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So werden Playlists und Suchergebnisse auf Spotify ausgetrickst | BR24

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Spotify schafft neue Regeln für den Musikmarkt

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    So werden Playlists und Suchergebnisse auf Spotify ausgetrickst

    Im Musikstreaming steckt viel Geld. Technisch versierte Menschen haben jetzt Methoden gefunden, mit Spotify Geld zu verdienen, ohne überhaupt Musik zu machen. Der Fall zeigt: Spotify funktioniert völlig anders als die klassische Musikbranche.

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    Früher herrschten in der Musikindustrie klare Regeln: Songs konnten zu Geld gemacht werden, indem sie entweder im Radio und auf Veranstaltungen liefen, oder indem Fans sich Tonträger von den Songs kauften. Doch im Zeitalter des Musikstreamings funktionieren die Regeln anders. Auf Spotify, Apple Music und Deezer werden Interpreten nicht pro Hörer bezahlt, sondern pro Play: Jedes Mal, wenn ein Titel angehört wird, verdient der Urheber des Titels einen winzigen Betrag.

    Das hat die Musiklandschaft in vielerlei Hinsicht verändert: Songs werden heutzutage oft speziell mit Blick auf Streaming geschrieben, sie sind kürzer, weil sie dann öfter wiederholt werden, und statt langer Intros beginnt ein moderner Popsong meist direkt mit dem eingängigsten Teil, damit die hörende Person nicht weiterklickt.

    So werden Spotifys Suchergebnisse ausgetrickst

    Besonders wild wird die Sache aber, wenn Interpreten auf Spotify auftauchen, die überhaupt keine Musik machen. Ein Bericht des Online-Magazins OneZero stellt etwa den "Künstler" Relaxing Music Therapy vor, der laut Spotify von über einer halber Million Menschen monatlich gehört wird. Dahinter steckt aber kein Musik-Interpret, sondern ein einfacher Trick: Wild zusammengewürfelte Musik- und Geräuschetitel, versehen mit einem Namen, den die User oft in die Suche eintippen: Wer nach einer Playlist für "Relaxing Music" sucht, bekommt schnell "Relaxing Music Therapy" vorgeschlagen.

    Die Masche, Spotify-Profile lediglich danach zu benennen, was oft in die Suche eingegeben wird, führt auch zu "Interpreten" wie "Natural White Noise Best Nature Sounds for Sleeping, Stress Relief, Relaxation, Sound Therapy" und "Jazz Music Therapy for Cats". Das Ganze geht sogar so weit, dass einzelne Titel von Algorithmen benannt werden - immer darauf aus, möglichst oft in der Suche angezeigt zu werden.

    So werden Spotifys Playlists ausgetrickst

    Die Masche reiht sich ein in eine immer länger werdende Liste von Tricks, mit denen Klickzahlen auf Spotify abgegriffen werden und damit Geld verdient wird. Wer die eigenen Songs auf Spotify erfolgreicher machen möchte, kann dafür auch Playlists ausnutzen. Die Methode geht denkbar einfach: Man wählt zum Beispiel eine berühmte Sängerin aus, benennt eine Playlist nach ihr und füllt die ersten paar Plätze mit Titeln von der Sängerin. Danach fügt man die eigenen Songs hinzu, die bislang weniger Reichweite haben. Wenn Menschen die Musik der berühmten Sängerin hören wollen und die Musik einfach im Hintergrund laufen lassen, lassen sie so irgendwann auch Musik laufen, die sie eigentlich gar nicht wollten.

    Umstritten, aber nicht illegal

    Spotify hat bislang wenig öffentliches Interesse daran gezeigt, gegen Tricks dieser Art vorzugehen - wohl auch, weil die Praktiken zwar umstritten, aber nicht illegal sind. Der Grund, warum sie funktionieren, liegt tief in der DNA des Musikstreamings verankert: Dass Musik, die im Hintergrund oder versehentlich gehört wird, genau so viel Geld einspielt wie Musik, die aktiv und gewollt gehört wird. Das kann auch Spotify nicht ändern, weshalb Playlist- und Suche-Tricks wohl weiter zur Tagesordnung des Musikgeschäfts gehören werden.

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