Ein Mann steht an einem Bahnsteig, eine S-Bahn fährt vorbei.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Sven Hoppe

Wer mit dem Deutschland-Ticket unterwegs ist, sollte auf die Regeln achten.

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Strafanzeige wegen Deutschlandticket-Missverständnis in München?

Das Deutschlandticket galt noch keine sieben Tage, als ein Münchner S-Bahn-Fahrgast kontrolliert wurde. Er nutzte ein fremdes Ticket, wusste nicht, dass es nicht übertragbar ist. Die Bahn-Kontrolleure reagierten mit Härte.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Dieser Grundsatz des römischen Rechts hat sich bis heute gehalten. Zugleich gibt es in der Realität jedoch meist eine gewisse Kulanz. Etwa gab es mehrere Wochen Schonfrist, bis die Polizei nach Einführung des Diesel-Fahrverbots in München tatsächlich Bußgelder erließ.

Solche Schonfristen scheinen beim Deutschlandticket nicht jedem Fahrgast vergönnt zu sein, wie ein aktueller Fall aus München zeigt. Wie aus einer Pressemitteilung der Bundespolizei München mit dem Titel "Erster Betrugsverdacht mit Deutschlandticket in München" hervorgeht, wurde ein 56-jähriger Mann am Sonntag in der S-Bahn kontrolliert und zeigte ein Deutschlandticket vor, das auf eine Frau ausgestellt war; seine Frau, wie er später laut Polizei angab.

Strafanzeige und Ticket weg

Da das Deutschlandticket jedoch nicht übertragbar ist, also jeweils nur für denjenigen gilt, der es namentlich gekauft hat, forderten die Bahnkontrolleure ihn dazu auf, das Ticket herauszugeben. Der Mann gab an, die Regel nicht gekannt zu haben.

Er wollte die Chipkarte nicht abgeben und wurde – so die Polizeimeldung - zunehmend aggressiv. Die Kontrolleure riefen schließlich die Bundespolizei hinzu, die den Mann mit auf die Wache nahm, das Ticket vorerst beschlagnahmte und eine Strafanzeige wegen Erschleichens von Leistungen und Betrugsverdachts erstellte.

Pro Bahn fordert Kulanz

Die Münchner Abteilung des Fahrgastverbands Pro Bahn zeigt sich gegenüber BR24 zwiegespalten: Formal sei das Vorgehen wahrscheinlich korrekt, fahrgastfreundlich sei es aber nicht. Andreas Barth von Pro Bahn in München weist zudem darauf hin, dass beim Deutschlandticket auf Seiten der ÖPNV-Betreiber durchaus noch Fehler passieren, etwa Fahrgäste nicht mitgenommen werden, weil dem Fahrpersonal die Gültigkeit der Karte als 49€-Ticket nicht klar sei.

"Wir halten es daher für angemessen, auch umgekehrt bei Fehlern von Fahrgästen im Einführungszeitraum zwar auf die Fehler hinzuweisen, jedoch nicht dermaßen zu reagieren", so Barth.

Bahn verweist auf Kulanz

Eine Sprecherin der Bahn will sich auf BR-Anfrage nicht zu dem aktuellen Fall in der Münchner S-Bahn äußern. Sie verweist allerdings grundsätzlich darauf, dass die Deutsche Bahn bei Ticketkontrollen in den ersten Tagen des Deutschlandtickets kulant sein werde. Wer etwa ein bestelltes Deutschlandticket noch nicht erhalten habe, könne vorerst mit der Bestellbestätigung als Ticketersatz fahren.

Letztlich entscheidet jedoch wohl die Kulanz des einzelnen Kontrolleurs. Wie die Bundespolizei München auf BR-Nachfrage angibt, entscheidet der Bahn-Mitarbeiter über das Vorgehen, etwa darüber, ob er die Bundespolizei hinzuruft und ob Anzeige gestellt wird. Es empfiehlt sich daher auch schon jetzt, sich über die Regeln für das Deutschlandticket zu informieren.

Bundespolizei warnt

Auch die Bundespolizei weist in ihrer Pressemitteilung nochmals darauf hin, dass das Deutschlandticket personalisiert und nicht übertragbar sei und in diesem Zusammenhang mit Strafanzeigen wegen Erschleichens von Leistungen und Betrugsverdachts gerechnet werden müsse. "Bei der Nutzung des Deutschlandtickets ist stets ein Ausweisdokument mitzuführen", heißt es weiter.

Ihren Tweet zum aktuellen Münchner Fall hat die Bundespolizei München mit folgendem Hashtag versehen: #UnwissenheitschütztvorStrafenicht.

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