BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Steht der Instagram-Algorithmus auf nackte Haut? | BR24

© Frédéric Cirou/Picture Alliance

Datenjournalisten von AlgorithmWatch glauben Indizien gefunden zu haben, dass der Algorithmus Instagrammern stärkere Sichtbarkeit verschafft, wenn sie weniger an haben.

2
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Steht der Instagram-Algorithmus auf nackte Haut?

Bikinis und nackte Oberkörper übertrumpfen Landschaften und Essen. Datenjournalisten glauben Indizien gefunden zu haben, dass der Algorithmus Instagrammern stärkere Sichtbarkeit verschafft, wenn sie weniger an haben. Instagram bestreitet das.

2
Per Mail sharen

Was macht der Instagram-Algorithmus mit Fotos, die besonders viel nackte Haut zeigen? Eine Analyse von „AlgorithmWatch“ und des „European Data Journalism Network“ hat dazu einige Indizien gesammelt. Untersucht wurden hierfür 1.737 Posts mit 2.400 Fotos aus den Bereichen Gastronomie, Reise, Fitness, Mode oder Kosmetik. Die Posts stammten von 37 Content-Ersteller aus zwölf Ländern, ein Dutzend davon waren Männer. Auf 21 Prozent der Foto-Posts der Instagrammer hatten die abgelichteten Personen ziemlich wenig an.

In den Instagram-Feeds der jeweiligen Follower landeten aber deutlich mehr solcher Fotos mit viel nackter Haut, nämlich 30 Prozent. Das Fazit der Studie: Nacktheit wird offenbar bevorzugt ausgespielt.

„Es scheint, dass es eine Prämie für Bikini-Bilder auf Instagram gibt.“ - Nicolas Kayser-Bril, AlgorithmWatch

Dieses Phänomen tritt offenbar nicht bei allen Test-Nutzern der Studie auf, allerdings halten die Studienmacher ihre Daten für repräsentativ und kommen zur Erkenntnis, dass der Instagram-Algorithmus Fotos mit viel nackter Haut wahrscheinlich generell begünstigt. Personalisierung und andere Faktoren könnten diesen Effekt bei einigen Nutzern allerdings relativieren.

Mehr als nur das, was den Nutzern gefällt?

Nicolas Kayser-Bril, Datenjournalist bei AlgorithmWatch betont gegenüber dem BR, dass die Stichprobe des Experiments zwar statistisch signifikant sei, in Anbetracht der riesigen Instagram-Nutzerzahlen aber dennoch sehr klein.

Eine belastbare Beweisführung ist bei diesen Themen allerdings kaum möglich, denn wie genau der Algorithmus von Instagram arbeitet, weiß nur das Unternehmen selbst. Kayser-Bril hält die Vermutungen der Datenjournalisten aber für gut recherchiert. Weitere Indizien seien Patente von Facebook, die beschreiben, wie Bilder automatisiert ausgewertet und kategorisiert würden.

Facebook zweifelt Analyse an

Das Unternehmen Facebook, dem Instagram gehört, bestreitet, dass die Analyse irgendeine Aussagekraft hätte, und teilt auf BR-Anfrage mit:

„Diese Forschungsarbeit ist in vielerlei Hinsicht fehlerhaft und zeigt, dass die Funktionsweise von Instagram missverstanden wurde.“ – Facebook

Die gewählte Stichprobengröße der Studie zur vermeintlichen Voreingenommenheit der Instagram-Algorithmen hält Facebook für nicht repräsentativ. Instagram würde die Beiträge im Feed nach den Inhalten und Konten, an denen Nutzer Interesse gezeigt haben ordnen, und nicht nach „beliebigen Faktoren wie der Präsenz von Badebekleidung“, so das Unternehmen.

Offene Fragen

Dass der Algorithmus also nackte Haut bei der Ausspielung von Inhalten bevorzugen würde, streitet das Unternehmen ab. Auf die Nachfrage, ob bestimmte Regeln für den Algorithmus dies begünstigen könnten – ob gewollt oder ungewollt – antwortet Facebook nur allgemein. Aktualität des Posts, Interesse der Nutzer und deren Interaktion mit Accounts von Instagrammern seien die stärksten Faktoren, die das Ranking im Feed bestimmen würden.

Schwerwiegende Implikationen

Tatsächlich ist die Forschungsfrage der Datenjournalisten wichtig. Denn die Regeln, denen der Instagram-Algorithmus unterliegt, bestimmen auch die Regeln für den Erfolg von Instagrammern. Und diese setzen wiederum die Standards dafür, wie die Plattform Instagram aussieht und was Millionen von Nutzern täglich sehen.

Ob diese Nutzer letztendlich aber einfach nur gerne viel nackte Haut sehen oder ob vielmehr der Instagram-Algorithmus auf nackte Haut steht – diese Frage bleibt weiterhin ungeklärt.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!