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So reagieren Fahrer und Gewerkschaften auf den Deliveroo-Rückzug | BR24

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Deliveroo

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So reagieren Fahrer und Gewerkschaften auf den Deliveroo-Rückzug

Gestern überraschte der Lieferdienst Deliveroo seine Kunden und Fahrer: Am Freitag wird der Dienst eingestellt. Man werde sich in Zukunft auf andere Märkte konzentrieren. Wir haben Reaktionen gesammelt.

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"Wir weinen dem Unternehmen und seinen Geschäftspraktiken, die komplett auf Scheinselbständigkeit basieren, keine Träne nach", so kommentierte gestern die Gewerkschaft "Nahrung-Genuss-Gaststätten" (NGG) das plötzliche Aus von Deliveroo in Deutschland.

Mitarbeiter arbeiteten ohne Absicherung

Das Verhältnis zwischen Startups aus der Gig Economy und den Fahrern ist tatsächlich schon lange gespannt. Nicht nur in Deutschland gab es immer wieder Proteste gegen die Geschäftspraktiken der Lieferunternehmen, die sich zuletzt aus immer mehr Märkten zurückgezogen haben. In Deutschland stellt der nun verbleibende Lieferdienst Lieferando, der vor kurzem Foodora übernommen hat, deshalb alle seine Lieferanten an, egal ob als Mini-Job, Teilzeit oder Vollzeit-Fahrer. Deliveroo hingegen beharrte bis zum Schluss auf dem Modell der Gig Economy. Hier verdienen die Fahrer nur dann, wenn sie auch wirklich in die Pedale steigen. Absicherung gibt es nicht.

Trotzdem ist die Gewerkschaft NGG mit dem Rückzug von Deliveroo nicht zufrieden: "Diese sehr kurze Frist zwischen Bekanntmachung und Umsetzung der Geschäftsaufgabe ist ein Schock für die Beschäftigten. Innerhalb weniger Tage verlieren sie ihr Einkommen, also ihre Existenzgrundlage. Auch das zeigt, welche Nachteile dieses Geschäftsmodell birgt", sagt der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler.

Unerwartetes Aus

Auch die Fahrer sind schockiert von dem schnellen Aus. Das Bayern2-Tagesticket hat eine Fahrerin interviewt, die erzählt, wie die Kündigung bei ihr ankam: "Ich war gerade in einem Restaurant, die zu 90 Prozent mit Deliveroo ausgeliefert haben. Und da hieß es schon: Lies mal deine Mails, Deliveroo macht zu. Letzte Woche kam von Deliveroo noch eine Mail: Ihr seid so toll, ihr bekommt T-Shirts und Caps und Socken, die könnt ihr euch abholen. Das kam alles sehr überraschend. Und die Mitarbeiter des Restaurants haben später auch eine Mail bekommen, dass sie auch aufhören am Freitag."

Die Fahrer haben nun noch eine kleine Kulanzperiode, in der Auszahlungen getätigt werden. Ende August ist es dann komplett vorbei. "Niemand von uns hatte die Idee, das jetzt ein Leben lang zu machen. Aber dass das Ende dann doch so abrupt kommt, damit hatte niemand gerechnet."

Auf dem Weg zum Quasi-Monopol

In Deutschland ist der Konkurrenzkampf unter den Lieferdiensten durch den Rückzug Deliveroos nun endgültig vorbei. Das Quasi-Monopol besitzt nun takeaway.com. Zu dem Konzern gehören Lieferando, Lieferheld, Foodora und pizza.de. Auch McDonald’s lässt über Takeaway.com ausliefern und erst Ende Juli kündigte der Konzern an, den britischen Konkurrenten Just Eat kaufen zu wollen. Wer also in Zukunft Essen bestellt, tut das vermutlich über Software von takeaway.

In Berlin haben sich die dort ansässigen Deliveroo-Fahrer gestern zu einer Krisensitzung getroffen. Sie wollen jetzt ein selbstverwaltetes Lieferkollektiv gründen. Unterstützung findet diese Idee unter anderem aus Frankreich, wo der Kampf für bessere Bedingungen bei Fahrrad-Lieferdiensten noch intensiver ist als in Deutschland.

Wie es für Deliveroo weitergeht, ist noch nicht bekannt. Die Daten, die der Dienst über alle seine Nutzer gesammelt hat, werden erst einmal nicht gelöscht. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, muss selbst auf der Seite seine Daten löschen.