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Sci-Fi-Autor Hillenbrand würde Krisen von einer KI lösen lassen | BR24

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Tom Hillenbrand

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    Sci-Fi-Autor Hillenbrand würde Krisen von einer KI lösen lassen

    Die Corona-Pandemie hat vieles in Bewegung gebracht. Aber die Krise bietet auch Chancen für neue Sichtweisen. So manches, was wir derzeit gerade erleben, hat der Science-Fiction Autor Tom Hillenbrand zumindest im Ansatz schon durchdacht.

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    Es sind beunruhigende Zeiten, wir sollen alle zu Hause bleiben, um uns oder andere nicht mit dem Virus anzustecken. Die Wirtschaft ist ziemlich heruntergefahren.

    Wenigsten gibt es moderne Kommunikationswege, so dass man Kontakt mit Freunden und Verwandten pflegen und sich über die Entwicklungen da draußen auf dem Laufenden halten kann. Niemand hätte sich vor ein paar Wochen vorstellen können, was sich alles verändert und vor allem wie schnell es sich verändert. Wie ist es aber für Tom Hillenbrand, den Science-Fiction Autoren, wenn die Wirklichkeit die Fiktion einzuholen droht, was bleibt da noch zu erzählen?

    Corona-Krise als Anstoß, neu zu denken

    Die Corona-Krise bereite ihm zumindest keine Schreibblockade, sagt Hillenbrand, zu Gast im BR-Podcast Umbruch. Seiner Ansicht nach gibt es noch immer genug zum Durchdenken. Vielleicht werde er bei seinen nächsten Romanen einfach noch weiter in die Zukunft schauen. Das gerade erschienene Werk Qube spielt in 2091, also in rund 70 Jahren. Warum also nicht zeitlich noch viel weiter wegreisen?

    Aber auch über die ganz nahe Zukunft lässt sich nun wieder neu spekulieren. Die aktuelle Lage bietet seiner Ansicht nach genügend Anreize, über mögliche Veränderungen zu räsonieren. So könnten beispielsweise die Beschränkungen – mit Daheimbleiben und Kontaktevermeiden - etwas auslösen, meint Hillenbrand.

    "Ich kann mir vorstellen, dass nach dem Lock-Down in ein paar Wochen, eine Art von sozialer Distanz bleiben wird. Und dann würde unsere Welt schon anders werden." Tom Hillenbrand

    So sieht Hillenbrands Zukunftswelt aus

    In Tom Hillenbrands Zukunftswelten sind die Menschen teilweise schon sehr auf Distanz gegangen, zur Umwelt, aber auch zu sich selbst. Menschen können sich da von ihrem Körper befreien, indem sie ihr Gehirn digitalisieren. Das hat eine Reihe von Vorteilen: Man kann eigentlich tödliche Kopfverletzungen überleben, indem man das eigene, organische Gehirn durch einen Minicomputer ersetzt, in den zuvor die eigene Identität hineinkopiert worden ist. Man kann sein Ego - zumindest vorübergehend – auch in einen anderen Körper einpflanzen lassen.

    Wer über genug Geld verfügt, darf sich dabei sogar Aussehen und Geschlecht aussuchen. Und man kann in Lichtgeschwindigkeit durchs All reisen, denn es müssen ja nur noch die Gehirn-Daten verschickt werden und nicht mehr ganze Körper aus Fleisch und Blut.

    Kann eine Künstliche Intelligenz die Menschheit retten – oder wird sie uns vernichten?

    In Qube geht es - wie auch schon im Vorgängerroman Hologrammatika - viel um Künstliche Intelligenz. Die KI hat das Endstadium erreicht, kann also nicht nur rechnen und nachahmen, sondern auch eigene Entscheidungen und Ziele formulieren.

    Menschen hatten dieses Super-Wesen erfunden, um sich von ihm die Klima-Krise lösen zu lassen. Die Künstliche Intelligenz erledigte das auf ihre Art, indem sie die Weltbevölkerung auf zwei Milliarden reduzierte. Ein erschreckendes Szenario, trotzdem will die KI eigentlich nichts Böses. Sie verlässt sogar die Erde, um sich ins All zurückzuziehen und die Menschheit fortan in Ruhe zu lassen.

    Vielleicht will eine Künstliche Intelligenz ja auch nur nachdenken

    Daraus ergeben sich grundlegende Fragen: Kann eine beinahe allmächtige KI der Menschheit helfen? Oder wird uns ein solches Wesen womöglich alle auslöschen. Hillenbrand kann sich vorstellen, dass eine digitale Superintelligenz womöglich sehr selbstgenügsam ist:

    „Vielleicht ist sich eine KI ja selbst genug, ist introspektiver als jeder Mensch und erträumt sich irgendwelche virtuellen Welten oder probiert in sich selbst irgendwas aus.“ Tom Hillenbrand

    Zum In-uns-selbst-gehen haben wir im Moment genug Zeit – mehr als uns womöglich lieb ist. Die Ausgangsbeschränkungen eröffnen hierfür viele Möglichkeiten. Tom Hillenbrand bleibt dabei Optimist. Er will die aktuelle Virus-Krise zwar nicht klein reden, doch es könnte ja auch sein, dass sie in uns neue Sichtweisen auslöst und sie uns sogar aufgeschlossener macht – auch für technologische Entwicklungen. Wenn man vielleicht innerhalb eines Jahres einen Impfstoff hat, dann werde uns das allen vor Augen führen, wie toll und hilfreich Technologie sei, meint Hillenbrand.

    Die aktuelle Podcast-Ausgabe von Umbruch mit Tom Hillenbrand gibt´s hier.