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Google - neuer Vorreiter für Privatsphäre?

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    Tracking: So will Google das Internet verändern

    Die neueste Ankündigung des Google-Konzerns könnte ganze Branchen durcheinander wirbeln: Google will verhindern, dass einzelne Personen per Werbetracker quer durchs Netz zu verfolgt werden. Der Kampf um die Privatsphäre spitzt sich zu.

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    Von
    • Gregor Schmalzried

    Wer das Internet benutzt, wird schon bald nicht mehr so leicht über mehrere Websites hinweg verfolgt werden können - zumindest nicht über Google-Produkte. Die Ankündigung des Google-Konzerns, ab nächstem Jahr kein personalisiertes Tracking mehr anzubieten, könnte Geschäftsmodelle im Netz maßgeblich verändern. Google positioniert sich im Streit um Privatsphäre und Datenschutz zumindest öffentlich auf der Seite der Privatsphäre-Befürworter.

    So will Google das Netz verändern

    Aktuell ist Google neben Facebook einer der größten Player im Tracking-Markt. Das bedeutet: Von Google verkaufte Werbeanzeigen sind vor allem deshalb wertvoll, weil Cookies von Drittanbietern jeden im Internet verfolgen können und dann auf anderen Websites zuordnen. Diese Praxis kennt jeder, der einmal ein Produkt auf einer Shopping-Website angesehen hat und kurz darauf auf einer völlig anderen Seite Werbung für ebendieses Produkt angezeigt bekam. So etwas könnte in Zukunft nur noch eingeschränkt möglich sein.

    “Menschen sollten es nicht akzeptieren müssen, über das Web hinweg verfolgt zu werden, nur um relevante Werbung zu erhalten”, schreibt Googles Produktchef David Temkin in einem Blog-Eintrag. “Und Werbende müssen nicht individuelle Personen quer durchs Web verfolgen, nur um die Vorteile digitaler Werbung erhalten zu können.”

    Online-Shops und Geschäfte werden es in Zukunft via Google sehr viel schwerer haben, Einzelpersonen als Zielgruppe zu identifizieren. Allerdings: Vorerst betrifft die Änderung nur Google-Produkte auf Websites. Über Smartphone-Apps dürfen auch weiterhin Drittanbieter Werbetracker laufen lassen und Werbe-Konkurrent Facebook hat zuletzt keine Anstalten gemacht, Werbetracking einzustellen.

    Werbe- und Vertriebsbranche besorgt

    Für die Werbebranche und Vertriebsbranche könnte die Google-Entscheidung weitreichende Folgen nach sich ziehen. Wie das Wall Street Journal berichtet, begrüßen einzelne Stimmen aus der Industrie den Vorstoß zur Privatsphäre. Andere kritisieren ihn als Machtdemonstration von Google.

    Anstatt einzelne Personen gezielt ansprechen zu können, müssten Unternehmen und Werbende in Zukunft wieder auf breitere Spektren zurückgreifen. Google hat hierbei bereits Methoden getestet, mit denen nicht Individuen, sondern größere Gruppen anhand gemeinsamer Interessen oder Eigenschaften als Zielgruppen identifiziert werden sollen. Werbung an eine solche Gruppe auszuspielen wäre vergleichbar mit klassischer Zielgruppenwerbung in einer Fachzeitschrift.

    Eine Zukunft mit mehr Privatsphäre im Netz?

    Googles Entscheidung fällt in eine Zeit, in der viele der großen Technologie-Konzerne in Konflikt miteinander stehen und mit der Politik. Der Streitpunkt: Wie vertretbar ist personalisiertes Tracking im Netz heutzutage wirklich.

    Zuletzt hatte Apple angekündigt, dass iPhone-Apps ihre Nutzer in Zukunft explizit um Tracking-Erlaubnis fragen müssen. Facebook hatte darauf mit scharfer Kritik reagiert, und argumentiert, dass individualisierte Werbung vor allem kleinen Unternehmen mit Nischenprodukten helfen kann.

    Die Entscheidungen von Apple und nun Google können auch als Reaktion auf erhöhten Druck von Behörden und Regierungen verstanden werden. Sollte sich das Versprechen von Google bewahrheiten, ein Internet ohne individuell personalisierte Werbung schaffen zu wollen, könnte dies das Netz nachhaltig verändern.

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