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So sehr schaut Facebook dem User im Netz über die Schulter | BR24

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Unter Druck: Der Facebook-Konzern.

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    So sehr schaut Facebook dem User im Netz über die Schulter

    Facebook soll in Zukunft die Daten nicht mehr zusammenführen dürfen, um so Profile der Nutzer zu erstellen. Das Bundeskartellamt hat in einer Erläuterung das Verbot begründet: Das Dokument entlarvt die Datensammelwut des Konzerns.

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    Das Bundeskartellamt stellt in seiner Erläuterung des Verbots zunächst die bisherige Situation dar. Facebook wertet nicht nur Facebook aus, sondern auch die Daten der Tochterfirmen WhatsApp und Instagram. Dabei landen auch die Metadaten von hochgeladenen Fotos und Videos bei Facebook, also unter anderem Zeitpunkt und Standort der Aufnahme oder das verwendete Gerät. Facebook weiß zudem, wer mit wem wann und wie oft kommuniziert hat.

    Fotos werden automatisch gescannt

    Eine weitere Art der Datengewinnung ist das maschinelle Beobachten des Nutzerverhaltens. Facebook kann beispielsweise hochgeladene Fotos scannen und versucht automatisch zu erkennen, ob darauf lachende Gesichter, ein bestimmtes Essen oder Landschaftsaufnahmen zu sehen sind. Dazu kommt dann noch die Auswertung dessen, was Nutzer auf Internetseiten und Apps tun. Das geschieht durch spezielle Analyseprogramme oder durch den bekannten Like-Botton, der auf vielen Websites eingebunden wird. Alles zusammen beschert Facebook unvergleichliche Datenmengen, zementiert die führende Stellung des Unternehmens und ist deswegen aus Sicht des Bundeskartellamtes bedenklich.

    "Nicht zuletzt durch diese Kombination von Datenquellen war Facebook in der Lage, einen einzigartigen Gesamtdatenbestand über jeden einzelnen Nutzer zu erstellen." Bundeskartellamt

    Quasi-Erpressung durch Facebook soll beendet werden

    Problematisch ist das Sammeln von Daten auf diese Art auch, weil der Nutzer dem bisher nicht wirklich widersprechen kann. Er muss allem pauschal zustimmen, wenn er den Dienst nutzen möchte. Genau das aber will das Bundeskartellamt nun ändern. Die Facebook-Dienste wie WhatsApp oder Instagram dürfen die Daten zwar weiterhin sammeln. Eine Zusammenführung darf Facebook aber nur noch dann vornehmen, wenn der Nutzer freiwillig in die Zusammenführung einwilligt.

    "Freiwillig heißt, dass die Nutzung der Facebook-Dienste nicht von der Erteilung dieser Einwilligung abhängig gemacht werden darf. Wird die Einwilligung nicht erteilt, darf Facebook die Daten nicht mehr in der bisherigen umfangreichen Art und Weise zusammenführen, sondern höchstens in einer stark eingeschränkten Form." Bundeskartellamt

    Streit mit dem Bundeskartellamt kann sich Jahre hinziehen

    Facebook wird also verpflichtet, seine Nutzungsbedingungen anzupassen. Dafür muss es dem Bundeskartellamt innerhalb von vier Monaten konkrete Vorschläge machen. Allerdings wird zunächst erst einmal wohl auf Zeit gespielt. Facebook will gegen das Verbot gerichtlich vorgehen und dabei auch erstreiten, dass das Kartellamtsverbot nicht sofort, sondern erst nach einem endgültigen Urteil umgesetzt werden muss. Wenn das Oberlandesgericht Düsseldorf dem entspricht, dann könnte es Jahre dauern, bis der Streit zu einem Ergebnis kommt.

    Andernfalls (also falls die Kartellamts-Entscheidung sofort wirksam ist) muss Facebook seine Datensammel-Praxis nach spätestens zwölf Monaten umgestellt haben. Dabei kann das Bundeskartellamt ordentlich Druck machen und Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen.

    Datenquellen für Facebook sollen trocken gelegt werden

    Auch von anderer Seite wächst der Druck auf Facebook. Derzeit arbeitet der EuGH an einem Urteil über die generelle Zulässigkeit von Like-Buttons. Und auch die deutschen Aufsichtsbehörden für den Datenschutz sind aktiv. So hat erst kürzlich das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht 40 Webseiten auf den Einsatz von Facebook-Analysetools hin untersucht. Ergebnis: Überall kamen solche "Datenschleudern" zum Einsatz, weshalb das bayerischen Landesamt nun gegen diese Webseitenbetreiber vorgehen will und sich hierbei mit den weiteren Landesämtern und den anderen EU-Staaten abstimmt. Zunächst einmal werden die Sanktionen also nur die Betreiber der Onlineshops treffen, langfristig könnte so aber eine wichtige Datenquelle für Facebook versiegen.