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Streit um Computerspiel-Förderung | BR24

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Die Bundes-Förderung für Computerspiele soll gestrichen werden. Viele fragen sich, ob das mit der gescheiterten Maut zusammenhängt.

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Streit um Computerspiel-Förderung

Mit 50 Millionen Euro jährlich sollten Computerspiele gefördert werden. Allerdings taucht der Betrag im Haushaltsplan für 2020 nicht mehr auf. Protest gegen diese Entscheidung kommt von zwei CSU-Politikerinnen.

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Im April 2019 war die deutsche Computerspielwelt noch in Ordnung: Auf dem deutschen Computerspielpreis bekam Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer viel Applaus als er verkündete, dass der Bund in Zukunft „Games in Germany“ mit 50 Millionen Euro im Jahr fördern wolle. Eine Unterstützung ähnlich der deutschen Filmförderung war über Jahre eine der zentralen Forderungen der Computerspiel-Branche gewesen, die es sogar in der schwarz-roten Koalitionsvertrag geschafft hatte.

„Wir wollen seitens des Bundes eine Förderung von Games zur Entwicklung hochwertiger digitaler Spiele einführen, um den Entwicklungsstandort Deutschland zu stärken.“ Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD.

Ist die gefloppte PKW-Maut schuld?

Für 2020 jedoch sind für die Computerspieleförderung keine Mittel vorgesehen. Das Geld dafür würde aus dem Etat des Bundesverkehrsministeriums kommen und genau diese Behörde muss sparen. Alleine die Vorbereitungen zur gefloppten Maut haben nämlich knapp über 50 Millionen gekostet – etwa genau so viel also wie eben die Computerspieleförderung. Und die klaffende Maut-Lücke im Haushalt ist in Wirklichkeit noch größer, da fortan wichtige Einnahmen fehlen. Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks wollte sich das Bundesverkehrsministerium allerdings nicht zu der Frage äußern, ob ein Zusammenhang zwischen der Einstellung der Games-Förderung und der Maut-Pleite besteht.

Gerlach: "Politisches Desaster"

Unterdessen haben sich zwei CSU-Politikerinnen geäußert und die Streichung der Bundesmittel kritisiert. Die Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär in Berlin sagte dem Spiegel es sei "essenziell, dass die Fördergelder für das Jahr 2020 gesichert werden". Auch Judith Gerlach protestierte. Die Bayerische Digitalministerin wandte sich in einem Brandbrief, der dem BR vorliegt, an ihren Parteifreund Andreas Scheuer.

"Es wäre ein politisches Desaster, die durch die Ankündigung der Bundesförderung entstandene Aufbruchstimmung in der Gamesbranche durch eine kurzfristige Einstellung der Förderung in 2020 zu zerstören. Hier würde enormes Vertrauen in die Politik, nicht nur in Deutschland, sondern auch international, verspielt. Auch für den Digitalstandort Deutschland wäre dies ein sehr schlechtes Signal." Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Digitales.

Klar ist: In Deutschland geben Verbraucher zwar viel Geld für Computerspiele aus, aber die großen Hits entstehen woanders. Die Branche hofft deswegen, dass die Förderung doch noch weitergeführt wird. Entscheidend könnten hier die Bundestagsberatungen zum Etat des Verkehrsministeriums sein, die am 12. September beginnen. Andreas Scheuer selbst wird am 20. August die Gamescom in Köln eröffnen, die weltgrößte Messe für Computer - und Videospiele. Gut möglich, dass der Applaus dann verhaltener ausfällt.