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Strato und Deutsche Telekom speichern ihre Daten nicht an verschiedenen Orten. Bei einem Großbrand könnte das zum Problem werden.

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Sind Daten in der Cloud wirklich sicher?

Nach dem Brand beim Cloud-Betreiber OVH zeichnet sich ab, dass ein Teil der dortigen Daten verloren ist. Stellt sich die Frage nach der Sicherheit von Rechenzentren. Eine Umfrage zeigt: Auf einen Großbrand sind auch andere Anbieter nicht vorbereitet.

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Von
  • Christian Sachsinger

Der französische Cloud-Anbieter OVH hat einen großen Teil seiner Rechnerkapazität beim Brand eines Server-Gebäudes bei Straßburg verloren. Tausende Server wurden vernichtet und in der Folge waren Kunden reihenweise offline. So gingen die französische Regierungsseite data.gouv.fr oder die Internetseite des Centre Pompidou in Paris zeitweise vom Netz. Bisherigen Erkenntnissen zufolge sind zudem ein Teil der bei OVHCloud gespeicherten Daten unwiederbringlich vernichtet. Fragt sich, warum beim Brand in einem Gebäude nicht sofort ein anderes Serverzentrum an einem anderen Ort eingesprungen ist, um die Dienste des Cloudbetreibers am Laufen zu halten. Solche eigentlich erwartbaren Sicherheitsvorkehrungen sind jedoch in der Branche gar keine Selbstverständlichkeit, wie unsere Nachfragen ergeben haben.

Auch Strato speichert an einem Ort

Wer etwa beim deutschen Cloudbetreiber Strato nach den Schutzmaßnahmen für die Daten von Privatnutzern des Dienstes Hidrive fragt, wird zunächst einmal auf verschiedene Zertifizierungen (etwa durch den TÜV) hingewiesen. Außerdem heißt es:

"Sämtliche Daten, die Nutzerinnen und Nutzer (…) werden redundant in voneinander getrennten Brandabschnitten innerhalb des Rechenzentrums gespeichert. Sollte also zum Beispiel ein Server ausfallen, ließen sich die Daten von einem anderen Server wiederherstellen." Michael Poguntke, Pressesprecher Strato

Strato nutzt zwar Rechenzentren in Karlsruhe und Berlin. Die Daten von Privatkunden werden aber nur an einem Ort abgelegt, aus Kostengründen, wie der Unternehmenssprecher auf Nachfrage einräumt. Geschäftskunden können per Aufpreis dafür sorgen, dass beide Orte genutzt werden. Bei einem Großbrand, wie in Straßburg, wäre das Backup der Privatkundschaft möglicherweise also auch weg.

Gut 30 Kilometer Abstand bei Web.de und GMX

Die Schwestergesellschaften Web.de und GMX, die wie Strato zum Konzern United Internet gehören, operieren ebenfalls vom Rechenzentrum in Karlsruhe aus. Die Daten würden dabei "georedundant und instantan" abgelegt, wie der Unternehmenssprecher Christian Friemel es formuliert. Soll heißen: es werden laufend Backups gezogen und an einem anderen Ort abgelegt. Dieser Ort, liege mindestens 30 Kilometer entfernt. Und: diese sogenannte Georedundanz gilt für alle Mails und Daten nicht nur bei Geschäfts-, sondern auch von Privatkunden, selbst bei den kostenfreien Cloud-Angeboten. Insofern scheinen Web.de und GMX mehr Sicherheit zu bieten.

Auch Telekom-Cloud nicht gegen Großbrand gewappnet

Die Deutsche Telekom spricht zwar von einer Null-Ausfall-Policy, bietet mit ihrem Magenta-Cloud-Dienst tatsächlich aber deutlich weniger Sicherheit. Hier gibt es für Privatkunden nur einmal täglich ein Back-up und die Daten bleiben im selben Rechenzentrum, wenngleich in einer anderen Brandschutzzone. Auch sei jede dieser Zonen mit Rauchmeldern und Löschsysteme einschließlich Sauerstoffverdrängung ausgestattet, erklärt der Konzern. Ob das ausreicht, wenn wie in Straßburg, das gesamte Gebäude brennt, ist jedoch mehr als fraglich.

Mehr Sicherheit bei den US-Cloud-Diensten?

Neben den deutschen Cloudanbietern gibt es natürlich die wirklich großen Konkurrenten, allen voran Microsoft, Amazon, Google und Apple. Die spielen in einer ganz anderen Liga, können deutlich mehr Geld investieren und deshalb Rechenzentren rund um die Welt betreiben. In Punkto Georedundanz können die deutschen beziehungsweise europäischen Konkurrenten deshalb nicht mithalten, wie auch Jan Mahn von der Computerzeitschrift CT bestätigt. Seiner Ansicht nach werden die Daten bei den Weltkonzernen wenigstens auf zwei Kontinente verteilt. Ein Brand in einem Rechenzentrum kann also, anders als bei Strato und Telekom, hier deutlich weniger Schaden bei der Cloud-Kundschaft anrichten.

Nachteil: Man weiß nicht wirklich, was mit den eigenen Daten passiert. Die strikten Regeln der europäischen Datenschutzgrundverordnung gelten für Amazon, Google und Co. nur bedingt. Computerexperte Mahn rät ohnehin dazu, sich nicht allein auf die Cloud zu verlassen. Um das zweite Back-Up sollte man sich selbst kümmern und das Mittel der Wahl sei dabei die gute alte externe Festplatte.

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