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Suchmaschine vs. Verlage: Google zeigt Zähne | BR24

© Christian Lemaire/Picture Alliance

Frankreich 1962: Zeitungsdruck, alle Inhalte analog. Heute findet sich ein Großteil der Inhalte im Netz. Google macht den Verlegern Druck.

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    Suchmaschine vs. Verlage: Google zeigt Zähne

    Ein Streit um Geld und Sichtbarkeit, der schon vor der EU-Urheberrechtsreform begann, spitzt sich jetzt weiter zu. Verleger machen sich Hoffnung auf Mehreinnahmen - Google befürchtet Vertrauensverlust und geht jetzt einen drastischen Schritt.

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    Dann halt ohne. Google will in Frankreich schon mal auf die Anzeigen der kleinen "Snippet"-Vorschauen von Medieninhalten, etwa aus Online-Artikeln, verzichten. Denn der Suchmaschinenbetreiber möchte kein Geld für diese Darstellung von Links in der Websuche zahlen:

    "Wir verkaufen Anzeigen und keine Suchergebnisse - und jede Anzeige bei Google ist klar gekennzeichnet [...] Deshalb zahlen wir nicht an Verleger, wenn Leute auf deren Links in Suchergebnissen klicken." - Richard Gingras, Google-Manager

    Nachdem der EuGH bereits zuvor das in Deutschland eingeführte Leistungsschutzrecht gekippt hatte, ist das ein weiterer Dämpfer für die europäischen Presseverleger. Diese hatten nun Hoffnungen auf die Umsetzung von EU-Recht gesetzt. Gemeint ist die im April beschlossene Reform des EU-Urheberrechts, die auch ein Leistungsschutzrecht für Verleger auf europäischer Ebene beinhaltet, wodurch Suchmaschinen Lizenzen für Vorschauen auf Medieninhalte zahlen sollen. Frankreich ist das erste Land, das diese neuen Regeln in nationales Recht umsetzt.

    Dem kommt Google mit der Ankündigung des Verzichts auf die "Snippets" zuvor. Google begründet den Schritt weiter damit, dass eine andere Handhabe, die Auswahl und Relevanz für die Nutzer verringern würde - "und schließlich zum Verlust deren Vertrauens in unsere Dienste führen", erklärte Google-Manager Gringras.

    Wie reagieren die Verleger?

    Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) beklagt: "Der Konzern nötigt mit seiner Marktmacht die Verlage in Frankreich, Gratis-Lizenzen zu erteilen." Dieser Fall müsse sowohl in der anstehenden Debatte zur Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen "als auch bei der Umsetzung der EU-Copyright-Reform in deutsches Recht umfassend berücksichtigt werden".

    Da die "Snippets" auf den Suchergebnisseiten in der Regel für deutlich höhere Zugriffszahlen bei den verlinkten Seiten den Verlegern führen, gehen Experten davon aus, dass etliche Verlage den entsprechenden Programmcode in ihre News-Seiten einbauen, auch wenn kein direkter Geldfluss von Google damit verbunden sein wird. Ohne Google geht es wohl auch nicht so wirklich. Ob es in diesem Streit um Auffindbarkeit und mögliche Urheberrechtsansprüche bald zu einer Einigung kommt - danach sieht es gerade eher nicht aus.