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Sicherheitsexperten fordern bessere Cyber-Katastrophenhilfe | BR24

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Wasser, Strom, Gesundheit: Hacker könnten kritische Infrastruktur ins Visier nehmen.

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    Sicherheitsexperten fordern bessere Cyber-Katastrophenhilfe

    Krankenhäuser, Wasserversorgung, Kraftwerke: Kritische Infrastruktur kann gehackt werden, mit schwerwiegenden Folgen. Sicherheitsexperten fordern nun eine Art Cyberhilfswerk, nach dem Vorbild des technischen Hilfswerks.

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    Es ist klingt ein wenig nach Hollywood-Dystopie: Kraftwerke produzieren keinen Strom, Krankenhäuser versorgen keine Patienten, aus dem Wasserhahn kommt kein Wasser.

    Doch ein solches Szenario ist nicht aus der Luft gegriffen. Erst kürzlich demonstrierten Sicherheitsforscher auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs, wie man Sicherheitslücken in Kraftwerken ausnutzen kann, um die Stromversorgung zu stören. Auch Krankenhäuser werden immer wieder Opfer von Cyberangriffen, etwa durch Erpressungstrojaner. Je mehr Digitalisierung und Vernetzung voranschreiten, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass ein massiver Cyberangriff kritische Infrastruktur lahmlegt.

    "Ein großflächiger Ausfall von kritischer Infrastruktur ist nur noch eine Frage der Zeit." Johannes Rundfeldt, Gründungsmitglied und Leiter der AG KRITIS.

    Deutschland schlecht auf Cyber-Ernstfall vorbereitet

    "Vor dem Hintergrund der steigenden Eintrittswahrscheinlichkeit eines großflächigen Ausfalls (…), sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass die Bewältigungskapazitäten der Bundesrepublik aktuell nicht ausreichen", heißt es nun in einem Konzeptpapier von AG KRITIS. Viele Mitglieder des Arbeitskreises stehen dem Chaos Computer Club nahe oder haben sich in der Vergangenheit in Hacker-Vereinigung engagiert. In der AG KRITIS beschäftigen sie sich mit kritischer Infrastruktur und Cybersicherheit.

    Auf 33 Seiten analysieren die Sicherheitsexperten detailliert, wie gut, oder vielmehr, wie schlecht, Deutschland auf mögliche Cyber-Katastrophen vorbereitet ist. Die Ressourcen, die in Deutschland bei Cyber-Krisenfall in Deutschland vorhanden sind, seien nur "ein Tropfen auf den heißen Stein". Im Fall der Fälle könne gerade einmal der Regierungsbetrieb aufrechterhalten werden. Die Versorgung der Bevölkerung würde aber auf der Strecke bleiben.

    💡 Was ist kritische Infrastruktur?

    Eine Gesellschaft ohne Strom und Wasser ist kaum vorstellbar. Einrichtungen, die grundlegende Dinge für eine Gesellschaft bereitstellen, sind Teil der kritischen Infrastruktur. Dazu gehören zum Beispiel Energie, Verkehr, Gesundheit, Ernährung und Verwaltung.

    Kommt die freiwillige Cyber-Feuerwehr?

    Als Lösung schlagen die Experten die Schaffung eines Cyberhilfswerks vor, analog zum technischen Hilfswerk. Dieses CHW soll eine schnelle Einsatzgruppe sein, die in der Lage ist, vor Ort im Ernstfall IT-Hilfe zu leisten. Wie beim THW soll auch beim CHW das Rückgrat aus ehrenamtlich aktiven Helfern gebildet werden, die entsprechend qualifiziert sein müssen.

    Johannes Rundfeldt vom AG KRITIS ist zuversichtlich, dass das CHW bald Realität wird. Man stehe bereits in Kontakt mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. "Das Feedback war durchweg positiv", so Rundfeld gegenüber BR24. Ob Deutschland ein CHW bekommt, werden die nächsten Monate zeigen.