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Start-up will Sprachassistenten Schweizerdeutsch beibringen | BR24

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Schweizerdeutsch hat viele Klippen, die Sprachassistenten umschiffen müssen.

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Start-up will Sprachassistenten Schweizerdeutsch beibringen

Siri, Google Assistant oder Alexa erobern unseren Alltag. Während die Sprachassistenten Hochdeutsch oder Englisch meist prima verstehen, haben sie mit Schweizer Mundart so ihre Probleme. Ein Start-up will Apps nun Schweizerdeutsch beibringen.

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Sprachassistenten können mittlerweile Erstaunliches leisten und werden trotz Skepsis von Datenschützern immer beliebter. Doch obwohl die Schweiz eins der Länder mit der höchsten Smartphone-Dichte ist, konnten sich hier Amazons Alexa, Cortana von Microsoft, Googles Assitant oder Siri von Apple, bislang noch nicht so recht durchsetzen. Die Apps tun sich nämlich mit Schweizerdeutsch schwer, etwas mit der Frage, ob es am Wochenende schneien wird:

"Chunds das Wochenend cho schnaia?" – Reaktion Sprachassistent: „Ich verstehe leider nicht, was du mit und das Wochenende meinst.“

Die mundartlich gesprochene Aussage, dass man etwas essen möchte, wird ebenfalls nicht verstanden:

„I wette öppis ässa." – Reaktion Sprachassistent: "Du scheinst keine App mit dem Namen Besato zu haben. Wenn du möchtest, kann ich im App Store danach suchen."

Interessanterweise bleiben Schweizer aber nicht immer unverstanden:

„Wenn fahrt der Zog for uff Fribourg?" – Reaktion Sprachassistent: "Ich suche nach der Wegbeschreibung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Ziel: Freiburg."

Start-up will Mundart digitalisieren

Dass digitales Verstehen künftig nicht von Zufällen abhängt, hat sich der Kommunikationswissenschaftler David Imseng auf die Fahnen geschrieben. Der 36-jährige ist aufgewachsen im Schweizer Kanton Wallis, also dort, wo man zwei Sprachen spricht - Schweizerdeutsch und Französisch. Der Experte für multilinguale Spracherkennung hat ein Start-up namens Recapp-IT gegründet.

"Unsere Vision ist, dass wir die Spracherkennung dem Schweizer Volk zur Verfügung stellen können." David Imseng, Recapp-IT

Seit vier Jahren arbeitet er an einer Software, die sämtliche in der Schweiz gesprochen Sprachen zuverlässig erkennen und in Text umsetzen kann: Französisch, Italienisch, Rätoromanisch, Hochdeutsch und eben auch Schweizerdeutsch. Doch da es "das eine" Schweizerdeutsch nicht gibt, verbinden sich mit den im Alpenland gesprochen Dialekten drei - wie er es nennt - Herausforderungen: Schweizerdeutsch sei schwierig, weil es akustisch sehr variabel sei, weil es in geschriebener Sprache nicht existiere und weil nicht viele Daten vorhanden seien, um entsprechende Systeme zu trainieren.

Schweizerdeutsch hat viele Tücken

Dass es in den verschiedenen Schweizer Dialekten unterschiedliche Aussprachevarianten oder gar komplett unterschiedliche Bezeichnungen für gleiche Dinge gibt, kann die automatische Spracherkennung oft lernen, aber nicht in jedem Fall. Für solche Varianten müssen quasi per Hand spezielle Datenbanken angelegt werden. Zudem stellen im Schweizerdeutschen übliche Zusammenziehungen, Füllworte oder scheinbar sinnlose Formulierungen für die Spracherkennung ein Problem dar.

fürne = für einen oder „vorrem = vor dem“
„es chund cho go ragnä wäre direkt transkribiert: „es kommt kommt kommt regnen“

Der Software die vielen Spezialfälle der Schweizerdeutschen Dialekte beizubringen ist aufwändig und kostenintensiv; für Google, Apple, Amazon und Co. deshalb nicht attraktiv. Für das Start-up aus dem Wallis tut sich dabei eine Lücke auf. Derzeit funktioniert die Software aus dem Wallis schon ganz gut bei eingegrenzten Themengebieten. Bis eine universelle App vorliegt, die Schweizerdeutsch komplett verstehen kann, dauert es aber noch. Solange müssen Schweizer auf Hochdeutsch zurückgreifen, wenn sie Sprachassistenten nutzen möchten.

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