BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

So könnte es mit der Corona-Warn-App weitergehen | BR24

© Picture Alliance

Fast 18 Millionen mal wurde die Corona-Warn-App bislang heruntergeladen

16
Per Mail sharen

    So könnte es mit der Corona-Warn-App weitergehen

    Benötigt die Corona-Warn-App ein größeres Update? Und wenn ja, welche Funktionen wären sinnvoll? Erste Ideen nehmen vor allem Superspreading-Events ins Visier.

    16
    Per Mail sharen

    Kürzlich suchten Experten nach Gründen, weshalb Spanien nun schon die zweite Runde gegen Corona verloren hat. Denn das Land wurde nicht nur im April von einer heftigen Corona-Welle heimgesucht, sondern auch im Sommer. Die Wissenschaftler fanden einige Ursachen für die Corona-Probleme Spaniens, aber ein Faktor wurde als besonders schwerwiegend erachtet: Die spanischen Behörden hätten es nicht geschafft, die Kontakte von Corona-Infizierten nachzuvollziehen, um so die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen. In diesem Zusammenhang wurde auch kritisiert, dass in dem südeuropäischen Land immer noch keine Corona-Warn-App zur Verfügung steht, die es Personen, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, ermöglicht, ihre Kontakte anonym über die Infektion zu informieren.

    Immer mehr Warnungen per App

    Deutschland ist hier weiter. Seit fast genau drei Monaten können sich Bürgerinnen und Bürger die Corona-Warn-App herunterladen (Wie die Corona-Warn-App genau funktioniert, lesen Sie hier). Das Programm hat aus Fachkreisen viel Zuspruch erhalten, auch wenn vorhandene Probleme nicht immer glücklich kommuniziert wurden. Fast 18 Millionen mal wurde die Corona-Warn-App seither installiert. Eine beachtlich Anzahl, die allerdings wenig über die tatsächliche Nutzung aussagt, die bei etwa 15 Millionen liegen dürfte, wie Daten nahelegen, die die Deutsche Telekom erhoben hat.

    Die Corona-Warn-App: Bislang ein kleiner Baustein in der Pandemiebekämpfung

    Ein Problem war anfangs, dass die Labore unzureichend an die entsprechende Infrastruktur angebunden waren. Nach und nach scheint sich diesbezüglich die Situation zu verbessern. Ein Blick in die Daten verrät, dass immer mehr Menschen die Corona-Warn-App nutzen, um Personen über eine Infektion zu informieren. Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass die Corona-Warn-App im Sommer 2020 ein Baustein in der Pandemiebekämpfung ist. Kein großer Baustein, aber immerhin: ein Baustein.

    Superspreading-Events treiben die Pandemie

    Die Frage ist nun, wie aus diesem kleinen Baustein ein großer Baustein werden kann. Der Vorteil von Pandemiebekämpfung per Smartphone ist, dass man Apps per Update weiterentwickeln und dem Infektionsgeschehen anpassen kann. Es gibt zudem laufend neue Erkenntnisse, die neue Anti-Corona-Strategien aufzeigen. Experten, wie etwa der bekannte Virologe Christian Drosten, empfehlen mittlerweile die Kapazitäten der Gesundheitsbehörden auf die Identifikation von sogenannten "Infektionsclustern“ zu konzentrieren. Das sind Ereignisse, wie etwa Chorproben, Feiern oder Sportveranstaltungen, bei denen sich viele Leute anstecken. Solche "Superspreading-Events" treiben die Pandemie, wer sie rechtzeitig erkennt und die Teilnehmer isoliert, der bremst auch die Corona-Verbreitung – und das ganz ohne Lockdown. In Japan war diese Strategie offenbar recht erfolgreich.

    App soll Clustersituationen erkennen

    Auch vor diesem Hintergrund hat der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach Vorschläge zur Weiterentwicklung der Corona-Warn-App gemacht. So soll es möglich werden, auf freiwilliger Basis mehr Informationen über eine Risikobegegnung weiterzugeben. Bislang erhalten Personen, die eine infizierte Person getroffen haben, nur die Auskunft, dass sie jemanden getroffen haben, der positiv auf Corona getestet wurde. In Zukunft könnte die App Nutzern auf Wunsch mitteilen, wann dieser Kontakt stattgefunden haben könnte. Mögliche Superspreading-Events sollen so ausfindig gemacht werden. Auch am Algorithmus der App könnte geschraubt werden. Die App würde dann Clustersituationen erkennen, sobald das Gerät viele Signale von anderen Geräten registriert. Im Fall der Fälle könnten dann die Teilnehmer eines Superspreading-Events gewarnt werden und sich vorsorglich in Quarantäne begeben.

    Es gibt noch viel zu tun

    Auch aus der Wissenschaft kommen Vorschläge, was man an der App verbessern könnte. Viel Verwirrung gibt es beispielsweise aktuell um die Risikowarnungen. Vielen Nutzern ist nicht klar, wie sie sich bei "Risikobegegnungen mit niedrigem Risiko" verhalten sollen und warum sie überhaupt gewarnt werden, wenn doch das Risiko niedrig war.

    "Widersprüchliche und unklare Meldungen haben zu Irritationen und Unsicherheiten bei NutzerInnen geführt und gefährden das Vertrauen in die App. Diese Probleme müssen behoben werden und auch die Darstellung weiterführender Informationen,insbesondere auch zur Interpretation des eigenen Risikostatus, könnte optimiert werden.“ Judith Simon, Professorin für Ethik in der Informationstechnologie, Universität Hamburg

    Internationales Corona-Warn-System

    Ob und wenn ja, wann Änderungen an der App kommen könnten, das ist unklar. Zumindest aber scheint schon ein anderer Meilenstein absehbar. Kürzlich haben Apple und Google angekündigt, das Corona-Warn-System direkt in ihre Betriebssysteme integrieren zu wollen. Für deutsche Nutzer ändert sich dadurch kaum etwas, das System ist eher gedacht für Länder, die noch über keine eigene App verfügen. So aber könnte immerhin endlich bald ein internationales Corona-Warn-System Wirklichkeit werden.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!