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© BR/Julia Müller

Die App Twitter auf einem Smartphone.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und der Mikroblogging-Dienst Twitter blickt zurück, um die Frage zu beantworten: Worüber haben die Deutschen 2018 getwittert?

#WirSindMehr gegen Rechtsradikalismus

In der Rubrik Debattenhashtag steht #WirSindMehr ganz oben auf der Liste. Unter diesem Motto hatte sich im Spätsommer in sozialen Netzwerken der Protest gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit formiert. Zuvor war es in Chemnitz zu Demonstrationen rechtsgerichteter Gruppen gekommen. Anlass war der Tod eines Mannes. Die aus Chemnitz stammende Band "Kraftklub" rief zu einem "WirSindMehr"-Konzert auf, an dem sich viele andere Künstler beteiligten und zu dem mehr als 65.000 Zuschauer kamen.

Doch auch Gegner der Aktion nutzten diesen Tweet, wie beispielsweise die Vize-AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Beatrix von Storch. Sie twitterte am 3. September: "Ihr seid nicht mehr. Ihr seid Merkels Untertanen, ihr seid abscheulich - und ihr tanzt auf Gräbern."

#metoo hat Konsequenzen

Auf dem zweiten Platz folgte #metoo rund um die Debatte um sexuellen Missbrauch und Belästigung. Viele Frauen nutzten den Hashtag, um erlebte sexuelle Übergriffe öffentlich zu machen. Diese Berichte hatten Folgen für viele Männer - vor allem in den USA, Großbritannien und Indien -, die teils wichtige Posten räumen mussten. Schon 2017 war #meetoo einer der erfolgreichen Hashtags. Er hatte seinen Ursprung in dem Skandal um den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein.

Der am dritthäufigsten diskutierte Debattenhashtag ging auf eine Aktion von Jan Böhmermann zurück: Der Satiriker hatte im April in seiner ZDF-Sendung "Neo Magazin Royale" dazu aufgerufen, sich unter #ReconquistaInternet für die "Zurückeroberung des Internets" einzusetzen. Der Hashtag spielt auf "Reconquista Germanica" an, ein Netzwerk rechtsgerichteter Internetaktivisten. Dem Aufruf folgten rund 60.000 Menschen.

Mit #esreicht und #unteilbar stehen zwei weitere Hashtags, die gegen Rechtsradikalismus, Rassismus und für eine offene Gesellschaft mobilisieren wollen, auf den Plätzen vier und fünf der Twitter-Liste.

Ein Treffer für die Fußball-WM

Meistdiskutierter Nachrichtenhashtag war den Angaben zufolge #WM2018 zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland.

Außer der WM standen auch die Ereignisse im Hambacher Forst in Nordrhein-Westfalen unter den deutschen Twitter-Nutzern besonders stark im Fokus: Mit #HambacherForst (Platz zwei) und #HambiBleibt (Platz neun) schafften es gleich zwei Hashtags zu diesem Thema in die Top-Ten-Liste der Nachrichtenhashtags. Der Hambacher Forst gilt als Symbol des Widerstands gegen den Kohle-Abbau.

Der Fall #Maaßen

Auch die Debatte um Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen sorgte bei Twitter für reichlich Diskussionen: #Maaßen landete auf Platz drei der Liste der meist genutzten Nachrichtenhashtags. Maaßen war in die Kritik geraten, nachdem er in der "Bild"-Zeitung Zweifel daran geäußert hatte, dass es bei den Demonstrationen rechtsgerichteter Gruppen in Chemnitz "Hetzjagden" auf Ausländer gab.

Es folgte ein wochenlanger Streit, der am 23. September mit dem Kompromiss endete, dass Maaßen nicht Verfassungsschutzchef bleibt. Zunächst sollte er als Sonderberater ins Innenministerium wechseln, nach weiteren Querelen wurde Maaßen jedoch Anfang November in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Der meistgenutzte Hashtags zu einer TV-Sendung war #IBES zum RTL-Dschungelcamp, gefolgt von #ESC2018 zum Eurovision Song Contest. Mit #AnneWill (Platz vier), #Hartaberfair (Platz sieben), #Maischberger (Platz neun) und #Lanz (Platz zehn) landeten gleich vier Talkshow-Hashtags in der Top-Ten-Liste.