BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

QAnon-Anhänger glauben an Trumps Sieg. Aber wie lange noch? | BR24

© C Drying

Die Verschwörungsgruppe QAnon ist ein fester Bestandteil des Kults um Donald Trump geworden.

3
Per Mail sharen

    QAnon-Anhänger glauben an Trumps Sieg. Aber wie lange noch?

    Für die Anhänger des Verschwörungskults QAnon ist Trump ein unfehlbarer Messias. Noch glauben die meisten von ihnen nicht, dass er die Wahl verloren hat. Aber was, wenn Biden sein Amt antritt? Eine Spurensuche im Land der Wahnvorstellungen.

    3
    Per Mail sharen

    Mitglieder der sektenartigen Internet-Bewegung QAnon glauben gerne an Dinge, die eigentlich unglaublich sind. Die Gruppe, die auch in Deutschland immer mehr um sich greift, ist sich beispielsweise sicher, dass Hillary Clinton, Tom Hanks und Angela Merkel Teil einer globalen satanistischen Verschwörung sind, die das Blut von gefolterten Babys trinken. Doch schon bald werden QAnon-Anhänger mit etwas konfrontiert werden, das in ihren Augen alles in die Schatten stellen dürfte: Der Realität, dass Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat.

    Donald Trump: Der Messias der Verschwörungsgläubigen

    QAnon ist benannt nach Q, einem angeblichen Insider im Weißen Haus, der seit einigen Jahren wirre Codes und Prophezeiungen in verschiedenen Internetforen hinterlässt. Obwohl Qs Vorhersagen noch nie eingetroffen sind und Netzexperten mittlerweile davon ausgehen, dass es sich bei Q um mehrere Personen handelt, die dessen Rolle nur spielen, hat sich um Q eine massive Followergruppe von "Anons" geschart, die auch in Deutschland immer weiter wächst. Social Media-Gruppen, die zum Beispiel den "Querdenkern" nahestehen, sind von QAnon-Propaganda durchtränkt. Und auch die prominenten Verschwörungstheoretiker Attila Hildmann und Xavier Naidoo haben bereits die Ideologie der QAnon-Bewegung verbreitet.

    Das wichtigste Dogma für QAnon ist der Glaube an Donald Trump. Von den "Anons" wird er oft als "von Gott gesandt" oder "heilig" bezeichnet, während seine politischen Gegner satanistische Kinderschänder seien, gegen die man einen heiligen Krieg führen müsse. Der sektenführerartige Q versprach ihnen jahrelang, Trump würde die Wahl 2020 haushoch gewinnen und seine politischen Gegner würden allesamt verhaftet. "Vertraut dem Plan", so lautet einer der vielen Slogans, mit denen QAnon-Anhänger sich gegenseitig in ihrem Glauben bekräftigen.

    Biden hat gewonnen - die Anons glauben das nicht

    Doch nun ist die Wahl vorüber - und Joe Biden hat sie recht deutlich gewonnen. Der von Q versprochene Erdrutschsieg für Trump blieb aus - vom "Plan" keine Spur. In Telegram-Chats und Facebook-Gruppen führt das unter einigen QAnon-Gläubigen zu Zweifel. "Bin echt etwas verzweifelt", schreibt ein Follower in einer großen deutschsprachigen Telegram-Gruppe. "Ich habe auf diesen Moment hin gefiebert. Dass es endlich passiert. Nun tritt nix ein und Obama macht ne Netflix Serie als in den Bau zu gehen." Ein englischsprachiger QAnon-Follower schreibt am 8. November auf Twitter: "Wir verlieren. Nicht sicher, ob ich dem Plan noch vertraue. Nicht sicher, ob es überhaupt einen Plan gibt."

    © Screenshot

    QAnon-Gläubige berichten in einer Telegram-Gruppe von ihrer Verzweiflung

    Auf der anderen Seite stehen jedoch zahlreiche QAnon-Gläubige, die weiter fest an den "Plan" glauben. "Die Wahl ist noch nicht vorbei und schon gar nicht verloren", schreibt ein anderer Q-Follower auf Telegram. "Aber das glaubt mir nun niemand mehr. Außer das Wettbüro. Die müssen irgendwann zahlen."

    Manche Anons glauben, Trump habe haushoch gewonnen

    Die Theorie von denjenigen, die am Glauben festhalten: Trump habe die Wahl nur zum Schein verloren. In der Welt von QAnon, die die Zeitung The Guardian auch als "kollektive Wahnvorstellung" bezeichnet, hat Donald Trump die Wahl in Wahrheit haushoch gewonnen und führt lediglich seinen Plan aus, die Demokraten um Joe Biden der Wahlfälschung zu überführen. Der QAnon-nahe Blog "X22 Report" berichtet etwa aktuell von einer "Falle", die 2018 gestellt worden sei und die nun zuschnappen werde - anderswo ist die Rede von geheimen Wasserzeichen oder versteckter Software. Welche Verschwörungstheorie es auch ist - in der Wahnwelt der Anons glauben die meisten weiterhin, dass Donald Trump seine Gegner jeden Moment der Wahlfälschung überführen wird und 2021 dann seine zweite Amtszeit antritt.

    Was, wenn Biden sein Amt antritt?

    Das Problem bei dieser These: Sie hat ein Ablaufdatum. Zwar beschwert sich Donald Trump sogar selbst über angeblichen Betrug bei der US-Wahl. Doch die Anstrengungen seines Teams, Unregelmäßigkeiten aufzudecken, wirken eher hilflos. Aktuell verliert das Trump-Team ein Gerichtsverfahren nach dem anderen, und hat bislang keinerlei Beweise für einen Wahlbetrug zutage gefördert. Ein echter "Plan" sieht anders aus.

    Was wird also passieren, wenn Joe Biden im Januar vereidigt wird? Noch weiß das niemand. "Bald werden wir herausfinden, wie widerstandsfähig das QAnon-Milieu im Angesicht von eindeutigem Widerspruch ist", schreibt der QAnon-Experte und Autor Travis View auf Twitter. Dass die Sekte sich vom einen Tag auf den anderen auflösen wird, ist so gut wie ausgeschlossen.

    Der "Plan" ist vorbei

    "Der Wahlausgang hat eindeutig Zweifel gesät", berichtet ein Reddit-Nutzer über seinen QAnon-gläubigen Freund im Forum "QAnon Casualties". Dort sammeln Menschen ihre Erfahrungen mit Freunden und Familienmitgliedern, die im Internet auf QAnon-Mythen gestoßen und anschließend Wahnvorstellungen verfallen sind. Zuletzt tauchen dort vermehrt auch Berichte über Menschen auf, die Q wegen seiner offensichtlichen Lügen nicht mehr glauben wollen.

    Und sogar in den Kommentarspalten QAnon-naher Blogs findet sich auf einmal etwas, das bei QAnon sonst nie vorkommt: Interner Widerspruch. Unter dem "X22-Report"-Tweet, der von einer angeblichen Trump-Falle aus dem Jahr 2018 berichtet, scheint der Kommentar mit den meisten Likes ebenfalls an dem "Plan" zu zweifeln: "Wir warten. Die Zeit läuft uns davon. Wir, das Volk, brauchen ernsthafte Resultate und Verhaftungen so schnell wie möglich. Unser Land und unser Leben hängt davon ab."

    QAnon könnte noch gefährlicher werden

    Wenn Biden in zwei Monaten US-Präsident wird, könnte eine ganze neue Gefahr entstehen: Hunderttausende QAnon-Gläubige auf der ganzen Welt könnten nun glauben, der "Plan" habe nicht funktioniert, und sie müssten den Kampf gegen die satanistische Weltverschwörung selbst in die Hand nehmen. Das FBI hat QAnon bereits offiziell als Terrorgefahr eingestuft. Die Enttäuschung könnte dann auch in Gewalt umschlagen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!