BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Wolfgang Heubisch/TikTok
Bildrechte: Wolfgang Heubisch/TikTok

FDP-Politiker Wolfgang Heubisch auf TikTok

2
Per Mail sharen

    Influencer mit 74: Wie ein Münchner Politiker TikTok aufmischt

    Wolfgang Heubisch sitzt für die FDP im Bayerischen Landtag. Doch neuerdings ist er vor allem auf TikTok bekannt, wo seine politischen Clips hunderttausendfach angesehen werden. Erobert nun die ältere Generation die Apps der Jungen?

    2
    Per Mail sharen
    Von
    • Gregor Schmalzried

    Wenn das Wort "Influencer" fällt, denken die meisten wohl nicht direkt an jemanden wie Wolfgang Heubisch. Der FDP-Politiker ist 6. Vizepräsident des Bayerischen Landtags und wird im Juli 75 Jahre alt. Trotzdem erreicht mit seinen Videos auf TikTok Hunderttausende, womit der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister auch die jüngere Konkurrenz weit hinter sich lässt.

    Politik auf TikTok funktioniert

    Von Anfang an überzeugt war Heubisch allerdings nicht: "Am Anfang habe ich natürlich auch gesagt: TikTok, um Gottes willen, was soll dieses Teenie-Ding", erzählt er im Gespräch mit BR24. "Aber meine Mitarbeiter haben mich da in die andere Richtung gedreht und die sind alle wesentlich jünger als ich." Seit letztem November veröffentlicht Heubisch auf seinem Kanal kurze Videos über politische Themen - ganz im typischen TikTok-Stil. Heubisch tanzt, tänzelt und gestikuliert - dazu sind aktuelle TikTok-Pophits und politische Statements eingebettet.

    Das kommt gut an: Über eine Million Likes haben Videos von Heubisch auf TikTok bisher eingesammelt und über 50.000 User folgen seinem Account. Die meisten davon, das legt die Statistik nahe, dürften junge Menschen sein. "Wir waren völlig geplättet", erzählt Heubisch. "Wir hatten immer gedacht, naja, wenn wir mal 10.000 Views haben, dann feiert man mal. Aber es ist irre, was da abgeht."

    Hinter dem Account steckt jedoch weit mehr als Heubisch selbst. Für die Videos ist ein ganzes Team verantwortlich, wöchentlich werden mögliche Themen diskutiert und Daten ausgewertet. "Eins ist klar", sagt Heubisch: "Du musst die Sprache TikTok sprechen, sonst scheiterst du. Es ist nicht so, dass man sagt: jetzt mache ich mal TikTok, stelle mich vor die Kamera und mache irgendwelche Bewegungen."

    Wolfgang Heubisch: Mit Authentizität zum Erfolg?

    Mittlerweile haben zahlreiche Medienhäuser, Journalistinnen und Journalisten damit begonnen, auch auf TikTok Nachrichten zu senden - darunter BR24. Politikerinnen und Politiker sind aber mit eigenen Accounts noch nicht so präsent wie auf Facebook oder Instagram. Doch unter denen, die da sind, kommen gerade ältere Politiker gut an - das hat auch der Politikberater Martin Fuchs beobachtet. Neben Wolfgang Heubisch ist auch der Münchner Politiker Thomas Sattelberger mit 72 Jahren einer der erfolgreichsten Polit-Influencer auf TikTok.

    "Es lebt natürlich von der Authentizität", erklärt Martin Fuchs. "Dass sie eben nicht gekünstelt daherkommen, dass sie nicht versuchen, irgendetwas darzustellen. Weil sie den Mut haben, auch zu scheitern. Und von daher ist das natürlich auch viel näher an der Nutzerschaft dran als so ein PR-Hochglanz-Format."

    Wolfgang Heubisch betont auch, er sei auf seinem Kanal sein authentisches Selbst - trotz dem ein oder anderen ulkigen Video. "Ich muss mich nicht verstellen auf TikTok", sagt er.

    Wird TikTok immer wichtiger?

    Noch - so meint Politikberater Martin Fuchs - spielt TikTok für den politischen Wahlkampf keine große Rolle. Aber vielleicht ändert sich das: "Ich glaube, dass wir kurz vor einer Welle stehen. Wahlkämpfe sind immer ein Innovationstreiber. Und natürlich schaut man auch, wie man die 16- bis 23-Jährigen erreichen kann. TikTok sei weniger gut zur Mobilisierung von Stimmen geeignet, so Martin Fuchs. Vielmehr sei es "ein richtiger Ansatz, sozusagen Imagebildung zu betreiben".

    Auch Heubisch betont, auf seinem Kanal gehe es ihm nicht darum, Wahlkampf zu machen. Vielmehr woller er junge Menschen ganz grundsätzlich auf die Inhalte von ihm und seiner Partei aufmerksam zu machen: "Jeder, der meint, er hat mit den sozialen Medien nichts am Hut, der ist auf verlorenem Posten. Punkt. Ganz einfach."

    Auf TikTok wird diskutiert

    Dass TikTok wegen Datenschutzbedenken und möglicher Nähe zur chinesischen Regierung immer wieder in der Kritik steht, ist Heubisch bewusst. Dennoch hält er es für wichtig, dort präsent zu sein: "Das gilt für die normale Presse auch unter Umständen, dass ich nicht so happy bin mit dem ein oder anderen Herausgeber. Und trotzdem versuche ich mich einzubringen."

    Und wie auf den Websites von Zeitungen und Rundfunkanstalten wird auch unter Wolfgang Heubischs TikToks fleißig diskutiert. So etwa unter einem aktuellen TikTok, in dem Heubisch sich pro Gendern positioniert. Auch kontroverse Themen werden von der jungen Zielgruppe gut aufgenommen und besprochen.

    Nur eines wird nicht diskutiert: "Mein Alter war noch nie ein Thema", sagt der 74-Jährige.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!