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Facebook im Sturm - Der Konzern steht unter Druck

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    "Sie töten Menschen": Joe Biden und Facebook im Streit

    US-Präsident Biden hat schwere Vorwürfe gegen Facebook erhoben: Fake News über Impfungen auf Social Media seien für zahlreiche Tode verantwortlich. Jetzt schlägt Facebook zurück. Doch Facebooks Argumentation hat Lücken.

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    Von
    • Gregor Schmalzried

    Selten findet US-Präsident Joe Biden so klare Worte wie hier: "Sie töten Menschen", sagt er am Wochenende vor Pressevertretern. Gemeint damit sind die Chef-Etagen von Facebook und anderen Social Media-Plattformen. In den USA lässt die Zahl der täglich verabreichten Corona-Impfungen schon länger nach. Obwohl schon seit Monaten genug Impfstoff zur Verfügung steht, ist erst jeder zweite Amerikaner vollständig gegen Corona geimpft.

    Dafür - und damit auch für die steigenden Fallzahlen in den USA - macht Biden die sozialen Medien verantwortlich, auf denen massenhaft Falschinformationen und Verschwörungstheorien über die Impfstoffe verbreitet wurden. "Die einzige Pandemie, die wir haben, ist unter den Nicht-Geimpften", sagt Biden und wiederholt seinen Vorwurf gegenüber Facebook: "Sie töten Menschen."

    Facebook schlägt zurück - bleibt aber unkonkret

    Bidens harte Kante gegen Facebook hat in den USA für Aufruhr gesorgt. In einer Pressemitteilung bestreitet Facebook die Vorwürfe, für Impfskepsis in der Bevölkerung mitverantwortlich zu sein. Über zwei Milliarden Menschen hätten auf Facebook klärende und vertrauenswürdige Informationen zu den Impfungen abgerufen, so das Statement. Zudem seien, Umfragen zufolge, heute mehr Facebook-User pro Impfung eingestellt als noch vor einigen Monaten.

    Doch das Statement hat auch Lücken: Zwar gibt Facebook bekannt, wie viele Personen verlässliche Infos zu den Impfungen gelesen haben. Die Zahl, wie viele Menschen dort Fake News und Verschwörungstheorien zu den Impfungen gelesen haben, bleibt aber ein Geheimnis.

    Zudem muss die wachsende Akzeptanz der Impfungen bei Facebook-Nutzern nichts mit Facebooks Handlungen zu tun haben - da die Zahlen bei Nicht-Facebook-Nutzern sich in der Zeit fast identisch entwickelt haben.

    Impfgegner haben auf Social Media schon lange Erfolg

    Trotz Warnungen von Gesundheitsexperten boten Social Media-Plattformen wie Facebook jahrelang offene Türen für Impfgegner, die falsche Informationen über sichere Impfungen verbreiteten. Erst mit der Corona-Krise begann Facebook, aktiv gegen Fake News zu Impfungen vorzugehen, und erst seit Anfang 2021 ist es gegen die Facebook-Richtlinien, Falschinformationen über Impfungen zu posten.

    Doch der Schaden ist möglicherweise schon angerichtet. Jahrelang haben Impfgegner über Gruppen und Seiten Anhänger rekrutiert und Lügen verbreitet (etwa über einen nicht existenten Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus).

    Seit Beginn der Corona-Krise sind große Teile dieser Communitys etwa in der Querdenken-Bewegung aufgegangen und haben absurde und falsche Aussagen über die Corona-Impfungen verbreitet: Etwa, dass die Impfung winzig kleine Mikrochips enthalte, mit denen Menschen ferngesteuert umgebracht werden könnten.

    Facebook hält sich bedeckt

    Die Auseinandersetzung zwischen Facebook und der Biden-Regierung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Denn kurz bevor Facebook in seiner Pressemitteilung auf die Transparenz der eigenen Arbeit verwies, hatte Facebook Daten an anderer Stelle wieder verschlossen.

    Die New York Times hatte letzte Woche berichtet, dass es bei Facebook zu Streit rund um das interne Werkzeug CrowdTangle kam. CrowdTangle wird von Journalisten und Forschern dazu genutzt, um festzustellen, welche Inhalte auf Facebook besonders erfolgreich sind. Über das letzte Jahr hatte New York Times-Journalist Kevin Roose via CrowdTangle ermittelt, dass rechtspopulistische Inhalte auf Facebook viel erfolgreicher sind als gemäßigte oder sachliche Inhalte.

    Dass CrowdTangle gezeigt hat, wie leicht sich Populismus und Verschwörungstheorien auf Facebook verbreiten, hat in der Facebook-Chefetage zu Unmut geführt. Der New York Times zufolge will man nun reagieren. Allerdings nicht, indem Populismus und Verschwörungstheorien eingeschränkt werden. Stattdessen wird darüber nachgedacht, CrowdTangle einzustellen. Damit wäre das Werkzeug aus dem Spiel, welches das Problem erst aufgedeckt hat.

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