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Tracking: EU plant Datenschutz-Ausnahme für Verleger | BR24

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Cookies werden heute oft per Hand entfernt. Die ePrivacy-Verordnung könnte dazu führen, dass die Datenkekse gar nicht erst angelegt werden.

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    Tracking: EU plant Datenschutz-Ausnahme für Verleger

    Schutz vor Tracking, keine nervigen Cookie-Banner, mehr Komfort und Datenschutz für alle: Die ePrivacy-Verordnung sollte den Nutzern mehr Macht im Netz geben. Jetzt wird das Vorhaben möglicherweise aufgeweicht - das freut Verlage und Werbeindustrie.

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    Das Internet im Jahr 2019 ist eine Tracking-Maschine. Egal, wo wir hinklicken, egal, welche Seiten wir besuchen: In viele Fällen werden wir verfolgt, einsortiert, gescannt. Die besten Entwickler der Welt scheint nur eine Sache umzutreiben: Was könnte uns interessieren? Welche Werbung soll uns als nächstes angezeigt werden? Was werden wir kaufen? Per Tracking wollen sie so viel wir möglich über unser Surf-Verhalten herausfinden, um daraus Vorhersagen über unser Konsumverhalten ableiten zu können.

    Hierzu werden verschiedene Methoden verwendet. Die bekannteste ist das Tracking per Cookies. Auf vielen Seiten erscheint deswegen eine Warnung, die den Nutzer bittet, der Verwendung von Cookies zuzustimmen. Das Problem: Die wenigsten User lesen diese Warnung, die allermeisten der nervigen Banner werden reflexhaft weggeklickt.

    Datenschutz als Grundeinstellung

    Auf europäischer Ebene wird seit Jahren die ePrivacy-Verordnung verhandelt, eigentlich sollte sie sogar 2016 zusammen mit der Datenschutzgrundverordnung verabschiedet werden. Aber die Reform ist umstritten. Im Zuge dessen sollte beispielsweise „Datenschutz als Grundeinstellung“ verankert werden, so will es ein Vorschlag der EU-Kommission, der vom EU-Parlament unterstützt wird.

    Im Klartext: Datenschutz sollte nicht mehr die Ausnahme sein, sondern die Regel. Internet-Browser sollen beispielsweise von vornherein so eingestellt sein, dass sie keine Tracking-Cookies zulassen. Heute gilt noch: Wer datenschutzfreundlich surfen möchte, muss sich durch ein Gewirr an Einstellungen arbeiten. Außerdem sollen User, die sich der Nutzung von Cookies verweigern, sollen nicht mehr von Seiten ausgesperrt werden können.

    Finnischer Vorschlag weicht Tracking-Verbot auf

    Verbraucherschutzorganisationen und Netzaktivisten begrüßen dieses Vorhaben. Kritik kam von Digital-Konzernen, Werbeindustrie und Verlagen. Letzteren könnten Einnahmen aus personalisierter Werbung wegbrechen, wenn das Tracking eingeschränkt wird.

    Nun kommt ein Vorschlag der finnischen EU-Ratspräsidentschaft den Kritikern entgegen. Demnach sollen die Tracking-Regeln für journalistische Angebote aufgeweicht werden, sofern sich diese ganz oder zum Teil über Werbung finanzieren. Cookies beispielsweise sollen erlaubt sein, sofern sie der User „akzeptiert“. Das kann bedeuten, dass auch in Zukunft Cookie-Warnungen weggeklickt werden müssen. Möglicherweise kann „akzeptiert“ aber auch bedeuten, dass der Nutzer sein Einverständnis zur Datenerfassung gibt, indem er einfach weitersurft. Klar ist: Verbraucherschützer und Netzaktivisten lehnen die Aufweichung des Ursprungsvorschlags ab.

    Sollten sich die Mitgliedsländer auf den finnischen Vorschlag einigen, würden die sogenannten "Trilog-Verhandlungen" mit der EU-Kommission und dem EU-Parlament beginnen. Kann sich Europa hier endlich zu einem zeitgemäßen Datenschutz durchringen? Das wird sich dann zeigen.