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Trading-Apps: Wie gerecht ist Robinhood? | BR24

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Umstritten: Die Trading-App Robinhood

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    Trading-Apps: Wie gerecht ist Robinhood?

    Robinhood, Trade Republic, eToro: Mit Trading-Apps mischen junge Graswurzel-Investoren die Börse auf. Aber vor allem Robinhood steht in der Kritik - und das nicht erst seit dem Hype um die Gamestop-Aktie.

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    Von
    • Christian Schiffer

    Eigentlich kannte die Aktie von GameStop nur noch eine Richtung: Nach oben. Doch plötzlich, an einem Donnerstag, da stürzte sie ab. Und zwar nicht, weil die Spekulationsblase geplatzt wäre, sondern weil die Trading-App Robinhood den Kauf von GameStop-Aktien untersagt hatte - während der Verkauf weiterhin erlaubt war. Ganz ähnlich verhielten sich auch andere Trading-Apps, etwa Trade Republic, welche, anders als Robinhood, auch in Deutschland erhältlich ist.

    Im Falle von Robinhood scheint die Clearing-Stelle aufgrund der hohen Schwankungen der GameStop-Aktie höhere Sicherheiten verlangt zu haben, weshalb Robinhood den Handel mit GameStop-Aktien einschränken musste. So oder so: Viele Privatanleger haben das Gefühl, dass der Kurs der GameStop-Aktie zu ihren Ungunsten manipuliert worden ist. Vor allem deswegen trendete in den letzten Tagen auf Twitter der Hastag #deleterobinhood. Ohne Erfolg: In den USA wird die App mittlerweile jeden Tag über 300.000 mal heruntergeladen, doppelt so oft wie in der Zeit vor dem GameStop-Hype.

    Gratis, aber nicht umsonst

    "Investing for everyone" das ist der Slogan von Robinhood. Und in der Tat hat die App das Handeln mit Wertpapieren so einfach gemacht, wie Tetris Spielen. Vor allem in der Pandemie entdeckten viele junge Menschen in den USA ihre Leidenschaft für die Börse und handeln seitdem vom Sofa aus mit Aktien und Derivaten. Der Clou: Robinhood verlangt keine Trading-Gebühren, allerdings ist der Dienst trotzdem nicht umsonst. Denn Robinhood verkauft die Transaktionsdaten seiner Kunden an Finanzdienstleister, die vor allem im Hochfrequenzhandel aktiv sind. Mit Hilfe der wertvollen Robinhood-Daten können sie sich früher am Markt positionieren und so beträchtliche Gewinne einfahren. Immer wieder wird kritisiert, dass Robinhood dieses Geschäftsmodell nicht transparent genug mache.

    Suizid eines jungen Traders

    In der Kritik steht Robinhood auch wegen des Todes eines jungen Amerikaners. Der 20-jährige Alex K. hatte im Juni 2020 Suizid begangen, weil er fälschlicherweise angenommen hatte, über Robinhood 730.000 Dollar verloren zu haben. Alex K. versuchte mehrmals den Kundendienst zu erreichen, erhielt aber nur automatisierte Antworten, sodass sich das Missverständnis nicht aufklären lies und die Tragödie ihren Lauf nahm. Die Familie des jungen Mannes hat Robinhood mittlerweile verklagt.

    Bislang ist Robinhood in Deutschland nicht erhältlich, genauso wenig wie Webull, die andere angesagte Trading-App in den USA. Webull gehört zum chinesischen Alibaba-Konzern und bietet ebenfalls provisionsfreies Trading. Robinhood möchte dieses Jahr selbst an die Börse gehen. Die Frage wird dann sein, wie das Unternehmen selbst bei den Anlegern ankommt.

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