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Saka nach dem verlorenen EM-Finale.

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    Rassismus-Eklat: England-Spieler attackiert soziale Netzwerke

    Weil er im Elfmeterschießen vergab, wurde Bukayo Saka im Netz übel und rassistisch angegangen. Nun kritisierte der englische Nationalspieler die sozialen Netzwerke scharf für deren Tatenlosigkeit. Was tun gegen Rassismus bei Facebook, Twitter und Co?

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    Von
    • Thomas Moßburger

    Mit gerade einmal 19 Jahren stellte Bukayo Saka sich am vergangenen Sonntag der wohl druckreichsten Situation im Fußball: dem fünften und entscheidenden Elfmeter im Elfmeterschießen im Finale eines Turniers. Er vergab. Millionen englische Fußballfans waren enttäuscht.

    Doch bei Enttäuschung blieb es nicht. Sakas Instagram-Posts wurden ebenso wie die der beiden anderen Fehlschützen Jadon Sancho und Marcus Rashford mit Verwünschungen und Beleidigungen geflutet. Oftmals fanden sich darin rassistische Ausdrücke und Symbole. Alle drei Schützen sind schwarze Engländer.

    Saka: Plattformen tun nicht genug

    Immerhin kamen im Laufe der Stunden nach dem Finale auch viele Menschen in den sozialen Medien zusammen, die die Spieler verteidigten und ihnen Mut zusprachen. Bei all diesen bedankte sich Saka nun in einem Post bei Instagram. Zugleich äußerte er jedoch auch Vorwürfe gegenüber den großen sozialen Netzwerken:

    "An die Social-Media-Plattformen Instagram, Twitter, Facebook: Ich möchte nicht, dass irgendein Kind oder ein Erwachsener solche hasserfüllten und verletzenden Nachrichten erhalten muss, wie ich, Marcus und Jadon sie diese Woche erhalten haben. Ich wusste sofort, welche Art von Hass auf mich zukommen würde und es ist traurig, dass eure mächtigen Plattformen nicht genug tun, um solche Botschaften zu stoppen." Bukayo Saka, englischer Nationalspieler

    Tatsächlich zeigen die Kommentare unter Sakas Posts aktuell und sowie Screenshots der Finalnacht unzweideutigen Rassismus, etwa das N-Wort, das schlicht leicht abgewandelt gepostet und von den Seiten daher offenbar übersehen wird. Eine BBC-Reporterin postete bei Twitter etwa einen Screenshot, der zeigt, dass Instagram die Entfernung eines Posts mit Affen-Emojis abgelehnt habe, da diese nicht den Richtlinien widersprächen. Eine Entscheidung, die Instagram-Chef Adam Mosseri öffentlich bedauert.

    Was tun Facebook & Co?

    Wirklich gesondert vorbereitet erschienen die Netzwerke auf den Netz-Hass gegen die Spieler jedoch nicht – obwohl ein so großes Fußball-Finale nun kaum überraschend kommen dürfte, ebenso wenig wie ein im Fußball durchaus vorhandenes Rassismus-Problem, das sich etwa in Buhrufen englischer Fans gegen die Kniefall-Geste ihrer eigenen Spieler vor den Partien zeigte. Das Niederknien sollte Protest gegen Rassismus verdeutlichen, auch das deutsche Team machte mit.

    Tatsächlich haben Facebook. Twitter und Co. in den vergangenen Jahren immer Besserung gegen Hass und Hetze auf ihren Portalen gelobt. Laut eigener Aussage durchforstet Facebook seine Plattform selbst mit Hilfe automatisierter Programme aber auch menschlichen Mitarbeitern nach Hate Speech und setzt darüber hinaus darauf, dass Nutzer Inhalte melden.

    Durchaus auch wegen Drucks aus der Öffentlichkeit oder gar einem Werbe-Boykott gegen Facebook, der dem Unternehmen vorwarf, Rassisten und Hass eine Bühne zu geben, gab es zuletzt weitere Nachbesserungen. So löschten einige der Portale 2020 etwa die Accounts der rechtsextremen Identitären Bewegung von ihren Plattformen, Facebook rang sich nach Jahren doch dazu durch, Holocaust-Leugnungen grundsätzlich zu löschen, Twitter gab seinen Usern zudem die Möglichkeit, relativ exakt einzustellen, wer Tweets kommentieren darf und wer nicht.

    Probleme weiterhin vorhanden

    Solche Hilfsmittel zum Moderieren von Kommentaren und Co. zu nutzen, die soziale Medien den Nutzern und Betreibern großer Accounts an die Hand geben, empfiehlt Nina Lüders von der Initiative #ichbinhier. Die Aktionsgruppe setzt sich in sozialen Medien dafür ein, dass Hass und Co. nicht hingenommen, sondern aktiv, mit Argumenten gekontert werden.

    Mit Wort-Filtern, aber vor allem mit Community-Management und einer aktiven Community könne man Hass in den sozialen Netzwerken begegnen. In ihren Augen geht beispielsweise Facebook durchaus härter gegen konzertiertes Hetzen vor als früher, das Melden entsprechender Inhalte ist jedoch auch heute oft nicht erfolgreich. Auch unter den Instagram-Postings von England-Spieler Saka finden sich nach wie vor rassistische Beleidigungen. Dass auch Twitter durch die angezogenen Regeln keineswegs ein hassfreier Ort geworden ist, zeigen jüngste Abgänge prominenter User aufgrund von Anfeindungen und Drohungen.

    Anti-Hass-Aktivistin: Auch Seitenbetreiber gefragt

    Was in Augen von Anti-Hass-Aktivistin Lüders bleibt, ist, dass die sozialen Netzwerke durchaus Verantwortung dafür tragen, was auf ihren Plattformen passiert. Dennoch sollten zugleich auch die Betreiber großer Kanäle, Medienseiten aber wohl auch Profifußballer oder Influencer, ihre Kommentarspalten nicht sich selbst überlassen, sondern aktiv Community-Management betreiben lassen – wenn sie dem Problem Herr werden wollen.

    Auch Fußballer Saka will die Lösung nicht allein den Plattformen überlassen und ruft seine Fans in seinem Posting dazu auf, Hass-Verbreiter zur Rede zu stellen, entsprechende Kommentare der Polizei zu melden und insgesamt nett zueinander zu sein.

    BR24 hat sowohl Facebook, das auch Instagram betreibt, als auch Twitter um Statements zu den Aussagen von Bukayo Saka gebeten, jedoch bisher keine Antwort erhalten.

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