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Staatliche Karte soll Mobilfunkabdeckung in Deutschland zeigen | BR24

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Eine Karte der Bundesnetzagentur soll die Mobilfunknetzabdeckung in Deutschland zeigen. Es gibt aber auch Kritik.

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    Staatliche Karte soll Mobilfunkabdeckung in Deutschland zeigen

    Das mobile Internet in Deutschland ist Opfer vieler Scherze und Verwünschungen. Eine neue Karte der Bundesnetzagentur soll nun zeigen: Ganz so schlecht ist die Lage nicht. Doch schon zum Start gibt sie Kritikern und Scherzbolden neues Futter.

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    Von
    • Thomas Moßburger

    "Wir bitten Sie, den Dienst zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu nutzen", steht auf der Website Breitband-Monitor.de, wenn man sich die Mobilfunkabdeckung Deutschlands anschauen möchte. Kurz nach Start der interaktiven Karte brach sie unter zu viel Andrang zusammen. Typisch, Digitalisierung in Deutschland, werden manche jetzt sagen.

    Dabei soll die Karte eigentlich zeigen, dass das mobile Internet in Deutschland durchaus allgegenwärtig verfügbar ist. Erstmals hat die Bundesnetzagentur dafür die Netze aller drei Betreiber, also Telekom, Vodafone und Telefónica offiziell über die Karte der Bundesrepublik gelegt.

    Praktisch für Anbieterwechsel

    Die Erreichbarkeit soll darauf bis in die Straßen und Adressen erkennbar sein - und zwar nach den unterschiedlichen Mobilfunkstandards 2G, 3G und 4G. Künftig soll auch 5G dazukommen. So kann jeder bis hin zu genauen Adressen, die Netzabdeckung eines Ortes prüfen. Praktisch, wenn man beispielsweise vor einem Anbieterwechsel schauen möchte, ob der Neue das eigene Haus oder den Arbeitsort überhaupt mit Netz versorgt. Oder man sich vor einer Reise über die Versorgung vor Ort informieren oder seinen Urlaubsort nach der Netzverfügbarkeit auswählen möchte.

    Laut der Karte der Bundesnetzagentur sind aktuell 96,5 Prozent der Fläche Deutschlands mit LTE-Netz versorgt. Mindestens 3G gibt es demnach sogar auf 97,3 Prozent des deutschen Staatsgebietes.

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    Kurz nach dem Start war die Karte schon nicht mehr abrufbar.

    Karte beruht auf Netzbetreiber-Angaben

    Dass diese Werte nicht mit der Alltagserfahrung vieler Menschen einhergehen, dürfte unter anderem daran liegen, dass gemeint ist: Von mindestens einem Netzbetreiber versorgt. Wer das O2-Netz nutzt, hat von einer Abdeckung mit Telekom-Netz jedoch wenig. Und umgekehrt. Zumindest die Netzabdeckung als Gesamtzahl ist für den Einzelnen folglich recht wenig aussagekräftig.

    Hinzu kommt, dass die Netzagentur sich für ihre Karte auf die freiwilligen Angaben der Betreiber selbst verlässt, wie der grüne Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer bemängelt: "LTE mag oftmals bei Sonnenschein in 50 Meter Höhe vorhanden sein, auf dem Boden habe ich aber in meiner Region Aachen vielfach sogar Probleme beim Telefonieren und Verbindungsabrisse sind an der Tagesordnung."

    Die Homepage könne dagegen den Eindruck erwecken, dass der Staat hier selbst eine verlässliche Karte erstellt habe. In Wahrheit stehen dort die Angaben der Unternehmen, die laut Netzagentur nur stichprobenartig geprüft werden.

    Tests zeigen anderes Bild

    Unabhängige Gesamt-Tests der deutschen Mobilfunknetze machen Fach-Medien wie "Connect" oder "Chip" jedes Jahr. Die Daten beruhen dabei nicht auf freiwilligen Angaben, sondern auf Untersuchungen. Durch tausende Kilometer in Autos, Bahn und zu Fuß sowie über Crowdsourcing wird ermittelt, wie verfügbar und gut das Netz ist.

    Die letzten auf dieser Basis entstandenen Auswertungen zeigen, dass eine allgemeine Verfügbarkeit von LTE zwar durchaus, wie auf der Netzagentur-Karte beschrieben, vorhanden ist, aber in anderem Ausmaß und stark von der Region abhängig.

    So sind laut "Chip"-Test je nach Netz nur 93,3 Prozent (Telekom), 86,1 Prozent (Vodafone) oder 75,9 Prozent (O2) des deutschen Testgebietes mit LTE versorgt. Vor allem in Nordostdeutschland herrscht etwa bei O2 Nachholbedarf. "Connect" weist zudem etwa daraufhin, dass in Zügen das Netz oft nur schwach ist, das Streamen eines Videos dort etwa nur in 60 bis 80 Prozent der Fälle funktioniert.

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