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Studie zu Hatespeech: Wie oft sind Journalisten das Ziel? | BR24

© picture-alliance/Bildagentur-online/McPhoto

Pöbeleien gegen Journalisten - bei bestimmten Themen vorprogrammiert?

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    Studie zu Hatespeech: Wie oft sind Journalisten das Ziel?

    Beschimpft, bedroht und angegriffen: Journalismus wird gefährlicher – auch in Deutschland. Über 300 Journalisten hat das Forschungsteam der Universität Bielefeld und des Mediendienstes Integration in einer nicht repräsentativen Studie befragt.

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    Fast zwei Drittel der in der Studie von Universität Bielefeld und Mediendienst Integration befragten Journalisten, rund 60 Prozent, wurden im vergangenen Jahr angegriffen. Sie wurden beleidigt und Opfer von Shitstorms. Fast jeder sechste erlebte sogar körperliche Angriffe oder bekam Morddrohungen.

    Befragte Journalisten berichteten zum Beispiel von Steinwürfen gegen ein Kamerateam bei Ausschreitungen vor einer Unterkunft für Geflüchtete im sächsischen Heidenau. Eine andere Journalistin stellt fest, Anfeindungen in Form von Beleidigungen und anzüglichen Kommentaren via Twitter seien für sie Alltag. Ein weiterer Journalist gab an, mehrfach anonyme Briefe mit Morddrohungen geschickt bekommen zu haben, sowohl an seine Redaktion als auch an eine Verlagsadresse.

    Geahndet werden Angriffe wie diese selten: Nur bei jedem vierten der polizeilich ermittelten Fälle kam es zu einer Verurteilung.

    Die Zahlen steigen

    2017 hat das Team dieselbe Studie schon einmal durchgeführt. Damals hatten deutlich weniger Medienschaffende Hatespeech oder Gewalt erfahren, nur etwa 40 Prozent der Befragten waren damals betroffen.

    Konfliktforscher Andreas Zick von der Universität Bielefeld war an der Studie beteiligt. Ihm fällt auf, dass es meist gar nicht um journalistische Inhalte geht. "Wir haben Hinweise aus der Studie, dass sich Hatespeech in gewisser Weise gegen Journalismus radikalisiert hat", so der Konfliktforscher. "Das heißt, man wird gar nicht angegriffen aufgrund von bestimmten Berichten, sondern es geht um politische, ideologische Kämpfe. Hassrede ist organisiert, wir wissen das aus unseren Netzwerkanalysen.”

    Die meisten Hater sind rechts - das vermuten die Opfer, bestätigen aber auch Juristen wie der Staatsanwalt Christoph Hebbecker, der die Studie mit vorgestellt hat. Er hat das Projekt "Verfolgen statt nur löschen" gegründet, das Täter identifizieren will.

    "Wir können den ganz, ganz weiten Teil dem rechten und rechtsextremen Spektrum zuordnen. Wenn wir da einen Prozentsatz von 80 bis 85 Prozent ansetzen, ist das eher konservativ gerechnet." Staatsanwalt Christoph Hebbecker

    Themen wie Migration und AfD polarisieren

    Wenn es um Migration, Flüchtlinge oder die AfD geht, zieht das besonders häufig Hass auf sich, zeigt die Studie. Darunter leiden am Ende nicht nur einzelne, sondern auch die Pressefreiheit. 16 Prozent der Befragten schreiben, dass sie aus Angst vor den Reaktionen schon einmal nicht über ein Thema berichtet haben.

    Staatsanwalt Christoph Hebbecker ist schockiert darüber, dass zum Beispiel bestimmte Themen freitagnachmittags nicht mehr bespielt würden, weil Redaktionen genau wüssten, dass sie den zu erwartenden Shitstorm mit dem zur Verfügung stehenden Personal nicht moderieren könnten. "Das ist ja schon mal ein Statement, wenn man sagt: Wir richten uns jetzt mehr oder weniger nach der pöbelnden Masse", so der Staatsanwalt, "und das hat mich doch extrem geschockt, weil wir das von mehreren Medienhäusern gehört haben."

    Beratung und Rechtsbeistand

    Eine, die dagegen ankämpft, ist Gilda Sahebi von den Neuen Deutschen Medienmachern. Sie hält Workshops, um Journalistinnen und Journalisten besser gegen Angriffe im Netz zu wappnen.

    "Als ich 2018 begann, da habe ich noch viel öfter gehört: Wir werden nicht unterstützt in den Redaktionen", erinnert sich Sahebi. "Da war viel mehr das Thema: Wir fühlen uns allein gelassen. Das ist besser geworden, es ist jetzt nicht weg, aber die Aufmerksamkeit ist einfach größer geworden."

    Anlaufstellen sind für Journalisten sehr wichtig, gerade für freie Medienschaffende ohne redaktionelle Anbindung.

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