdecken.

    Trinkgeldfunktionen sind im Kommen

    Maßgeblich in Sachen Trinkgeldfunktionen ist die Livestream-Plattform Twitch – dort ist seit Jahren üblich, dass erfolgreiche Kanäle von ihren Fans während Livestreams direkt bezahlt werden können, und sich dafür direkt im Stream bedanken. Die zum Facebook-Konzern gehörigen Plattformen Facebook und Instagram experimentieren seit längerem mit ähnlichen Funktionen in ihren Livestreams. Auch TikTok und YouTube haben ähnliche Funktionen integriert.

    Was Facebook, Instagram, Twitch und TikTok gemeinsam haben: Die Plattformen nutzen fiktive Währungen, die nur auf der Seite gültig sind anstatt einen direkten Zahlungsweg anzubieten. Zudem geht ein Teil von jeder Zahlung an die Plattform zurück – teilweise bis zu 50 Prozent.

    Twitter will das anders machen – und auch bei größeren Zahlungen keine Provision einstreichen. Genauso plant es die Audio-Plattform Clubhouse: Die dort angekündigte Trinkgeld-Funktion wäre bislang die einzige Methode, um die Plattform zu monetarisieren, da Clubhouse bislang werbefrei ist.

    Künstlerinnen und Autoren finden eigene Wege

    Dass die großen Social Media-Plattformen sich nun allesamt um Trinkgeld-Funktionen bemühen, hat auch mit dem Aufkommen von Konkurrenz-Plattformen zu tun. In den letzten Jahren haben Kulturschaffende und Content-Produzenten allerlei Wege gefunden, sich auch ohne Festanstellung oder Label-Vertrag von ihren Fans direkt bezahlen zu lassen.

    Dieser auch als Creator Economy bezeichnete Trend führte zur Etablierung von Diensten wie Patreon und Steady, auf denen Fans von Kreativen aller Art einen monatlichen Betrag zur Unterstützung zahlen können und dafür als Dankeschön exklusive Inhalte erhalten.

    Dieses Modell findet sich auch in spezialisierter Form – etwa im Newsletter-Dienst Substack, der in den USA zahlreiche bekannte Journalisten abgeworben hat. Aber auch OnlyFans, eine Plattform, auf der in erster Linie exklusive Abos für pornographisches Material angeboten werden, wird mittlerweile weltweit von Millionen Menschen genutzt.

    "Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick - kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!