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TikTok und der Alters-Check | BR24

© Picture Alliance

Zieht gerade junge Menschen in seinen Bann: die Video-App TikTok.

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    TikTok und der Alters-Check

    Memes, Musik und Challenges - die Video-App TikTok zieht gerade junge Nutzer an, die nach der DSGVO besonderen Schutz genießen. In Großbritaninen wird derzeit untersucht, ob TikTok das auch leistet. Das Problem betrifft auch andere Apps.

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    Die britische Datenschutzbeauftragte untersucht gerade, wie die Video-App TikTok mit den Daten junger Nutzer umgeht und ob dabei möglicherweise Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vorliegen. Ihre Behörde prüft zum Beispiel das Messaging-System der App: Kann irgendein Erwachsener einfach irgendeinem Kind schreiben? Welche Videoinhalte können Kinder zu Gesicht bekommen und teilen? Und welche Schutzmaßnahmen ergreift TikTok dabei?

    Das Unternehmen selbst teilt auf BR-Anfrage mit:

    "TikTok ist es wichtig, eine angenehme und positive Umgebung für alle unsere Nutzer zu schaffen. Wir befolgen örtliche Gesetze und Vorschriften und arbeiten mit den Behörden zusammen, um ihnen relevante Informationen zur Verfügung zu stellen." - TikTok

    Gibt es eine effektive Überprüfung des Alters?

    Um eine geschützte Umgebung für Jugendliche herstellen zu können, legt TikTok ein Mindestalter für die Nutzung seiner App fest. Unter 13 Jahren dürfen Kinder die App gar nicht verwenden, schreibt TikTok in seinen Nutzungsbedingungen. Der Nutzer muss "mindestens 18 Jahre alt sein oder aufgrund einer vorherigen Einwilligung des/der volljährigen Erziehungsberechtigten zur Nutzung unseres Services berechtigt zu sein." Eine aktive Nutzung, also vor allem das Posten von Videos und Messaging, ist sonst nicht in vollem Umfang möglich.

    © TikTok/BR Screenshot

    Unter 13 Jahren geht nichts - zumindest wenn man ehrlich bei der Altersangabe ist.

    Doch wie wird das Alter überprüft? Bei der Registrierung muss das Geburtsdatum angegeben werden. Ist man jünger als 18 Jahre, muss nach Aussagen von TikTok die Email-Adresse eines Erziehungsberechtigten angegeben werden, der dann die Mitteilung bekommt, dass sich der junge Nutzer registriert hat, und erläutert, welche Privatsphäre-Einstellungen getroffen werden können. Die Erläuterungen auf der Website von TikTok zu Privatsphäre-Einstellungen und Tipps für die Nutzung des Dienstes durch Minderjährige sind zumindest recht umfangreich und dennoch gut verständlich.

    Wir konnten die Registrierung mit einem Test-Konto (Altersangabe: 15 Jahre) allerdings ohne die Angabe einer Email-Adresse eines Erziehungsberechtigten abschließen und das Konto in vollem Umfang nutzen. Diese wurde einfach nicht abgefragt. TikTok sagte auf BR-Anfrage, dass dies momentan wohl ein Bug, also ein technisches Problem sei:

    "Unsere Teams bemühen sich, Fehler umgehend zu beheben." - TikTok

    "Age Gate" kann umgangen werden

    Fraglich ist aber, ob eine solche Altersangabe überhaupt effektiv sein kann. Schließlich kann der minderjährige Nutzer dieses "Age Gate", die Altersüberprüfung, auch einfach umgehen. Denn wer kontrolliert die Korrektheit des Geburtsdatums oder der Email-Adressen? Eine identifizierende Bestätigung wird schließlich nicht eingefordert.

    Das betrifft nicht nur TikTok

    Aber ist das "Age Gate" bei TikTok ein größeres Problem als bei anderen Plattformen? Wird das Alter bei Snapchat, Instagram oder Whatsapp effektiver überprüft? Die Antwort ist "nein". Eine richtige Identitätsprüfung findet nicht statt.

    Anspruch und Wirklichkeit gehen bei vielen Online-Diensten in puncto Datenschutz weit auseinander. Forderungen, dass bei einigen Online-Diensten etwa für erwachsene Nutzer eine Identitätsprüfung stattfinden soll, zum Beispiel in Form der umstrittenen "Klarnamen-Pflicht", sind bei Netzaktivisten äußerst umstritten.

    Besonders schützenswert

    Die DSGVO fordert jedoch einen besonderen Schutz der Daten von Kindern, deshalb sollten Bedenken auch nicht einfach abgetan werden. Nur weil auch Jugendliche unter 16 Jahren verbotenerweise bereits Whatsapp nutzen, sollte die gängige Alltagspraxis geltenden Datenschutz nicht aushebeln.

    Muss also der gute alte Post-Ident-Brief her? Das wäre wohl die bürokratischste aller Identifikations-Möglichkeiten. So bleibt zu hoffen, dass sich Datenschutzbehörden und Plattformen am Ende auf einen Kompromiss für realitätsnähere, funktionierende digitale Formen von "Age Gates" einigen werden.

    Sollte TikTok in Großbritannien durch den Gesetzgeber zu deutlichem Umsteuern gezwungen werden, wird das für alle Social-Media-Plattformen, Video-Apps und Messenger mit jungen Nutzern Konsequenzen haben.