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Rassenkunde im Warenkorb | BR24

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Auch fragwürdige Bücher landen bisweilen im Warenkorb von Amazon

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    Rassenkunde im Warenkorb

    Auf Amazon kann man reihenweise frisch nachgedruckte Bücher des antisemitischen Rassentheoretikers Hans F. K. Günther kaufen. Wie kann das sein?

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    Rassenpapst“ nannte man ihn oder auch „Rassengünther“: Der Philologe Hans F. K. Günther gilt als einer der wichtigsten ideologischen Stichwortgeber der nationalsozialistischen Rassenideologie. Hilter selbst soll sechs Bücher von Günther besessen haben, darunter vier unterschiedliche Ausgaben von „Die Rassenkunde des deutschen Volkes“, das sich zwischen von seinem Erscheinen im Jahr 1922 bis 1945 etwa eine halbe Million mal verkauft haben soll.

    In Günthers Büchern geht seitenweise um Bluttests, um Schädelvermessungen und um vermeintliche Eigenheiten bestimmter „Rassen“ und Völker. In „Die Rassenkunde des jüdischen Volkes“ schreibt Günther über Deutsche und Juden Sätze wie „Das Notwendige Nicht-Verstehen zwischen zwei verschiedenen Rassegemischen, bedingt die gegenseitige Abneigung“. Und am Ende des Buches heißt es: „Nur die Scheidung der Juden von den Nicht-Juden ist eine würdige Lösung der Judenfrage“. Nachlesen kann man diesen kruden Antisemitismus, wenn man in einer beliebigen Suchmaschine nach dem PDF des Buches sucht.

    Amazon: "Kein Kommentar!"

    Allerdings finden sich Günthers Bücher auch auf Amazon, wo sie zum Kauf angeboten werden und zwar nicht in Form von antiquarischen Originalausgaben, sondern als frischer Nachdruck. Als Verlag fungiert eine amerikanische Firma namens „Blurb“, die sich eigentlich auf das Drucken von Fotobücher und Zeitschriften spezialisiert hat. Offenbar wird bei Blurb das Buch von Hans F.K. Günther im Print on demand-Verfahren produziert, das bedeutet, dass das Buch erst dann gedruckt wird, wenn eine Bestellung eingeht. Blurb war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, von Amazon hieß es, dass man den Sachverhalt nicht kommentieren wolle.

    Warnhinweise für Videos und Bücher

    Generell stellt sich die Frage, wie Verkaufsplattformen wie Amazon mit problematischen Werken umgehen sollen. Eine ähnliche Debatte gibt es auch rund um das Video-Angebot „Amazon Prime Video“. Im August dieses Jahres geriet der Konzern in die Kritik, da auf der Plattform auch Videos abrufbar sind, die Verschwörungstheorien verbreiten, darunter auch solche des überaus umstrittenen Fernsehmoderators Alex Jones. Auch die Konkurrenzplattform Netflix hat solche Videos im Angebot, weshalb es die Forderung gibt, solche Inhalte zwar nicht gleich zu löschen, aber doch irgendwie zu kennzeichnen, zum Beispiel mit Warnhinweisen.

    Ebenso könnte man mit Büchern von Hans F.K. Günther verfahren. Dabei stellt sich allerdings die Frage, wer eine solche Kennzeichnung vornehmen soll. Sollen am Ende wirklich Unternehmen darüber entscheiden, welche Inhalte als problematisch gelten sollen? Und wo zieht man die Grenze, was gekennzeichnet werden soll und was nicht? Am Ende hilft wohl nur eines: Aufklärung über die NS-Ideologie- so dass solche Bücher erst gar nicht im Warenkorb landen.