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Google will sein Stück vom App-Kuchen | BR24

© DAVID HERRAEZ CALZADA/Zoonar.com/Picture Alliance

Auch Abos von Streaming-Diensten sollen ausnahmslos über Googles Bezahlsystem laufen.

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    Google will sein Stück vom App-Kuchen

    Keine Schlupflöcher mehr für Netflix, Spotify & Co. - in Googles Play Store sollen auch die Abos von Streaming-Diensten über das eigene Bezahlsystem laufen. Wird ein weiterer Kampf zwischen digitalen Big Playern zulasten der Verbraucher ausgetragen?

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    Die Ansage ist klar und deutlich: Wer über den Google-Play-Store eine App vertreibt und über diese App weitere Dienste kostenpflichtig anbietet, der hat gefälligst das Bezahlsystem des Play Stores zu verwenden und seinen Teil abzutreten. Keine Ausnahmen.

    Was von Google freilich freundlicher formuliert wurde, in der Aussage aber genau das meint, ist an sich keine wirklich neue Sache. Die aktuelle Ankündigung ist aber eine Klarstellung, dass Google bestehende Schlupflöcher energisch abdichten will. Neue Apps wird das bereits ab Januar 2021 betreffen, die Entwickler etablierter Apps haben bis September 2021 Zeit, ihre Programme entsprechend anzupassen.

    Streaming-Abos und virtuelle Fortnite-Boni

    Wer sich eine kostenpflichtige App aus dem Google Play Store lädt oder eine kostenfreie App auf die Premium-Variante upgradet, für den ist meistens klar, dass die Gebühr auch über den Play-Store abgerechnet wird. Genauso wie Apple, beansprucht Google dabei einen Anteil von 30 Prozent.

    Anders sieht es mit einigen virtuellen Dienstleistungen und Produkten aus. Video- oder Musikstreaming-Dienste wie Netflix, Spotify & Co., aber auch Dating-Apps wie Tinder lassen ihre Nutzer ihre Abos in der Regel außerhalb von Googles Play Store oder Apples App Store bezahlen, etwa direkt mit Kreditkarte. Apple und Google gehen dabei dann leer aus.

    Auch Epic Games, die das enorm erfolgreiche Videospiel Fortnite betreiben, hatten zuletzt medienwirksam den Bruch mit den Stores zelebriert und Apple zum großen bösen Monopolisten erklärt. Das Unternehmen möchte virtuelle Boni für Spieler und andere Inhalte für Fortnite lieber über ein eigenes Bezahlsystem abrechnen. Epic Games baute eine entsprechende Funktion in seine App ein, worauf Apple das Spiel Fortnite aus seinem App Store schmiss. Der Fall wird nun vor Gericht verhandelt, die Fronten sind derweil weiter verhärtet, wie sich Anfang dieser Woche zeigte.

    Goliaths und Quasi-Monopolisten

    Ganz so unproblematisch ist dieses vermeintliche David-gegen-Goliath-Bild gegenüber Google und Apple jedoch nicht. Hier stehen keine Underdogs im Ring, sondern Player, die selbst milliardenschwere Unternehmen sind, wie Epic Games oder Spotify. Es geht zunächst also darum, wie Gewinne in einem extrem lukrativen Markt verteilt werden. Aber nicht nur.

    Vergangene Woche hat sich auf App-Entwickler-Seite eine „Koalition für App-Fairness“ gegründet, darunter Unternehmen wie Deezer, Epic Games, Tinder-Anbieter Match und Spotify. Sie fordern vor allem, die marktdominierende Stellung von Apple und Google zu überprüfen und im Bereich der Stores echten Wettbewerb herzustellen. Eine berechtigte Forderung.

    Google, Apple und Co. - ein Streit zulasten der Nutzer?

    Denn auch wenn Google, anders als Apple, zum Beispiel Stores von Drittanbietern duldet – also einen alternativen Weg für Nutzer, sich Apps aufs Smartphone holen – so haben beide Unternehmen doch zweifelsohne eine Quasi-Monopolstellung für ihre jeweiligen Betriebssysteme iOS und Android. Sollten App-Entwickler für den Vertrieb ihrer Produkte auch weiterhin auf die Stores von Google und Apple angewiesen sein, könnten sie Gebühren einfach an die Nutzer ihrer gefragten Produkte weitergeben.

    In den USA und der EU haben sich Regierungen und Gerichte zuletzt allerdings offen gegenüber möglicher Regulierung gegenüber Apple und Google in diesem Bereich gezeigt. Vielleicht hat Google in seiner Ankündigung nun deshalb nochmal betont, dass es in seinem Betriebssystem Android künftig (ab Version 12, die kommendes Jahr erscheinen soll) auch anderen Stores mehr Chancen geben will, indem es deren Nutzung erleichtert. Ob die Nutzer vom gewohnten großen Google Play Store zu einem anderen unbekannten Store wechseln, nur weil es dort dann Apps womöglich fünf Prozent günstiger gibt, ist allerdings fraglich.

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