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Tracking: Diese Spuren hinterlassen Sie täglich im Netz | BR24

© BR / colourbox

Unternehmen sind verpflichtet, den Nutzern Auskunft zu geben, über die Daten, die sie gespeichert haben.

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    Tracking: Diese Spuren hinterlassen Sie täglich im Netz

    Einkaufen, Musikhören, durchs Internet flanieren: Täglich ziehen wir dabei eine beachtliche Datenspur hinter uns her. Aber wie groß ist diese Datenspur wirklich? Und was kann man tun, um datensparsamer zu leben?

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    Dass Facebook viele Daten sammelt, dürfte sich schon herumgesprochen haben. Was genau Facebook aber alles misst, weiß die Welt in all seinen Details erst, seitdem Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem Kongress aussagen musste. Seitdem ist klar, dass Facebook genau Buch darüber führt, welches Handy wir benutzen, wohin wir unsere Maus bewegen, wann wir wo ein Foto machen und vieles andere mehr.

    Und Facebook trackt nicht nur Menschen, die bei Facebook sind, sondern auch Menschen, die gar keinen Facebook-Account haben. Das Unternehmen hat das Netz quasi verwanzt mit sogenannten "Like-Buttons", die man auf viele Seiten findet und die Daten über das Surf-Verhalten an den blauen Riesen schicken. Auch viele Apps teilen Daten mit Facebook, wie vor einiger Zeit die Nicht-Regierungsorganisation Privacy International herausgefunden hat.

    Tracking per "Fingerabdruck"

    Natürlich ist Facebook nicht die einzige Firma, die trackt. Eine ganze Armada an Psychologen und Programmieren scheint nichts Anderes umzutreiben als die Frage: Wo werden wir als nächstes hinklicken? Wie kann man unser Verhalten tracken, um es dann vorhersagen zu können? Auch Apps, die eher banaleren Zwecken dienen, verfolgen die Nutzer durch das Internet. Aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Rewe.de geht beispielsweise hervor, dass von Nutzern, die die Webseite des Supermarkts aufrufen, ein sogenannten "Fingerabdruck" erstellt wird. Das heißt, dass die Browser-Einstellungen geprüft werden, welches Betriebssystem verwendet wird, die Zeitzone, die Schriftarten, die Auflösung, die Fenstergröße, woraus dann ein Profil erstellt wird, das es so nur einmal gibt. Dieses Profil wird dann mit einem Werbenetzwerk geteilt.

    Tipp: So kommen Sie an ihre Amazon-Daten

    1. Melden Sie sich bei Amazon an

    2. Rufen Sie die Support-Seite auf

    3 Klicken Sie auf den Reiter "Digitale Inhalte und Services" und dann auf "Datenauskunft beantragen".

    4. Füllen Sie die Felder "Datenauskunft für eine spätere Zusendung beantragen" und "Alle Datenkategorien" aus

    5. Geben Sie anschließen ihren Namen in das dafür vorgesehenen Feld ein

    6. Anschließend erhalten Sie eine Mail, in der sich noch einmal bestätigen müssen, dass Sie die Daten erhalten möchten

    7. Die Daten selbst werden Ihnen dann wenige Wochen später per Download-Link zur Verfügung gestellt

    Verbraucher haben das Recht zu erfahren, welche Daten, bestimmte Dienste über sie gespeichert haben. Allzu oft wird von diesem Recht jedoch nicht Gebrauch gemacht. Eine, die sich die Mühe gemacht hat, diverse Firmen anzuschreiben, um Einblick in deren Datenschatz zu erhalten, ist Katharina Nocun. Die Datenschützerin hat über ihre Erfahrungen das Buch "Die Daten, die ich rief: Wie wir unsere Freiheit an Großkonzerne verkaufen" geschrieben. Darin schildert die 33-jährige, wie Großkonzerne mit unseren Daten Geld verdienen. Nocun selbst hatte hierfür unter anderem die Daten schicken lassen, die das Online-Kaufhaus Amazon von ihr gespeichert hatte.

    "Wenn ich jede einzelne Zeile mit jedem einzelnen Klick mit diesen bis zu 50 Eingaben auf einer Seite ausgedruckt hätte, dann wäre das ein Papierberg gewesen, der größer gewesen wäre als ich selbst mit meinen 1,70 m. Nur um mal zu visualisieren, wie viel dieses Unternehmen über mich gespeichert hat." Katharina Nocun

    Amazon speichert auch Sprachaufnahmen

    Amazon hatte beispielsweise gespeichert, von welchen Seiten aus die Datenschutzaktivistin Amazon angesteuert hatte, welche Artikel sie beispielsweise auf Spiegel.de gelesen hatte. Aus den Daten konnte man zudem herauslesen, wann und wo Katharina Nocun Urlaub gemacht und ihre Eltern besucht hatte.

    Etwas unheimlich: Wer die Daten anfragt, findet in dem Konvolut auch Alexa-Sprachaufnahmen. Wichtig: Man kann zusammen mit der Datenabfrage das jeweilige Unternehmen auffordern solche Daten zu löschen.

    Netflix trackt, wann zurückgespult wird

    Aber auch Konzerne, die nicht wegen des Datenschutzes in der Kritik stehen, sammeln viele Daten. Der Videostream-Anbieter Netflix beispielsweise trackt, wann seine Kunden einen Film anhalten, vorspulen und anhalten, ähnlich sieht es beim Musik-Streaming-Anbieter Spotify aus. Und natürlich finden sich auf vielen Internetseiten Tracker. Wer herausfinden möchte, wie viele Tracker das sind, kann unter anderem den Dienst "Track your Tracker" vom Fraunhoferinstitut verwenden.

    Der User kann sich kaum wehren

    Kann man sich gegen den Tracking-Wahn schützen? Man kann natürlich alternative Dienste benutzen, die versprechen weniger Nutzerdaten zu sammeln. In machen Browsern kann man zudem das Webseiten-Tracking einschränken.

    Und man sollte in den Apps regelmäßig die Berechtigungen durchgehen, um zu überprüfen, dass dort keine überflüssigen Daten geteilt werden. Letztlich sind die Möglichkeiten der einzelnen Nutzer aber beschränkt, weshalb Datenschützer hoffen, dass die Politik irgendwann den Auswüchsen des Trackings einen Riegel vorschiebt.