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Threema: Eine der zahlreichen Alternativen zu Whatsapp
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Autoren

Christian Schiffer
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Threema: Eine der zahlreichen Alternativen zu Whatsapp

Seit 2014 ist Whatsapp Teil des Facebook-Konzerns. Das Unternehmen gab damals ein Versprechen ab: Niemals werde man Daten zwischen Facebook und Whatsapp austauschen, Whatsapp solle unabhängig bleiben. Ein Versprechen, das nicht besonders lange gehalten hat. Denn vor kurzem hat Facebook bekannt gegeben, die technische Infrastruktur der verschiedenen Netzwerke des Konzerns zusammenlegen zu wollen. Viele Menschen fragen sich deswegen, wie sie den Fängen des Unternehmens entkommen können.

Gleicher Funktionsumfang bei Telegram, Signal, Threema

In der Theorie kann man eine Menge alternativer Messenger-Apps nutzen und diese müssen sich, was den reinen Funktionsumfang angeht, nicht hinter dem omnipräsenten Platzhirsch verstecken. Auch mit Telegram, Signal, Threema und Co. kann man Nachrichten verschicken und auch telefonieren. Allerdings sind die Alternativen Apps datenschutzfreundlicher, Signal beispielsweise wird von Edward Snowden empfohlen. Hinter der App steht ein angesehener Sicherheitsforscher, der Code ist Open Source und im Netz für jedermann einsehbar. Und trotzdem gibt es ein Problem, denn man muss sich mit seiner Telefonnummer anmelden. "Die App benötigt also schon ein personenbezogenes Merkmal, um überhaupt arbeiten zu können", sagt Hauke Mormann, Computerexperte bei der Verbraucherzentrale NRW.

Telegram: Handynummer kann versteckt werden

Gerade die Handynummer ist eine recht sensible Information, denn die meisten Nutzer ändern ihre Handynummer nur selten und behalten sie manchmal über Jahrzehnte hinweg. Auch Telegram verlangt zunächst die Handynummer, was bei der Facebook-Tochter Whatsapp aber sowieso selbstverständlich ist. Bei Telegram allerdings kann man sie aber immerhin durch ein Pseudonym ersetzen, sodass die Nummer zumindest vor dem jeweiligen Chatpartner geheim bleibt. Allerdings gilt die Verschlüsselung dieses Messengers als eher umstritten.

Bleibt noch Threema, ein kostenpflichtiger Messenger, der für iOS-Geräte einmalig 2,99 Euro kostet und in der Android-Version 2,49 Euro. "Man bezahlt für die Nutzung dieser App und der Anbieter sichert dem Nutzer zu, die Daten, die er aus dem Nutzugsverhalten gewinnt, nicht zu speichern und nicht zu vermarkten, weil der Dienst mit Geld bezahlt wird", sagt Hauke Mormann. Der Betreiber ist nicht auf werbefinanzierte und damit datengetriebene Geschäftsmodelle angewiesen – und das ist gut für den Datenschutz. Allerdings steht der, wenn auch kleine, Betrag dem Erfolg von Threema möglicherweise im Weg, denn viele Nutzer könnte es abschrecken, dass der Dienst überhaupt etwas kostet – und das wiederum könnte der Verbreitung des Dienstes schaden.

Stichwort: „Netzwerkeffekt“

„Netzwerkeffekt“, so nennen es die Wirtschaftswissenschaftler, wenn der Nutzen eines Produktes oder eines Geräts dann größer wird, wenn viele dieses Produkt oder dieses Gerät benutzen. Ein Telefon ist eben quasi unbrauchbar, wenn man der einzige ist, der eines besitzt. Ganz ähnlich ist das bei einer Chat-App. Je mehr Menschen eine bestimmte Chat-App benutzen, umso nützlicher wird diese eine Chat-App, weil man mit umso mehr Leuten chatten kann. Weshalb wiederum mehr Menschen diese App benutzen wollen - eine Art Schneeball-Effekt. Der Netzwerkeffekt begünstigt Monopole und sogenannte „the winner takes it all“-Märkte und dieser „Winner“ heißt seit Jahren Whatsapp – und daran wird sich vermutlich so schnell nichts ändern.

Ausweg Interoperabilität?

Ein Ausweg aus dem Dilemma könnte Interoperabilität sein, sprich: Dass man als Whatsapp-Nutzer auch Nachrichten an Threema-Nutzer schreiben kann, so wie man als GMX-Nutzer auch mails an Nutzer schreiben kann, die bei T-Online eine eMail-Konto haben. Aber auch das hat seine Nachteile:

"Ich stelle mir da die praktische Frage: Wie soll das mit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gehen? Da hat jeder Anbieter sein eigenes System. Und sobald ich anfange von einem System in ein anderes zu schicken, dann brauche ich eine gleiche Verschlüsselung, damit der Empfänger auch die Nachrichten entschlüsseln kann, sonst bringt es mir ja nichts." Hauke Mormann, Verbraucherschutzzentrale NRW

Die Verschlüsselung der jeweiligen Messenger-Dienste steht also der Interoperabilität im Wege. Zudem müsste man sich auf einen gemeinsamen Standard einigen, was langwierig und auch nicht besonders innovationsfreundlich ist. Wer datensparsame Messenger-Dienste nutzen möchte, dem bleibt bis auf weiteres nur eines übrig: Seine Familie und Freunde davon zu überzeugen, auf eine der zahlreichen diskreteren Alternativen umzusteigen.