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Spam-Emails wie diese locken auf zweifelhafte Dating-Seiten | BR24

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Mails mit verdächtigen Texten können nicht nur zu Viren führen - auch zu merkwürdigen Dating-Portalen

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    Spam-Emails wie diese locken auf zweifelhafte Dating-Seiten

    "Verena, du gefällst mir :-)" mit solchen Betreffs und schmalzigen Emails werden User auf Dating-Portale gelockt. Dahinter steckt eine ganze Industrie, die mit falschen Profilen ihr Geld verdient. Angeblich ganz legal.

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    "Verena, du gefällst mir :-)" Mit diesem Betreff landet eine Email von einem vermeintlichen Nutzer einer Dating-Seite im Postfach einer Schülerin. Doch die hat sich weder jemals für ein Dating-Portal angemeldet, noch hat sie Interesse an dem Mann, der auf den Fotos in der Email abgebildet ist - er ist über 30.

    Das ganze wirkt wie eine typische Spam-Email, aber Verena hat schon einige Nachrichten dieser Art bekommen. Und sie ist nicht die einzige Empfängerin. Im Netz häufen sich die Fälle von zweifelhaften Einladungen für Dating-Portale - und immer sind es Menschen um die 30, die angeblich an einem amourösen Abenteuer interessiert sind.

    Die Betreffs lauten etwa "Monika, ich möchte dich gern kennenlernen", "Maria, bei mir oder bei dir?" oder "Freue mich sehr auf dich". Eine der Spam-Emails beginnt dann mit den Worten "huhu wunderschöne, unbekannte Frau :). ich habe dich hier im Internet gesehen und bin total hin und weg von dir. Ich habe dann gleich gedacht, ich schreibe dich einfach mal an." Auch Bilder sind angehängt.

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    Eine der Spam-Emails im Volltext (Bilder von der Redaktion unkenntlich gemacht)

    Wo kommen diese Emails her?

    Die Spur der Emails führt zu dem Online-Marketing-Unternehmen 4Wave Internet GmbH. Das wichtigste Produkt der Firma: Eine Email-Liste namens "BlueLeads", die von 4Wave Internet vermarktet wird. Nach eigenen Angaben enthält die Liste über 1,5 Millionen Adressen. Auf Anfrage von BR24 erklärt ein Mitarbeiter des Unternehmens: Alle Adressen in der Liste werden auf legale Weise gewonnen - etwa weil die betreffenden Personen einmal bei einem Gewinnspiel mitgemacht und dabei der Verwendung der Daten zugestimmt haben.

    Über diese Liste werden dann Werbe-Emails an tausende Adressen versandt. Unter den Kunden von 4Wave Internet sind auch die Dating-Portale, die die seltsamen Emails an Verena schicken. Hier erklärt 4Wave Internet weiter: Hinter allen Portalen, die die Liste nutzen, stehen real existierende Unternehmen. Einige von ihnen seien den Mitarbeitern persönlich bekannt.

    Wohin führen solche Emails?

    Die Spam-Emails, die ein romantisches Abenteuer versprechen, führen auf Seiten wie verliebt18.de und cadalo.de. Diese Angebote erscheinen auf den ersten Blick wie normale Dating-Portale. In den AGBs findet sich jedoch ein pikanter Hinweis. Bei beiden Portalen handele es sich um einen "moderierten Dienst. Die Moderation dient dazu, die Aktivitäten über das Portal und damit die Umsätze des Betreibers zu erhöhen. Dazu legen Moderatoren, die vom Betreiber beschäftigt werden, eine Vielzahl von Profilen fiktiver Personen an und geben sich als diese fiktive Person aus."

    Vorsicht vor Fake-Profilen auf Dating-Portalen!

    Im Klartext: Hier sind falsche Profile unterwegs - massenhaft. Marktwächter der Verbraucherzentrale haben letztes Jahr eine Liste von ganzen 187 Portalen veröffentlicht, die in ihren AGBs Hinweise auf Fake-Profile verstecken.

    Die Masche kann für unbedarfte Menschen auf Partnersuche teuer werden. Denn während die Registrierung in der Regel kostenlos ist, müssen weitere Funktionen mit "Chips" oder "Coins" freigeschaltet werden. Und das kostet Geld. Ein Flirt mit einem Fake-Partner kann also schnell teuer werden.

    Was kann man gegen die Spam-Emails tun?

    Geltendes europäisches Recht sieht vor, dass Email-Abos wie das für Verenas Email-Adresse per "Abmelden"-Button kündbar sein müssen. In diesem konkreten Beispiel sollte das auch funktionieren, auch wenn es möglicherweise nötig ist, sich mehrmals abzumelden, wenn die Adresse in mehreren Listen eingetragen ist.

    Allerdings muss man hier aufpassen: Die Spam-Emails in diesem Beispiel bewegen sich wohl tatsächlich im Rahmen des Gesetzes. Aber andere tun das oft nicht, insbesondere wenn sie aus dem Ausland kommen. Und dann bringt der Klick auf den "Abmelden"-Button womöglich nur noch mehr Spam - oder sogar die Gefahr von Viren. Bei jeder ungefragten Email ist es also wichtig, genau deren Ursprung zu untersuchen, bevor man auf einen enthaltenen Link klickt.